Ende mit Schrecken
Schengen-Aus würde Deutschland bis zu 235 Milliarden kosten

Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Europa würde die deutsche Volkswirtschaft binnen zehn Jahren 77 Milliarden Euro kosten - im günstigsten Fall. Das haben Experten für die Bertelsmann Stiftung errechnet.

Wird das Schengener Abkommen außer Kraft gesetzt, könnte das für Deutschland richtig teuer werden. Bild: Patrick Seeger/dpa

Die dauerhafte Rückkehr zu innereuropäischen Grenzkontrollen würde das wirtschaftliche Wachstum einer Studie zufolge europaweit erheblich drosseln. Allein für Deutschland wären bis zum Jahre 2025 summierte Wachstumsverluste zwischen 77 und 235 Milliarden Euro zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Ein Ende des Schengener Abkommens würde zu Wachstums- und Wohlstandsverlusten führen.

Wiedereinführung von Grenzkontrollen würde zu Preis-Explosionen führen

"Wenn die Schlagbäume innerhalb Europas wieder runtergehen, gerät das ohnehin schwache Wachstum in Europa noch stärker unter Druck. Am Ende zahlen alle Menschen die Rechnung", betonte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. So würde die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zu massiven Kosten- und Preissteigerungen führen, die sich negativ auf das Wirtschaftswachstum in Europa auswirken würden. Schon in einem optimistischen Szenario mit einem moderaten Anstieg der Preise für aus dem europäischen Ausland importierte Güter um lediglich ein Prozent wären die damit verbundenen Wachstumseinbußen erheblich. Für die EU insgesamt summierten sich die Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) innerhalb von zehn Jahren auf rund 470 Milliarden Euro.

1,4 Billionen Euro Verluste für EU prognostiziert

In einem pessimistischen Szenario wird von einem Anstieg der Importpreise um drei Prozent ausgegangen. Dabei würden sich die BIP-Einbußen in Deutschland auf 235 Milliarden Euro aufsummieren. In Frankreich lägen sie bei 244 Milliarden Euro und für die EU bei 1,4 Billionen Euro. Ausgangspunkt der Berechnungen sind die Zeitverluste, die sich aus den Kontrollen an den Grenzen innerhalb Europas ergäben. Längere Wartezeiten bedeuten für die Unternehmen höhere Personalkosten. Zudem müssen die Lagerbestände erhöht werden, weil Just-in-time-Lieferungen nicht mehr garantiert werden können.

Die Berechnungen wurden im Auftrag der Bertelsmann Stiftung von der Prognos AG mit Hilfe eines makroökonomischen Modells durchgeführt, das 42 Länder und damit mehr als 90 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung abdeckt.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

gea/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

4 Kommentare
  • Iason

    26.02.2016 18:22

    Na und! Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Dann nehmen wir die volkswirtschaftlichen Überschüsse der letzten und der kommenden Jahre. Alles besser, als die Schmarotzer durchfüttern.

    Kommentar melden
  • hanno

    26.02.2016 11:25

    diese Verluste sind doch Trinkgeld gegenüber der finanziellen Belastung durch den weiteren (und schon vorhandenen) Zuzug von nicht asylberechtigten Flüchtlingen.

    Kommentar melden
  • ossi

    23.02.2016 14:09

    Überall trotz Überschuss höhere Preise. Alles nur Ausflüchte und Ausreden. Die Konzerne haben natürlich Angst um Profiteinbußen. Da müssen "die Armen ;))" durch. Der "Kleine Mann" zahlt so oder so. Es ging früher mit Grenzen und Kontrollen, es wird auch in Zukunft wieder gehen. Vielleicht sogar besser, -auf jeden Fall sicherer!! Eine vereinigte EU ohne Grenzen war, wie so vieles in den letzten Jahrzehnten, nur eine Vision satter Träumer und Utopisten. "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen" (Zitat: Helmut Schmidt)

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen für den news.de-Leser