Deutsche Post: Job weg bei Krankheit! Harte Arbeitsverträge bei der Post

Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen von den Krankheitstagen eines Mitarbeiters abhängig. Niederlassungsleiter hätten von der Konzernspitze ein entsprechendes Konzept bekommen.

Die Deutsche Post macht Arbeitsverträge von Krankentagen abhängig. Bild: Jan Woitas/dpa

Darin heiße es, dass Mitarbeiter in zwei Jahren nicht häufiger als sechsmal krank gewesen sein beziehungsweise nicht mehr als 20 Krankheitstage anhäufen dürften. Weiter schreibe die Post vor, dass der Mitarbeiter "höchstens zwei selbstverschuldete Kfz-Unfälle mit einem maximalen Schaden von 5.000 Euro" verursachen dürfe. Außerdem dürften Postboten in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen, "berichtet die Bild am Sonntag".

Deutsche Post wegen Arbeitsverträgen in der Kritik

Ein Sprecher der Post in Bonn bestätigte den Bericht am Sonntag auf Anfrage. Die Aufregung darüber erschließe sich ihm nicht, sagte er. Die gleichen Medien, die das Konzept nun kritisierten, wären die ersten, die aufschreien würden, wenn es Mängel bei der Zustellung geben sollte. "Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden", sagte der Sprecher. Die Tätigkeit des Postboten sei auch körperlich anstrengend. Im übrigen lege die Post aber keine Schablonen an, sondern berücksichtige immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge.

Politik spricht von "menschenverachtenden Kritierien"

Aus der Politik kamen andere Stimmen. "Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig", sagte Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, der "Bild am Sonntag". Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe von CDU/CSU, kritisierte in der Zeitung: "So ein Kriterienkatalog, wie er vorliegt, ist ein Quatsch und der Personalabteilung eines Großunternehmens unwürdig."

Scholz kritisiert Einstellungspraxis der Deutschen Post

Bundesfinanzminister Olaf Scholz will den Einfluss des Bundes nutzen und die umstrittene Einstellungspraxis bei der Deutschen Post ändern. "Diejenigen, die für uns im Aufsichtsrat sitzen, haben sich vorgenommen, (...), darauf zu reagieren und die Gespräche schon vereinbart", sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will" und fügte hinzu: "Es wird gleich reagiert, damit es zu einer veränderten Praxis kommt, so weit wir das beeinflussen können."

Scholz sagte, er nehme diese Praxis nicht hin, sie sei nicht in Ordnung und nicht gut. Er sei überzeugt, dass die befristete Beschäftigung zurückgedrängt werden müsse. Bei der Post könne der Bund den Einfluss nehmen, den er habe.

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jat/news.de/dpa

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