Was zu beweisen war: "Bild"-Haltung zu Flüchtlingen lässt Leserzahlen einstürzen

Der "Bild"-Zeitung gehen aufgrund ihrer aktuellen Haltung zur Flüchtlingsthematik die Leser flöten. Nichts habe dem Blatt mehr geschadet, als Empathie gegenüber Migranten zu zeigen, meinte Chefredakteur Julian Reichelt während einer Konferenz. Sollte das jemanden überraschen, hat derjenige die letzten 60 Jahre wohl unter einem Stein gelebt.

Nicht nur physisch, auch im digitalen Bereich habe "Bild" laut "n-tv" an Reichweite eingebüßt. Bild: dpa

Es kam, wie es kommen musste: Auf der Konferenz "Formate des Politischen" in Berlin erklärte "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt laut "n-tv" nun, dass dem Boulevard-Blatt zuletzt zahlreiche Leser verloren gegangen sind. Der Grund: Die aktuelle Position der "Bild" gegenüber der Flüchtlingsthematik.

"Bild" und die Flüchtlingskrise: "Refugees welcome" verkauft sich eben nicht

"Nichts hat uns ganz nachweislich wirtschaftlich in der Reichweite so sehr geschadet wie unsere klare, menschliche, empathische Haltung in der Flüchtlingskrise", zitiert "n-tv" den Chefredakteur. Gleichwohl habe man seine Position beibehalten. Dem Blatt sei sogar vorgeworfen worden, "einzig aus wirtschaftlichen Gründen diese Linie zu vertreten", so "n-tv". Auch diesen Punkt habe Reichelt verneint. "Dass wir mehr Zeitungen mit 'Refugees welcome' verkauft hätten, das kann ich hier absolut ausschließen." Auch im digitalen Bereich seien die Leserzahlen gesunken.

Nun kommen diese Erkenntnisse, zynisch betrachtet, wenig überraschend daher. Schließlich war die "Bild" schon immer dafür bekannt, eine vorwiegend konservative Position zu vertreten und wohl eher den leidenschaftlichen Pegidisten anzusprechen, der Montags gern mal einen Spaziergang vor der Semperoper unternimmt, als den linken Öko-Hipster aus Berlin-Kreuzberg. Dass Ersterer dem Blatt dann auch noch Ausverkauf und wirtschaftliche Interessen vorwirft, passt ebenso gut ins Bild.

"Bild" gehen die Leser verloren: Wie man in den Wald ruft...

Gleichzeitig sollte man in diesem Zuge jedoch auch beachten, dass das Verhältnis zwischen Medium und Leser stets eine Wechselbeziehung darstellt. Als Magazin, Zeitschrift oder ähnliches werde ich nur so lange von meinen Lesern gekauft und gelesen, wie ich auch Texte produziere, die sie interessieren und letztendlich ihrem Wertesystem entsprechen. Der "Bild" ist dies bisher gelungen. Nun erhält sie die Rechnung für ihren ersten "Fehltritt" und die Leser laufen ihr weg. Die Mission "Refugees Welcome" auch im "Bild"-Lager salonfähig zu machen, ist gescheitert.

Es wäre jedoch falsch, das Blatt in diesem Moment vollständig seiner Verantwortung loszusprechen und zu sagen, dass sie sich auch nur nach dem Markt richten mussten. Auch wenn die "Bild" mit ihrer Haltung innerhalb der Flüchtlingskrise vielleicht positive Absichten hatte, hat sie den Boden, der ihr nun teilweise entgleitet, letztendlich auch selbst genährt. Kurz zur Erklärung: Wenn ich jemandem über Jahre hinweg sage, dass Ausländer der Feind sind, und plötzlich meine Meinung ändere, kann ihn das schon mal vor den Kopf stoßen und er wendet sich von mir ab. Auch das gehört im Grunde zur Wechselbeziehung zwischen Medium und Leser - und ist leider auch eine sehr bittere Pille.

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mie/gea/news.de

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