Ryanair-Streik am 28.09.2018: Nach Deutschland nun Europa - Billigflieger droht Giga-Streik!

Nach dem Pilotenstreik ist vor der Verhandlung. Bei Ryanair soll in Deutschland zunächst der Normalbetrieb wieder laufen. Doch europaweit droht großes Ungemach. Zum ungünstigsten Zeitpunkt!

Bleiben die Flugzeuge der irischen Fluggesellschaft am Boden? Ryanair-Mitarbeiter haben für Mittwoch neue Streiks angekündigt. Bild: dpa/Virginie Lefour

Nach dem Streik seiner in Deutschland stationierten Piloten und Flugbegleiter will der Billigflieger Ryanair an diesem Donnerstag (13. September) zum Normalbetrieb zurückkehren. Geplant sind rund 400 Flugbewegungen von und nach Deutschland. Die Gewerkschaften haben das Streikende für 02.59 Uhr angekündigt und damit weit vor den ersten geplanten Starts. Doch dem Billigflieger Ryanair steht der nächste Streik ins Haus. Nach den deutschen Crews drohen nun Beschäftigte aus fünf anderen europäischen Staaten mit Arbeitsniederlegungen - zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Ryanair-Streik in Deutschland im September 2018: Ende steht bevor

Ryanair-Organisationschef Peter Bellew hatte sich am Mittwoch optimistisch gezeigt, das volle Programm abfliegen zu können. Man habe wegen der Flugausfälle sogar Zeit für vorgezogene Wartungsarbeiten gehabt. An dem 24-Stunden-Streik hatten sich Piloten und Flugbegleiter an vielen Standorten beteiligt. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi berichteten von einer sehr hohen Beteiligung. Ryanair hatte 150 Verbindungen am Mittwoch abgesagt. Die meisten Flugausfälle gab es an den größten Standorten Frankfurt und Berlin.

Kontroverser Streik bei Ryanair mit Flugausfällen löst noch keine Verhandlungen aus

Für die Piloten war es nach einem ersten Streiktag im August gegen Ryanair bereits die zweite Welle, denn am 10. August hatten sie gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Flugbegleiter streikten jetzt erstmals mit. Beide Berufsgruppen fordern höhere Gehälter und neu strukturierte Arbeitsverhältnisse, etwa planbare Einsatzzeiten.

Neue Verhandlungstermine stehen noch nicht fest, obwohl beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft betont haben. Inhaltliche Annäherungen waren am Streiktag nicht zu erkennen. Ryanair hielt seine Drohung aufrecht, bei einer Ausweitung der Streiks den Abzug einzelner Maschinen und der damit verbundenen Jobs zu prüfen. Ryanair-Chef Michael O'Leary nannte die Forderungen der deutschen Gewerkschaften teils "aberwitzig".

Nach Deutschland drohen Ryanair am 28.09.2018 Streiks in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden

Doch bei Ryanair kehrt keine Ruhe ein. Kunden des Billigfliegers müssen mit weiteren Streiks bei Europas größtem Billigflieger rechnen. Nach dem Streik an den deutschen Basen haben nun Gewerkschaften für den 28. September zu Arbeitsniederlegungen in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden aufgerufen. Pünktlich zum Auftakt der Herbstferien werde es zum größten Streik in der Geschichte des Unternehmens kommen, hieß es bei einer Pressekonferenz in Brüssel. In allen fünf Ländern wollen die Flugbegleiter streiken und in Italien zusätzlich die Piloten.

Ryanair steht größter Streik in Unternehmensgeschichte bevor

Die Gewerkschaften fordern laut der Nachrichtenagentur Belga die Anwendung des jeweils nationalen Arbeitsrechts, nicht nur des irischen. Ob sich andere Länder oder Pilotenvereinigungen anschließen, sei noch offen. Die Gewerkschaften kündigten zudem an, künftig jeden Monat zu streiken, wenn das Unternehmen nicht auf ihre Forderungen eingehe.

Droht neuerliches Reisechaos ausgerechnet zu den Herbstferien?

Ryanair widersprach den gewerkschaftlichen Ankündigungen eines "Reisechaos". Die bisherigen Erfahrungen in diesem Sommer hätten gezeigt, dass die große Mehrheit des Personals auch bei Arbeitskämpfen zum Dienst erscheine. Auch am 28. September werde die überwiegende Mehrheit der mehr als 400 000 Passagiere befördert werden, sagte Marketingchef Kenny Jacobs. Das Datum ist in vielen deutschen Bundesländern der letzte Schultag vor den Herbstferien.

Als Beispiel für die angeblich geringen Auswirkungen zog die Airline den gemeinsamen 24-Stunden-Streik der in Deutschland stationierten Flugbegleiter und Piloten vom Mittwoch heran. Ryanair hatte 150 von 400 geplanten Flügen von und nach Deutschland abgesagt. Die übrigen Verbindungen seien bis auf zwei Ausnahmen wie geplant abgeflogen worden, teilte das Unternehmen mit. Mehr als 70 Prozent des deutschen Personals seien zum Dienst erschienen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bezweifelte die Angaben der Airline. Alle VC-Mitglieder hätten sich an dem Streik beteiligt, soweit sie nicht aus rein rechtlichen Gründen gezwungen waren, zu fliegen, hieß es in einer Mitteilung. Flüge mit ausländischen Crews seien ohnehin nicht bestreikt worden. Insofern habe Ryanair bewusst ein falsches Bild über die Anzahl der Flüge insgesamt, die Anzahl der betroffenen Flüge und die Streikbeteiligung gezeichnet.

Hat Ryanair seine Angestellten in Deutschland "massiv eingeschüchtert"?

Die für das Kabinenpersonal zuständige Gewerkschaft Verdi beklagte massive Einschüchterungsversuche seitens des Unternehmens. Führungskräfte hätten Streikende überwacht und fotografiert und den Teilnehmern den "unerlaubten Entzug der Arbeitskraft" in die Arbeitspapiere geschrieben. Häufigere Fehlzeiten könnten bei Ryanair zu Entlassungen führen, erläuterte eine Verdi-Sprecherin die daraus entstehenden Nachteile. Die Gewerkschaft forderte Ryanair auf, derartige Einschüchterungsversuche einzustellen.

Schon im August hatten sich Beschäftigte der Fluggesellschaft Ryanair während eines Streiks für bessere Arbeitsbedingungen ausgesprochen. Bild: dpa/Silas Stein

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sba/kns/news.de/dpa

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