Rentenreform: IWF fordert: Deutsche sollen länger arbeiten

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt Ländern regelmäßig Tipps, wie diese ihre Wirtschaft auf Trab bringen und Problemen vorbeugen können. Die Empfehlung für Deutschland ist eindeutig: Eine Rentenreform.

Die Deutschen sollen länger arbeiten, um Altersarmut zu entgehen. Bild: dpa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert von Deutschland angesichts sprudelnder Einnahmen mehr Investitionen, höhere Löhne und Steuerentlastungen. Damit lasse sich das Wachstumspotenzial für die deutsche Wirtschaft erhöhen und einem drohenden Mangel an Arbeitskräften entgegenwirken, heißt es in den Empfehlungen, die der Währungsfonds am Montag in Berlin vorlegte.

Fachkräftemangel vorbeugen! Deutschland muss investieren

Unter anderem in der Baubranche, im IT-Bereich und in der Pflege müsse damit gerechnet werden, dass Personal fehle. Schon 2020 sinke aufgrund der demografischen Entwicklung voraussichtlich die Zahl der Arbeitskräfte, dabei sei die Zuwanderung schon eingerechnet. Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bescheinigt der IWF Deutschland "gute Fortschritte".

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, empfehlen die IWF-Experten Investitionen in Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, die mehr Frauen ermöglichen würden, in Ganztagsjobs zu arbeiten. Eine Senkung der Steuerbelastung würde nach Einschätzung des IWF Fehlanreize beseitigen, die Menschen vom Arbeiten abhalten. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte vergangene Woche angekündigt, zusätzliche Steuereinnahmen unter anderem für die Entlastung von kleinen und mittleren Gehältern zu nutzen.

Wer länger arbeitet, muss weniger Geld sparen

Auch eine Rentenreform, die Menschen länger im Arbeitsleben hält, regt der Währungsfonds an. Durch einen späteren Eintritt ins Rentenalter, könnte nicht nur langfristig die Finanzierung der gesetzlichen Renten sichergestellt werden, sondern auch dem Fachkräftemangel entgegen wirken. Außerdem werde das Risiko für Altersarmut gesenkt, und die Deutschen müssten weniger Geld fürs Alter zurücklegen.

Lesen Sie auch: Altersarmut! In 230 Berufen reicht später die Rente nicht

Erhöhung der Löhne steigert Kaufkraft

Höhere Löhne und Gehälter würden nach Einschätzung des IWF auch dazu beitragen, den deutschen Leistungsbilanzüberschuss im internationalen Handel zu verringern, den unter anderem die EU-Kommission und US-Präsident Donald Trump immer wieder kritisieren. Wenn die Bürger mehr Geld in der Tasche haben, könnte das den Binnenkonsum stärken. Was wiederum die Nachfrage nach Importen ankurbeln könnte.

Mit acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts sei der Überschuss 2017 erneut "sehr hoch" ausgefallen, heißt es in der IWF-Einschätzung. Es sei zu erwarten, dass er in nächster Zeit hoch bleibe und bis 2023 um einen halben bis einen Prozentpunkt sinke.

Am Dienstag beginnt der Bundestag seine viertägige Haushaltsdebatte. Zunächst bringt Scholz seine Haushaltspläne ein, die von den Bundesministern bereits grundsätzlich abgesegnet wurden. Es gibt aber innerhalb der großen Koalition noch Meinungsverschiedenheiten, unter anderem um die Etats für Verteidigung und Entwicklung.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bua/fka/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser