Trotz Wegfall der Roaming Gebühren: Roaming-Fallen bleiben bestehen! Vorsicht bei Handy-Nutzung im Ausland

Die böse Überraschung kam mit der Handy-Rechnung: Telefonate im EU-Ausland waren oft viel teurer als gedacht. Nun werden die Roaming-Gebühren endgültig abgeschafft. Aber Kostenfallen bleiben. Wir klären auf.

Handynutzer sollen bei Reisen in andere EU-Länder vom 15. Juni 2017 an ohne zusätzliche Gebühren telefonieren, SMS senden oder im Netz surfen können. Bild: Daniel Naupold/dpa

Menschen mit Fernbeziehung und ungünstigem Handy-Vertrag haben sich womöglich zu früh gefreut: Zwar schafft die EU zum 15. Juni die Extra-Gebühren für die Handy-Nutzung im EU-Ausland weitgehend ab, Gespräche ins EU-Ausland kosten aber so viel wie zuvor. "Das bleibt ein großes Ärgernis", klagt die Verbraucherschützerin Isabelle Buscke, die den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Brüssel vertritt. Telefonate ins Ausland fallen eben nicht unter die Neuregelung - "das kann durchaus mal zwei Euro die Minute kosten".

Roaming-Fallen: Verbraucher müssen weiter in das Kleingedruckte ihrer Verträge schauen

Wer also mit dem Autovermieter auf Mallorca verhandeln will oder die polnische Nummer der Liebsten in Warschau wählt, sollte die Bestimmungen seines Vertrags gut kennen. "Die Verbraucher müssen weiter in das Kleingedruckte schauen" - trotz der grundsätzlich verbraucherfreundlichen Roaming-Neuregelung, warnt Buscke. Die soll dafür sorgen, dass Anrufe und mobile Internet-Nutzung beim Aufenthalt in anderen EU-Ländern nicht teurer ausfallen als daheim.

Ausnahmen bei der neuen EU-Regelung: Roaming-Neuregelung kann kuriose Folgen haben

Die Änderung kann also kuriose Folgen haben: Wer mit deutschem Handy-Vertrag aus Deutschland in Spanien oder Polen anruft, zahlt unter Umständen mehr, als wenn er das gleiche Telefonat aus Spanien oder Polen oder einem beliebigen anderen EU-Land führt. "Das ist das Knifflige und das Unbefriedigende an der Neuregelung", sagt Buscke. Auch eine Einwahl in die Mobilfunknetze etwa von Kreuzfahrtschiffen bleibt teuer - sie ist von der EU-Regelung ausgenommen.

Wegfall von Roaming-Gebühren für alle?

Unklar ist, ob wirklich alle Handy-Kunden in den Genuss der neuen Vorgaben kommen, oder ob besondere Vertragsklauseln das verhindern. "Wir machen keine Unterscheidung", versichert Andreas Middel von der Deutschen Telekom. Ähnliches verspricht seine Vodafone-Kollegin Sarah Roetzer: "Alle Consumer Kunden werden ab 15. Juni von den regulierten Bedingungen in der EU automatisch und uneingeschränkt profitieren und keine Roaming-Gebühren mehr zahlen."

Jörn Borm von Telefónica (O2) kann hingegen nicht sagen, wie hoch der Anteil jener Kunden sein wird, die "zum 15.06. reguliert werden". Im Mai hatte der Konzern seinen Umsatzrückgang des vergangenen Jahres unter anderem auf die gesenkten Roaming- und Durchleitungsentgelte zurückgeführt: Das Unternehmen habe wegen der Regulierung rund 35 Millionen Euro weniger eingenommen als 2015.

Lesen Sie auch:Mit dem Auto in den Urlaub: Diese Apps brauchen Sie.

  • Seite:
  • 1
  • 2
Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Empfehlungen für den news.de-Leser