Post vom Inkassobüro bekommen: Wann muss ich zahlen und wann nicht?

Kommt ein Brief vom Inkassounternehmen, sollten Verbraucher vorsichtig sein. Berechtigte Forderungen müssen sie bezahlen. Doch mitunter stammen die Schreiben von Betrügern. Wie man unseriöse Forderungen erkennt - und wie man darauf reagieren sollte.

Briefe von Inkassounternehmen sind unangenehm. Aber nicht jede Forderung ist auch berechtigt. Empfänger sollten prüfen, ob es das Inkassobüro auch wirklich gibt. Bild: Christin Klose/dpa

Sie stammen von Sex-Hotlines, Gewinnspielaktionen oder Musik-Streaming-Diensten: Immer wieder landen Rechnungen in den Briefkästen ahnungsloser Verbraucher. Die Absender sind häufig Inkassounternehmen, die für ihre Auftraggeber angeblich offene Forderungen eintreiben. Auch wenn sich die Empfänger der Briefe keiner Schuld bewusst sind, zahlen sie dennoch oft aus Unsicherheit.

Inkassobüro schickt Rechnung: Forderung prüfen lassen

Das Problem: Nicht selten sind die Forderungen aus der Luft gegriffen. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) warnte bereits Anfang des Jahres vor gefälschten Inkasso-Forderungen per SMS, E-Mail und Brief. Und auch Verbraucherschützer weisen immer wieder auf unseriöse Schreiben hin. Wichtig ist deshalb: "Prüfen Sie zunächst, ob es sich um eine berechtigte Forderung handeln könnte", rät Rechtsanwältin Sylvia Kaufhold, Mitglied in den Gesetzgebungsausschüssen Zivilrecht und Europäisches Vertragsrecht beim Deutschen Anwaltverein (DAV).

Nach Online-Einkauf unbedingt Kontoauszüge kontrollieren

Wer etwa für den Online-Einkauf keine Abbuchungsbestätigung erhalten hat, sollte seine Kontoauszüge kontrollieren. Denn es kann immer sein, dass man sich zum Beispiel beim Bezahlen per Lastschrift bei der Eingabe der Kontonummer vertippt hat. Ist aber alles korrekt, muss man die Forderung nicht begleichen. Erhalten Verbraucher eine Spam-E-Mail oder eine falsche Mahnung, sollten sie nicht direkt darauf antworten: "Bemerken Betrüger, dass da jemand reagiert, lassen sie am Ende nie locker", warnt Marco Weber vom BDIU. Besser ist es, den Vorfall anzuzeigen. "Damit die Behörden mit der Macht des Gesetzes dagegen vorgehen können", sagt Weber.

Problem Fake-Inkasso: Wer darf eine Inkasso-Forderung verschicken?

Grundsätzlich dürfen nur Rechtsanwälte oder registrierte Inkassounternehmen offene Beträge für Dritte einfordern. "Das ist im Rechtsdienstleistungsgesetz so geregelt", sagt Kaufhold. Immer wieder nutzen aber Betrüger die Identität seriöser, registrierter Unternehmen - sie verwenden dann zum Beispiel deren Logo oder Firmennamen. "Schon jedes neunte unserer Mitgliedsunternehmen war schon einmal konkret von Fake-Inkasso betroffen", sagt Weber.

So erkennen Sie eine falsche Inkassoforderung

Er rät deshalb: "Seien Sie misstrauisch, wenn die Angaben im Briefkopf nicht mit dem Rest übereinstimmen." Ein klares Indiz, dass Vorsicht geboten ist: "Wenn die Bankverbindung ins Ausland verweist - zu erkennen an den beiden ersten Buchstaben der IBAN. Hier sollte ein "DE" für Deutschland stehen", sagt Weber. Doch es gibt noch mehr Indizien, die schwarze Scharfe entlarven. Denn Inkassobüros unterliegen bestimmten Informationspflichten. Laut Gesetzgeber müssen sie bereits im ersten Mahnschreiben genaue Angaben zur Forderung machen - sie müssen den Grund, die genaue Höhe sowie die Zinsen und den Namen sowie die Anschrift des Inkassobüros nennen.

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