Milliarden-Strafe für Google: Werden unsere Smartphones jetzt teurer?

Nachdem die EU-Kommission Google eine milliardenhohe Strafzahlung aufgebrummt hat, möchte der Suchmaschinenriese die Kosten nun auf die Smartphone-Hersteller abwälzen. Werden unsere Handys bald teurer?

Android-Anbieter Google möchte die EU-Strafzahlung auf Smartphone-Hersteller abwälzen. Bild: picture alliance/Christoph Dernbach/dpa

Die EU-Kommission hat im Sommer Googles bisheriges Geschäftsmodell beim Mobil-System Android durchkreuzt. Der Konzern reagiert jetzt und will künftig in Europa Lizenzgebühren von Geräteherstellern für seine Apps haben.

Werden Smartphones jetzt teurer?

Google ändert nach der EU-Rekordstrafe sein Geschäftsmodell beim dominierenden Smartphone-Betriebssystem Android und lässt Hersteller erstmals für die Apps des Internet-Konzerns in Europa bezahlen. Bisher konnten sie Anwendungen wie Googles Karten oder den Play Store kostenlos auf ihren Geräten vorinstallieren - waren dafür aber an Bedingungen gebunden, die aus Sicht der EU-Kommission den Wettbewerb verzerrten.

Google machte keine Angaben zur Höhe der Lizenzgebühren. Insofern ist auch schwer einzuschätzen, ob das neue Bezahlmodell die Preise für Android-Smartphones steigen lassen wird - oder die Hersteller in dem extrem umkämpften Markt die höheren Kosten auffangen, statt sie an Verbraucher weiterzureichen. Es könnte auch sein, dass die Smartphone-Hersteller auf die Vorinstallation bestimmter Google-Anwendungen verzichten. Das Android-Betriebssystem selbst sollen die Hersteller weiterhin kostenlos bekommen, betonte Google am Dienstag. Android-Geräte haben einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent beim Smartphone-Absatz.

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Der Internet-Konzern präsentierte auch andere Maßnahmen, die den Brüsseler Vorwurf eines unfairen Wettbewerbs bei Android ausräumen sollen. Unter anderem werden Gerätehersteller künftig Google-Dienste wie digitale Karten auch ohne die App für die Google-Internetsuche oder den Webbrowser Chrome installieren können.

Google schafft nun auch die Voraussetzung dafür, dass die Hersteller nicht nur Geräte mit Google-Diensten und gleichzeitig auch Technik mit abgewandelten Android-Versionen auf den Markt bringen können. Bisher mussten sie sich verpflichten, keine Android-Abwandlungen zu verkaufen, wenn sie Apps des Internet-Konzerns auf den Geräten haben wollen. 

EU-Strafzahlung nur Peanuts für Google

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte den Konzern im Juli mit einer Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro belegt. Android-Chef Hiroshi Lockheimer betonte in einem Blogeintrag, dass Google nach wie vor anderer Meinung sei und die Strafmaßnahmen der Kommission deswegen anfechte. Während der vergangene Woche eingereichte Widerspruch jahrelang durch die Gerichtsinstanzen gehen kann, muss Google die Forderungen der EU-Kommission nach einer Änderung des Geschäftsmodells in Europa schon jetzt umsetzen.

Doch selbst eine Strafe von knapp fünf Milliarden Euro fällt bei dem enormen und ständig steigendem Umsatz des Unternehmens kaum ins Gewicht. Laut "Google Watch Blog" erwirtschaftete Googles Mutterkonzern Alphabet 2017 einen Gesamtumsatz von über 110 Milliarden Dollar. Die Google-Mutter hat allein im ersten Quartal 2018, also von Januar bis März, einen Gewinnanstieg von 73 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar (31,1 Milliarden Dollar Umsatz) zu verzeichnen.

Nahezu jeder Europäer nutzt Google

Google hatte bereits im Sommer durchblicken lassen, dass aus Sicht des Konzerns das kostenlose Angebot seiner Apps nur zu den bisherigen Konditionen wirtschaftlich war. Über 98 Prozent aller in Europa gestellten Suchanfragen laufen laut einem Bericht des IT-Magazins "Wired" über Google. Und Google verdient sein Geld vor allem mit Werbeeinnahmen im Umfeld der Web-Suche.

Daher wollte der Konzern seine Apps wie Maps oder GMail nur in einem Umfeld platzieren, in dem auch diese Werbefinanzierung gesichert ist. Die Kommission hatte verfügt, dass die Einschränkungen wie die Zwangs-Bündelung der Google-Apps binnen 90 Tagen abgeschafft werden müssen - aber wie in solchen Fällen üblich dem Konzern überlassen, wie das umgesetzt wird.

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soj/rut/news.de/dpa

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