Gesundheit

Vaginale Trockenheit: Wenn die Scheide brennt

Tote Hose im Bett, weil sie wegen Scheidenschmerzen keine Lust hat? Vielleicht steckt vaginale Trockenheit dahinter. Bild: dpa

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Vaginale Trockenheit ist weiter verbreitet als manche Frau vermutet. Jede Fünfte klagt über eine trockene Scheide, über Brennen, Jucken und schmerzhafte Risse, schätzt Dr. Cornelia Hösemann, Frauenärztin aus Großpösna bei Leipzig. Doch viele Patientinnen möchten nicht offen über dieses tabuisierte Thema sprechen. Die niedergelassene Gynäkologin weiß um den psychischen Leidensdruck, den vaginale Trockenheit auslösen kann: «Die betroffenen Frauen haben das Gefühl, dass sie keine vollwertige Sexualpartnerin mehr sind, auch wenn das unbegründet ist.»

Normalerweise ist die Scheidenhaut der Frau gut durchblutet und bildet bei sexueller Erregung eine klare Flüssigkeit, die das Eindringen des Penis erleichtert. Bleibt die Lubrikation aus, wie die schleimige Gleitflüssigkeit in der Fachsprache genannt wird, wird die sensible Schleimhaut der Scheide durch die reibenden Bewegungen des Penis wund gerieben und schutzlos. «Die Haut wird dünner und zunehmend empfindlicher, sie sieht rissig, fast pergamentförmig aus», erklärt Hösemann. Die Folge: Durch alle möglichen Keime kann es zu Infektionen und Entzündungen der wehrlosen Schleimhaut kommen. Dass dabei die Lust auf Sex vergeht, ist klar.

Meist klagen Frauen in den Wechseljahren über Scheidentrockenheit. Grund dafür ist der absinkende Östrogenspiegel. Sinkt nämlich die Produktion des weiblichen Geschlechtshormons, wird auch die Scheidenwand nicht mehr so gut befeuchtet. Zudem wird dort weniger Milchsäure produziert, wodurch der natürliche, saure pH-Wert ansteigt und die Vaginalflora nun nicht mehr ausreichend vor Infekten geschützt ist.

Doch vaginale Trockenheit kann auch bei jüngeren Frauen auftreten – etwa nach Operationen an Gebärmutter oder Eierstöcken. Hormonschwankungen durch Schwangerschaft, Stillzeit oder Pille - sofern es sich um Gestagen-Produkte handelt - sind ebenfalls häufige Ursachen für eine trockene Scheide. Auch Alkohol, Nikotin oder Medikamente können die Scheidenschleimhaut austrocknen. Neben körperlichen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Adipositas und Diabetes beeinflussen auch psychische Faktoren wie Stress, Nervosität und Beziehungsprobleme den Feuchtigkeitshaushalt und pH-Wert der Vagina ungünstig.

«Zu häufiger Tamponwechsel, vor allem am Ende der Monatsblutung, und das Tragen von Slipeinlagen mit Kunststofffolien können ebenfalls Ursachen sein», sagt Hösemann. Auch übertriebene Hygiene könne das natürliche Gleichgewicht in der Scheide empfindlich durcheinander bringen. Die Fachfrau rät dazu, parfümierte Seifen oder Intimsprays zu vermeiden und pH-neutrale Produkte zu verwenden.

Die Beschwerden werden von Frau zu Frau unterschiedlich empfunden. «Manche klagen über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, obwohl der Befund normal ist», sagt Hösemann. Diesen Patientinnen empfiehlt sie, Babyöl oder ein Gleitgel aus der Apotheke auf die Scheide aufzutragen. «Man sollte jedoch auf wasserlösliche Präparate zurückgreifen, damit sie – falls Kondome verwendet werden – nicht deren Sicherheit beeinträchtigen», so die Ärztin.

Andere Frauen werden geplagt von Brennen und Jucken im Schritt, wagen aber nicht, das Problem anzusprechen. Hösemann klärt dann zunächst, ob psychische oder körperliche Ursachen zugrunde liegen, und bespricht mit der Patientin, welche Behandlung für sie infrage kommt. «Bisher werden Beschwerden, die auf Östrogenmangel zurückzuführen sind, mit hormonhaltigen Vaginalcremes oder Zäpfchen behandelt», erklärt die Frauenärztin.

Inzwischen seien aber auch hormonfreie Produkte im Handel, die das entgleiste Scheidenmilieu wieder ins Lot bringen und die für Frauen empfohlen wird, die zum Beispiel wegen Krebserkrankungen oder Thromboseneigung keine Hormone oder hormonhaltige Cremes anwenden dürfen. Doch ganz gleich, ober hormonhaltig oder -frei, wichtig sei, dass die Frauen das Problem ansprechen, sagt Hösemann. «Die Betroffenen sollten keine Scham empfinden.»

jek