11.10.2019, 18.46 Uhr

Wurst-Skandal bei Wilke im News-Ticker: Verwirrung um Keime in Wurst - Ministerium spricht von drei Toten!

Wegen tödlicher Keime in der Wurst muss der hessische Hersteller Wilke schließen. Die Mitarbeiter der insolventen Firma bangen um Löhne und Jobs. Das Unternehmen wehrt sich gegen seine Schließung. Alle aktuellen Entwicklungen im News-Ticker.

In der Wurst der Firma Wilke Wurstwaren wurden Listerien nachgewiesen. Bild: dpa

Die Behörden haben nach zwei Todesfällen durch Keime in Fleischwaren die Produktion eines Wurstherstellers in Nordhessen vorläufig geschlossen. Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg habe gegen das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren entsprechende Schritte eingeleitet, teilte der Kreis mit. Monatelang seien in Wurstprodukten der Firma Listerien nachgewiesen worden.Die Mitarbeiter der insolventen Firma bangen nun um ihre Löhne und Jobs.

Wurst-Skandal um Wilke Wurstwaren im News-Ticker aktuell

  • Firma Wilke Wurstwaren geschlossen
  • Wilke-Wurstprodukte gingen doch unter anderem Namen in den Handel
  • Nach Keimfunden in Wurst beantragt Hersteller Insolvenz
  • Wurstfirma will weitermachen

+++ 11.10.2019: Verwirrung um Keime in Wurst - Ministerium: drei Tote +++

Die Zahl der Todesfälle durch Listerienkeime im Fall des nordhessischen Wurstproduzenten Wilke liegt nach Angaben des hessischen Umweltministeriums bei drei. Das Ministerium bezog sich dabei auf einen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) und auf das Bundesinstitut für Risikobewertung. Laut RKI starben bereits 2018 drei Menschen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt an einer Infektionen mit dem Listerienstamm Sigma1. Durch die Untersuchung des RKI und einen Abgleich des Bundesinstituts für Risikobewertung «konnte ein Zusammenhang von Sigma1 zu Wilke bestätigt werden», sagte eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums am Freitag. Der Keimstamm konnte demnach bei den Patienten und in Wilke-Produkten nachgewiesen werden.

Außerdem liegen dem RKI mittlerweile Berichte zu zwei Todesfällen aus Hessen vor, bei denen die Opfer zwar Listeriose hatten, aber die Infektion nicht die Todesursache ist, wie eine Sprecherin weiter erklärte. Diese beiden Todesfälle waren bisher nicht in der Veröffentlichung des RKI aufgetaucht und hatten Verwirrung verursacht. Sie zählen demnach nicht zu den drei Opfern aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, die als direkt oder indirekt an Listeriose verstorben gezählt werden.

Es gibt damit keine Sigma1-Todesopfer in Hessen, die an Listeriose verstarben. Der für die Lebensmittelüberwachung bei Wilke zuständige Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte das zunächst irrtümlich erklärt, wie eine Kreissprecherin am Freitag einräumte. Die damals vorliegenden Informationen hätten den Schluss zugelassen, dass die Todesfälle sich in Hessen zugetragen hätten. Das war aber falsch.

Der Wursthersteller Wilke in Twistetal-Berndorf war vor über einer Woche geschlossen worden. Immer wieder waren Keime in seinen Produkten gefunden worden. Listerien können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein.

+++ 10.10.2019: Wilke-Mitarbeiter bangen um Jobs - Firma bestand Test im Juli +++

Im Fall keimbelasteter Wurst bleibt die Zukunft der 200 Beschäftigten des geschlossenen Fleischherstellers Wilke ungewiss. "Aktuell ist es das Wichtigste, dass die Mitarbeiter an ihr Geld kommen", erklärte Andreas Kampmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Donnerstag. So stünden noch viele Septemberlöhne aus. Wie und ob es für Wilke weitergehe, sei völlig unklar. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem tödlich sein. Zwei Todesfälle in Hessen werden mit Waren der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Laut Gewerkschaft ist die Geschäftsführung für Mitarbeiter nicht zu erreichen. Auf Presseanfragen reagiert Wilke nicht. Die Firma hat vorläufige Insolvenz angemeldet. "Aktuell ist die Gefahr groß, dass die Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, wenn sich nicht schnell etwas was verändert", sagte NGG-Geschäftsführer Kampmann. Ein Investor könne den Betrieb wohl nur unter neuem Namen fortführen: "Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will."

Dabei ist das Unternehmen offenbar noch im Juli legal Weg an ein IFS-Prüfzertifikat des Lebensmittelhandels gekommen. Wilke habe der Prüfungsgesellschaft DQS die nötigen Unterlagen wie Laboranalysen, Inspektionsberichte und Besuchsprotokolle der Lebensmittelaufsicht vorgelegt, sagte Stephan Tromp, Geschäftsführer der Dachorganisation IFS-Management: «Insofern gehen wir nach derzeitigem Sachstand nicht davon aus, dass DQS von Wilke getäuscht wurde.»

Allerdings nutzte das Unternehmen laut Tromp eine legale Möglichkeit, sich auf den Besuch der Prüfer vorzubereiten: Es wählte eine Prüfvariante, bei der sich die Kontrolleure anmelden.

+++ 08.10.2019: Keimbelastete Wurst: Ermittlungsverfahren gegen Wilke-Geschäftsführer +++

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH eingeleitet. Die Waren des Herstellers werden mit zwei Todesfällen in Südhessen sowie 37 weiteren Krankheitsfällen wegen keimbelasteter Wurst in Verbindung gebracht. Die Ermittlungen liefen auch wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag in Kassel.

Das Verfahren sei aufgrund der Strafanzeige des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet worden. Gegenstand des Verfahrens sei vor allem die Untersuchung der zwei Todesfälle, die mit einer Listerieninfektion in Verbindung stehen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

+++ 08.10.2019: Weitere mögliche Todesfälle durch Wilke-Wurst +++

Wie der "Focus" am Dienstag berichtet, könnten die mit Keimen belastetenWurstwaren der hessischen Firma Wilke auch in Niedersachsen Krankheiten oder sogar Todesfälle verursacht haben. Dabei beruft sich das Portal auf eine Sprecherin desLandesgesundheitsamtes. Demnach seien Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb steht. Bei den erkrankten Menschen soll es sich laut Landesgesundheitsamt um Personen handeln, die zwischen 50 und 90 Jahren Jahre alt sind. Zwei der Personen sind bereits tot. Es müsse jedoch noch ermittelt werden, ob Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. Zwei der Fälle wurden bereits im Frühjahr 2019 ermittelt, der andere Fall stammt bereits auf dem vergangenen Jahr. "Ob die drei Menschen auch Wurst der Firma Wilke gegessen haben, wissen wir nicht", sagte der Sprecher.

+++ 08.10.2019: Foodwatch will Herausgabe von Wilke-Kundenliste erzwingen +++

Die Verbraucherorganisation Foodwatch macht im Fall möglicherweise keimbelasteter Wurst des Herstellers Wilke weiter Druck auf die Behörden. Bisher sei keine Kundenliste des nordhessischen Wurstherstellers herausgegeben worden, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker am Dienstag: "Bis 13 Uhr lag uns keine Antwort auf unseren Eil-Antrag hin vor." Man prüfe allerdings noch das weitere Vorgehen. Denn vom hessischen Umweltministerium sei eine Rückmeldung in Aussicht gestellt worden. Foodwatch hatte den Behörden ein Ultimatum gesetzt, das am Dienstagmittag verstrich.

Die Verbraucherorganisation fordert weitere Informationen zu dem Fall, bei dem es um zwei Todesfälle durch keimbelastete Wurst geht. «Wir wollen wissen, was den Behörden bisher über die Verkaufs- und Abgabestellen der zurückgerufenen Wilke-Produkte bekannt ist», sagte Rücker. Die Ware des Fleischproduzenten aus Twistetal-Berndorf sei schließlich auch undeklariert in Restaurants, Kantinen oder an Wurstthekenin in den Verkauf gegangen. "Aus unserer Sicht offen ist zudem, ob Wilke auch an die Lebensmittelindustrie zur Weiterverarbeitung geliefert hat." Wenn weitere relevante Informationen nicht öffentlich gemacht werden, will Foodwatch ein Gericht einschalten. "Der entsprechende Antrag ist in der finalen Abstimmung."

Möglicherweise stehen weitere Todesfälle mit Wilke in Verbindung. In Niedersachsen sind Behörden drei Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurden, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb steht. Die Keime seien genetisch eng mit den Listerien verwandt, die in den Waren der Firma Wilke nachgewiesen wurden. Die drei erkrankten Menschen sind laut Landesgesundheitsamt zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war.

Mit der Aufklärungsarbeit der Behörden ist Foodwatch unzufrieden. Die Verbraucherorganisation wirft dem Land unter anderem vor, bereits am 12. August vom Listerien-Verdacht beim Wursthersteller Wilke erfahren zu haben: "Bis zur Stilllegung der Produktion und zum weltweiten Rückruf aller Wilke-Produkte vergingen insgesamt mehr als sieben Wochen seit das Ministerium vom Listerien-Verdacht wusste", sagte Foodwatch.

Das Land Hessen erklärte, man wolle Foodwatch umfangreich antworten. Doch eine Liste der belieferten Betriebe fehle. "Die existiert tatsächlich nicht", sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Wiesbaden. Der Wursthersteller Wilke hatte laut Behörden nur direkte Kundenlisten. Der Weg der Ware, die über mehrere Vertriebsstufen in den Einzelhandel ging, sei nicht nachvollziehbar.

Unklar bleibt zudem, was in dem Untersuchungsbericht der "Task-Force Lebensmittelsicherheit" des Landes Hessen steht. Spezialisten hatten den Betrieb in Nordhessen untersucht, unter anderem um die Keimquelle zu finden. Doch der Bericht bleibt vorerst unter Verschluss. «Dieses Gutachten bestätigt das Handeln des Landkreises, die Schließung der Firma Wilke zu verfügen und den Rückruf aller Produkte zu veranlassen», hatte Reinhard Kubat (SPD), Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg, lediglich erklärt. Der Bericht sei an die Staatsanwaltschaft Kassel gegeben worden. Die wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

+++ 08.10.2019: Politiker wolle Konsequenzen aus dem Wilke-Skandal ziehen +++

Politiker wollen jetzt aus dem Fall Konsequenzen ziehen. "Im Fall Wilke Wurstwaren stellen sich derzeit noch viele Fragen, die beantwortet werden müssen, um Wiederholungen zu vermeiden", sagt Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Gemeinsam mit der Kreisverwaltung, dem Regierungspräsidium Kassel und der Task-Force werden man den vorliegenden Fall analysieren und die erforderlichen Konsequenzen ziehen. Zudem solle die Lebensmittelüberwachung durch einen Gesetzesentwurf gestärkt werden.

Sollte es beim Krisenmanagement oder Umgang mit Wilke Fehler gegeben haben, wäre das Regierungspräsidium in Kassel die zuständige Aufsichtsbehörde. Dort will man vorerst abwarten. "Das müssen die erstmal aufarbeiten", sagte ein RP-Sprecher.

+++ 08.10.2019: Ultimatum von Foodwatch im Fall Wilke läuft ab +++

Im Fall des nordhessischen Wurstherstellers Wilke läuft am Dienstag das Ultimatum der Verbraucherorganisation Foodwatch ab. Diese hatte am Sonntagmittag einen Eilantrag an hessische Behörden gestellt, binnen maximal 48 Stunden die Namen der vom Rückruf betroffenen Produkte und Verkaufsstellen herauszugeben. Diese Forderung sehe man bisher nicht erfüllt, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ob der Klageweg Sinn macht, wollte Foodwatch noch prüfen.

Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Behörden hatten den Betrieb mit 200 Mitarbeiter in Twistetal-Berndorf vor einer Woche geschlossen. Mehrfach waren dort Listerien-Keime im Waren entdeckt worden. Seitdem läuft ein weltweiter Rückruf aller Wilke-Produkte.

Eine Liste wie Foodwatch sie fordert, gibt es laut dem Land Hessen aber nicht. Wilke habe nur die Namen der direkten Kunden wie Großhändler - an welche Einzelhändler die Waren gingen, sei durch mehrere Vertriebsstufen nicht nachvollziehbar. Behörden haben aber mittlerweile auf dem Portal "lebensmittelwarnung.de" eine Liste Hunderter betroffener Produkte veröffentlicht. Auch die Namen der Handelsmarken mit Wilke-Fleisch wurden bekannt gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung im Fall Wilke. Dabei steht ihr nun auch das Gutachten der "Task-Force Lebensmittelsicherheit" des Landes zu Verfügung. Die Arbeitsgruppe hatte den Betrieb untersucht, der mittlerweile vorläufige Insolvenz angemeldet hat. "Dieses Gutachten bestätigt das Handeln des Landkreises, die Schließung der Firma Wilke zu verfügen und den Rückruf aller Produkte zu veranlassen", hatte Reinhard Kubat (SPD) erklärt. Sein Kreis ist die zuständige Aufsichtsbehörde für die Firma Wilke. Details aus dem Gutachten nannte er nicht.

Kubat sagte, dass er angeordnet habe, alle Abläufe und Kontrollmechanismen der Aufsichtsbehörde noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Foodwatch hatte Wilke und den Behörden "schwere Versäumnisse" beim Krisenmanagement vorgeworfen.

+++ 07.10.2019: Weitere Marken vom Wilke-Wurst-Skandal betroffen +++

Das hessische Verbraucherministerium weist aktuell darauf hin, dass auch andere Marken vom Wilke-Rückruf betroffen sein sollen. Dazu sagte das Minesterium folgendes. ""Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen sind alle Eigenmarken der Fa. Wilke mit dem Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG", ebenso folgende Marken und Handelsnamen, sofern sie das Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG" tragen, betroffen. Zu den belasteten Marken gehören:

  • Metro Chef
  • Haus am Eichfeld
  • Service Bund „Servisa"
  • CASA
  • Pickosta
  • Schnittpunkt
  • Sander Gourmet
  • Rohloff Manufaktur
  • Korbach
  • ARO
  • Findt
  • Domino
  • Wilke

+++ 07.10.2019: Wilke-Wurst wurde auch an Ikea-Restaurants geliefert +++

Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Fleischwaren des nordhessischen Wurstproduzenten Wilke ist auch der Möbelkonzern Ikea vom Rückruf betroffen. Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Sprecherin des Möbelkonzerns am Montag. Sie bestätigte damit entsprechende Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch.

Ikea war nach eigenen Angaben am Mittwoch durch den Großhändler über die Schließung von Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH informiert worden. "Aus diesem Grund haben wir als Vorsichtsmaßnahme den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt", sagte die Sprecherin. Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus dem Restaurant, dem Schwedenshop und dem Bistro. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.

+++ 06.10.2019: Keime in Wurst: Foodwatch fordert Offenlegung der Kunden +++

Nach zwei Todes- und mehreren Krankheitsfällen durch keimbelastete Wurst hat die Organisation Foodwatch die zuständigen Behörden in Hessen ultimativ zur Veröffentlichung aller belieferten Betriebe aufgefordert. "Es kann ja nicht sein, dass es eine Liste gibt, diese aber nicht veröffentlicht wird", sagte ein Sprecher am Sonntag. Mit einem Eil-Antrag vom Sonntag an den Landkreis Waldeck-Frankenberg, das Regierungspräsidium Darmstadt und das hessische Verbraucherschutzministerium will die Organisation eine Offenlegung binnen 48 Stunden. Verstreiche diese Frist, wolle man die Veröffentlichung über ein Gericht durchsetzen.

Die Organisation sieht Gefahr im Verzug. Es sei als äußerst wahrscheinlich zu betrachten, "dass sich vom Rückruf betroffene Produkte der Firma Wilke noch im Umlauf" befänden, heißt es in dem Antrag. In den Produkten des Herstellers Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG aus Twistetal waren mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen worden. Nach Angaben des zuständigen Landkreises Waldeck-Frankenberg hat die Firma mittlerweile der Schnellwarnstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Liste der belieferten Betriebe zur Verfügung gestellt. Die Schnellwarnstelle habe diese europaweit an alle Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsbehörden verteilt, heißt es auf der Website des Landkreises mit Verwaltungssitz in Korbach.

+++ 06.10.2019: Schimmel und Mäusekot: Ex-Mitarbeiter packen aus +++

Im Skandal um die mit Listerien verseuchte Wurst der Firma Wilke Wurstwaren melden sich nun auch Ex-Mitarbeiter des Unternehmens zu Wort. Im Gespräch mit der "Bild am Sonntag" berichteten sie von Schimmel auf der Wurst, Mäusekot in den Produktionsräumen und defekten Kühlungen bei den Lieferwagen.

"Oft wurde so viel Wurst produziert, dass sie nicht mehr ins Kühlhaus passte, sondern im Gang davor gelagert wurde. Darum wurden die Würste nicht genug gekühlt. Es entstand Schimmel, erst auf dem Darm, dann im Darm", erklärt ein Mitarbeiter gegenüber der "Bild". "Ich habe Mäusekot im Produktionsbereich gefunden, davon ein Foto gemacht und es der Geschäftsführerin gezeigt. Sie zwang mich, es zu löschen." Auch Beweis-Fotos liegen dem Boulevard-Blatt vor. Zu sehen sind von Schimmel überzogene Leberkäse und Salami.

+++ 05.10.2019: Information über Wurst-Rückruf durch Feiertag verzögert +++

Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst aus einem Betrieb in Hessen ist es wegen des Feiertags diese Woche zu Verzögerungen bei der Information über den Produktrückruf gekommen. In Köln zum Beispiel hat die Stadt erst am Freitag alle betroffenen Großhändler erreicht - drei Tage nach der Schließung des nordhessischen Betriebs. Der Ablauf sei durch den Feiertag am Donnerstag erschwert gewesen, sagte ein Stadtsprecher am Samstag.

Die hessischen Behörden hatten die Produktion des Unternehmens Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren in Twistetal-Berndorf am Dienstag vorläufig geschlossen und einen Produktrückruf angeordnet.

Das Kölner Verbraucherschutzamt sei am Donnerstag von der zuständigen NRW-Landesbehörde informiert worden, dass neun Kölner Großhändler mit Wurstwaren der Firma beliefert worden seien, sagte ein Stadtsprecher am Samstag. "Wegen des Feiertags wurden vom Verbraucherschutzamt nicht alle Großhändler unmittelbar erreicht", teilte die Stadt mit. Erst im Laufe des Freitags sei es gelungen, alle Großhändler zu informieren, sagte der Sprecher.

Die Großhändler seien von der Stadt aufgefordert worden, "alle Abnehmer/Kunden der bereits ausgelieferten Ware zu benachrichtigen". Wie viele von dem Rückruf betroffene Produkte in Köln tatsächlich noch ausgeliefert wurden, ist unklar. Die Stadt erwarte nun eine Dokumentation der betroffenen Großhändler.

Am Freitag hatte bereits die Kölner Uniklinik Fehler nach dem Rückruf der Wilke-Wurstwaren eingeräumt. Einige Reha-Patienten hätten trotz des Rückrufs noch Wurstwaren der Firma Wilke bekommen, hatte die Klinik mitgeteilt.

+++ 05.10.2019: Niederländische Firma ruft wegen Listerien weitere Wurstwaren zurück +++

Wegen des möglichen Befalls mit Listerien hat der niederländische Wurstwarenbetrieb Offerman nach eigener Darstellung nun die gesamte Produktion der betroffenen Fabrik aus dem Handel genommen. Es gehe um alle in der Fabrik in Aalsmeer seit September verschnittenen und verpackten Wurstwaren, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend in Aalsmeer mit. Die Produktion wurde bereits am Donnerstag stillgelegt, nachdem die Keime entdeckt worden waren.

Die Gesundheitsbehörden hatten zuvor festgestellt, dass in den vergangenen zwei Jahren drei Menschen durch Listerien in Wurstwaren dieser Firma gestorben waren. Eine Frau hatte eine Fehlgeburt erlitten. Daraufhin waren die Kontrollen verschärft worden.

Bislang gibt es keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zu dem Listerien-Fall in Deutschland. Nach Informationen der Aufsichtsbehörde für Nahrungsmittel wurden die betroffenen Produkte nicht nach Deutschland exportiert.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden nun insgesamt 300 000 Kilogramm Fleisch zurückgerufen. «Dies ist ein ernster Vorfall, bei dem nun hart durchgegriffen wird», teilte Gesundheitsminister Bruno Bruins mit. Zunächst hatte die Firma am Donnerstag nur einen Teil der Produkte zurückgerufen. Nun geht es um alle rund 250 Produkte.

+++ 05.10.2019: Uniklinik Köln räumt Fehler nach Wurst-Rückruf ein +++

Das Universitätsklinikum Köln hat nach dem Rückruf von Wurstwaren durch den hessischen Hersteller Wilke einen Fehler bei einer Tochtergesellschaft eingeräumt. "Aufgrund der Kurzfristigkeit und des Zeitpunktes der Information ist es im Zusammenhang mit unserer Tochtergesellschaft UniReha zu einem Fehler innerhalb der Speisenversorgung gekommen, so dass einigen Reha-Patienten dennoch Wurstware der Firma Wilke angeboten worden ist», heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Uniklinik Köln am Freitagabend.

Für Nachfragen, zu welchen Zeitpunkt und wie viele Reha-Patienten vom Rückruf betroffene Wurst des Herstellers Wilke noch erhalten haben, war die Uniklinik Köln am Freitagabend zunächst nicht zu erreichen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte zuvor am Freitag erklärt, dass nach ihren Informationen in der Reha-Einrichtung "UniReha" des Universitätsklinikums Köln noch am Feiertag (3. Oktober) zum Frühstück vom Rückruf betroffene Wilke-Produkte an Patienten ausgegeben worden seien. Sie berief sich dabei auf mehrere Quellen.

In der Erklärung der Uniklinik Köln heißt es, sie sei am Mittwoch (2. Oktober) um 17.45 Uhr durch ihren Fleisch-Zulieferer per E-Mail informiert worden, dass sämtliche Produkte des Wurstherstellers der Firma Wilke zurückgerufen werden. "Daraufhin haben wir unverzüglich damit begonnen, die Verteilung der Wurstwaren zu stoppen", erläuterte der Sprecher des Universitätsklinikum Köln weiter. "Die in den Medien genannten, vermutlich kontaminierten Wurstsorten des Herstellers sind in der Uniklinik Köln jedoch nicht verwendet worden", betonte er.

+++ 04.10.2019:Wilke-Wurstprodukte gingen doch unter anderem Namen in den Handel +++

Entgegen der Darstellung von Behörden wurde offenbar doch Fleisch des wegen Keimen geschlossenen Wurstherstellers Wilke unter anderem Namen verkauft. Man habe alle Produkte der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus dem Sortiment genommen, sagte eine Sprecherin des Großhändlers Metro am Freitag. Darunter seien auch Metro-Eigenmarken gewesen. In Produkten von Wilke wurden mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen. Behörden bringen zwei Todesfälle in Südhessen damit in Verbindung.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg als Aufsichtsbehörde hatte am Mittwoch noch erklärt, es gebe keine Wilke-Waren unter anderem Namen. Daher sei keine Liste der Produkte nötig, die aktuell weltweit zurückgerufen werden. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert das und hatte erklärt, dass Wilke auch der Hersteller einiger Produkte sei, die Metro unter der Eigenmarke "Aro" vertreibe.

Metro betonte, auf eigene Initiative tätig geworden zu sein. Bereits am Mittwoch habe man vor Eintreffen des Rückrufs alle Wilke-Produkte aus den Regalen genommen und die Kunden direkt informiert. Metro nehme zudem bei Eigenmarken zusätzliche Stichproben. Dabei sei Wilke in den vergangenen sechs Monaten nicht auffällig gewesen.

+++ 04.10.2019:Nach Keimfunden in Wurst beantragt Hersteller Insolvenz +++

Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst ist der nordhessische Hersteller Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Unternehmen habe die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach am Freitag. In einem solchen Verfahren werde geprüft, ob die Voraussetzungen zur Durchführung eines Insolvenzverfahrens vorliegen.

Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben auf eine Dorfmetzgerei vor mehr als 80 Jahren zurück. Die Firma beschäftigt nach Zahlen auf seiner Homepage rund 200 Mitarbeiter und exportiert Waren weltweit.

+++ 04.10.2019:Keime in Wurstwaren - Behörde erwartet Untersuchungsbericht +++

Nach zwei Todesfällen durch Bakterien in Wurstwaren erhoffen sich die Behörden Hinweise auf die Keimquelle. Man warte auf den Bericht der Arbeitsgruppe, die den betroffenen Betrieb untersucht habe, sagte ein Sprecher des nordhessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg am Freitag. Neue Erkenntnisse werde es voraussichtlich am Nachmittag geben. Das am Dienstag vorläufig geschlossene Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren in Twistetal-Berndorf bleibe zunächst weiter zu.

+++ 03.10.2019:Listerien-Fund in Wurstprodukten - foodwatch-Aufruf an Betroffene +++

Nach zwei Todesfällen und mehrere Erkrankungen durch Listerien-Keime in Fleischwaren einer nordhessischen Firma hat die Verbraucherorganisation foodwatch Betroffene aufgerufen, sich zu melden. Dies gelte für Erkrankte ebenso wie für Angehörige, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Die Organisation wolle prüfen, ob in dem konkreten Fall Unternehmen und Behörden auch wirklich alles getan hätten, "um Erkrankungen zu vermeiden und die Menschen zu warnen", hieß es.

+++ 02.10.2019: 2 Tote durch Listerien in der Wurst - 37 Krankheitsfälle unter Beobachtung +++

Listerien rufen üblicherweise Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und grippeähnliche Symptome hervor. Für Schwangere, Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind die Erreger besonders gefährlich und können im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Bei den Toten handelt es sich laut HNA um ältere Personen aus Hessen. Unter Beobachtung stünden zudem aktuell noch 37 weitere Krankheitsfälle, die mit Wilke-Produkten in Zusammenhang stehen sollen.

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fka/sba/news.de/dpa

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