EU-Austritt von Großbritannien: "No Deal"-Brexit könnte Deutschland Milliarden kosten

Kaum 17 Monate bleiben der britischen Regierung noch Zeit, um den EU-Austritt zu vollziehen. Doch die Brexit-Verhandlungen treten auf der Stelle. Das könnte vor allem die deutsche Wirtschaft Milliarden kosten.

Nachdem die Brexit-Verhandlungen ins Stocken geraten sind, wächst der Druck auf Theresa May. Bild: Christopher Furlong/dpa

Die zähen Brexit-Verhandlungen machen nach Einschätzung von Finanzstaatssekretär Thomas Steffen wenig Hoffnung auf einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU.

Brexit: Kaum Fortschritte beim EU-Austritt von Großbritannien

"Wir sollten uns alle darauf einstellen, dass der Worst Case tatsächlich im März 2019 passiert", sagte Steffen am Montag bei der "Euro Finance Week" in Frankfurt. "Und dann werden wir sehen, ob irgendjemand in London oder irgendwo sonst noch ein anderes Szenario wird produzieren können. Heute sehe ich das nicht." Ende März 2019 endet die Zwei-Jahres-Frist, bis zu der London mit den verbleibenden EU-Staaten die Modalitäten der künftigen Zusammenarbeit verhandeln kann.

Deutsche Wirtschaft befürchtet Milliardenverluste durch "No Deal"-Brexit

Kernthema der Brexit-Verhandlungen ist auch die sogenannte Scheidungszahlung, die Großbritannien bei einem EU-Austritt begleichen müsste. Wie hoch diese am Ende ausfallen wird, ist aktuell noch unklar. Auch deutsche Unternehmen verlieren langsam die Geduld: "Am 30. März 2019 sind die Briten wohl mit Sicherheit raus aus der EU. Damit wird ein Brexit ohne Folgeabkommen immer wahrscheinlicher. Für die deutsche Wirtschaft hätte das gravierende Folgen", warnte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben gegenüber der "Welt".

Handelsbeschränkungen und Zölle sorgen für steigende Kosten

Zudem ist noch nicht endgültig geklärt, wie die Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU künftig geregelt werden sollen. Besonders deutsche Unternehmen hätten mit erheblichen Zollzahlungen zu rechnen, sofern künftig wieder die Regeln der Welthandelsorganisation WTO gelten. Gegenüber der "Welt" behauptet DIHK-Chef Wansleben, dass allein bei der Ausfuhr von Kraftfahrzeugen im Automobilsektor Zusatzkosten bis zu 2,35 Milliarden Euro entstehen könnten. Auch in der Chemie- und Pharmaindustrie könnten jährlich Mehrkosten in Höhe von 200 Millionen Euro entstehen.

Unterstützung für Theresa May bröckelt

Doch auch die Briten sehen die Verhandlungen um den EU-Austritt skeptisch. In der britischen Regierung wächst der Druck auf Theresa May: Zahlreiche Abgeordnete fordern endlich Resultate. Und auch sonst wird der Ton gegenüber der britischen Premierministerin rauer: In einem Brief brachten am Wochenende 40 Abgeordnete ihr Misstrauen gegen Theresa May zum Ausdruck. Sie fordern indirekt den Rücktritt der Ministerin.

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jat/sba/news.de/dpa

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