Trotz Familienkrach Porsche und VW wollen wieder miteinander

Trotz der verbalen Gefechte der vergangenen Tage wollen die Autokonzerne Volkswagen und Porsche am Ziel eines gemeinsamen Konzerns festhalten. Nach dem Krach demonstriert man nun wieder Einigkeit.

Porsche und VW - eine schwierige Ehe. (Foto)
Erst streiten, dann wieder vertragen und bestimmt bald wieder ein wenig Streit - der Gang der Fusionsgespräche bei Porsche und VW. Bild: ap

«Beide Häuser werden die Arbeiten zur Erreichung dieses Zieles konstruktiv und einvernehmlich mit allen Beteiligten vorantreiben», teilten die Porsche-Holding und Volkswagen in gleichlautenden Erklärungen mit.

Volkswagen unterbrach die Fusionsgespräche mit Porsche erst am Sonntag. Ein für Montag geplantes Treffen fiel aus. Ein Porsche-Sprecher sagte nun, die Aufsichtsratschefs der Unternehmen, Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch, hätten inzwischen miteinander gesprochen und sich auf das Ziel verständigt.

Unabhängig davon verfolgt aber Porsche weiter den Einstieg eines Investors, um seine Unabhängigkeit zu wahren. «Das sind zwei voneinander getrennte Vorgänge», hieß es. Demnach ist Porsche mit mehreren Investoren im Gespräch.

Am Ende könnte also auch ein integrierter Konzern unter Beteiligung eines Investors stehen. Ein Porsche-Sprecher hatte am Dienstag gesagt, die Gespräche seien auf einem guten Weg. Nach Angaben aus Konzernkreisen handelt es sich um einen arabischen Investor. Ende April wurde als möglicher Interessent Katar für einen Einstieg bei dem Volkswagen-Großaktionär genannt.

Porsche hat eigenen Angaben zufolge 9 Milliarden Euro Schulden. Über einen Investor aus dem arabischen Raum wurde in den vergangenen Wochen immer wieder spekuliert. Ein potenzieller Investor könnte sich über eine Porsche-Kapitalerhöhung direkt an dem Unternehmen beteiligen. Er könnte dem Sportwagenbauer auch VW-Aktien beziehungsweise VW-Optionen abnehmen. Damit könnte Porsche neues Kapital erhalten.

Porsche hält an Volkswagen knapp 51 Prozent der Anteile. Der Streit zwischen den beiden traditionsreichen Autobauern und ihren Topleuten Piëch auf der einen und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf der anderen Seite gewinnt seit geraumer Zeit immer weiter an Schärfe.

Das Land Baden-Württemberg sagte Porsche Unterstützung zu. Ministerpräsident Günther Oettinger wollte sich zwar zu dem Thema einer möglichen Landesbürgschaft nicht konkret äußern, betonte aber: «Wir werden alles tun, was uns rechtlich und wirtschaftlich möglich ist, um eine starke Entwicklung von Porsche in Baden-Württemberg zu erreichen.» Der CDU-Politiker nahm auch zu dem eskalierenden Streit zwischen Porsche und Volkswagen Stellung: Einige Herren in den betroffenen Unternehmen sollten besser miteinander als übereinander reden, sagte er.

Vor allem die Äußerungen des VW-Patriarchen sorgten für Aufsehen: Piëch zweifelte die Bonität von Porsche an und erklärte, der geplante neue Automobilgigant aus Porsche und Volkswagen werde seinen Sitz in Wolfsburg haben. Für eine Zuspitzung der Situation sorgte der 72-Jährige am Montag, als er nicht zu einer Porsche-Aufsichtsratssitzung erschien. Vor dem Treffen protestierten rund 6.500 Beschäftigte gegen ihn.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff lehnte eine Staatsbürgschaft für Porsche ab. «Es ist völlig absurd, dass ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr dank seiner Optionsgeschäfte mehr Gewinn als Umsatz gemacht hat, nun den Staat und damit den Steuerzahler um eine Finanzierung anpumpt», sagte der CDU-Politiker der Bild-Zeitung. Niedersachsen ist Großaktionär bei Volkswagen und spielt dank des VW-Gesetzes eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung der Autobauer. Das Land kann mit seinem Vetorecht Entscheidungen blockieren.

seh/news.de/ap

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig