27.03.2019, 18.09 Uhr

EU-Verbot für Plastik-Geschirr: EU gibt grünes Licht für Verbot von Plastikgeschirr

Um die Vermüllung der Meere zu stoppen, hat das EU-Parlament am Mittwoch ein Verbot von Einweg-Plastikgeschirr auf den Weg gebracht. Schon ab 2021 könnten die ersten Produkte vom Markt verschwinden. Das müssen Sie jetzt wissen.

Nach dem Willen des EU-Parlaments soll Plastikgeschirr demnächst europaweit verboten werden. Bild: Alexander Heinl/dpa

Einmal benutzen und dann in den Müll damit: Plastik-Wegwerfprodukte sind praktisch - aber auch schädlich für Klima und Meere. In der EU soll es künftig Plastikstrohhalme und ähnliches nicht mehr geben. Doch sind die Verbote mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein?

EU-Verbot für Plastik-Geschirr: Einwegprodukte sollen aus dem Handel verschwinden

Die Temperaturen steigen, die Abende werden länger, auf Terrassen und in Parks wird schon "angegrillt". Noch gehören Plastikbesteck, -teller und -strohhalme für viele zur Grillparty dazu. Am Abend wandert alles in den Müll, kein Stress mit Abspülen oder Scherben. Doch damit soll in absehbarer Zeit Schluss sein: Das EU-Parlament brachte am Mittwoch mit großer Mehrheit das Verbot von Einweg-Plastikprodukte auf den Weg, für die es geeigneten Ersatz gibt.

Es ist einer der letzten Schritte in einem Verfahren, für das sich die Politik schon ausgiebig gefeiert hat. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) etwa sieht in der Einigung einen «wichtigen Meilenstein zum Schutz unserer Meere und für einen bewussteren Umgang mit Plastik». Nach dem Votum in Straßburg müssen formell noch die Mitgliedstaaten grünes Licht geben.

Plastikverbot greift ab 2021 europaweit

2021 soll das Verbot greifen, dann verschwinden viele Produkte aus den Supermarktregalen. Die EU hofft, so den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2030 um insgesamt 3,4 Millionen Tonnen zu verringern. Bis dahin sollen auch Umweltschäden im Umfang von 22 Milliarden Euro vermieden werden.

Verbot von Plastikgeschirr soll Mikroplastik in den Meeren verringern

Alternativen gibt es längst, ob aus Pappe, Holz, Glas oder Bambus. Die sind in der Herstellung nicht immer ökologisch besser als Plastikprodukte, vor allem wenn sie nicht mehrmals verwendet werden. Aber das EU-Verbot ist gemünzt auf das Plastik an den Stränden und in den Meeren. Dort ist es lebensgefährlich für Tiere und landet als Mikroplastik über die Nahrungskette auch auf den Tellern der Menschen. Experten warnen eindrücklich: 2050 könnte mehr Plastik in den Ozeanen schwimmen als Fische.

Länder wollen gemeinsam gegen Müllproblem vorgehen

Um das zu verhindern, reicht es nicht, in der EU auf kleine Rührstäbchen im Kaffee, auf Wattestäbchen und Luftballon-Halter aus Kunststoff zu verzichten. Bei der UN-Umweltkonferenz in Nairobi wollte unter anderem die Bundesregierung in Verhandlungen über eine UN-Konvention zum Schutz der Meere vor Vermüllung einsteigen - das hat nicht funktioniert. Enger zusammenarbeiten wollen die Staaten aber. Allen sei klar, dass etwas passieren müsse, hieß es in Nairobi - in vielen Ländern wird Müll kaum gesammelt, geschweige denn recycelt.

Umweltministerin Schulze: Deutschland hat beim Recycling Vorbildfunktion

Plastikvermüllung ist ein globales Problem, der allergrößte Anteil des Abfalls gelangt Forschern zufolge aus zehn großen Flüssen ins Meer. Aber Industriestaaten wie Deutschland, so sagt es Umweltministerin Schulze, haben eine Vorbildfunktion und können zeigen, wie Wohlstand und Konsum nachhaltig funktionieren.

Recycling in Deutschland: Vorbildfunktion und Nachholbedarf

Und da hat Deutschland noch einiges nachzuholen: 2017 fielen dort knapp 6,15 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Nicht einmal die Hälfte davon wurde werkstofflich recycelt, also in irgendeiner Weise wiederverwertet, gut die Hälfte wurde zur Energiegewinnung verbrannt. Kampagnen für mehr Mehrweg-Flaschen gehen bisher ins Leere, im vergangenen Herbst meldete das Umweltbundesamt einen neuen Tiefstand von 44 Prozent an Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einwegpackungen wie Getränkekartons und -beuteln.

Auch die deutschen Küsten sind nach Angaben der Behörde verschmutzt. «An der Nordsee finden wir 390 Müllteile pro hundert Meter, an der Ostsee 70 - und der Großteil davon ist aus Plastik», sagt Umweltbundesamt-Präsidentin Maria Krautzberger.

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