Streit über Lohnuntergrenze
Ein Jahr Mindestlohn - was hat er gebracht?

Ein Jahr nach seiner Einführung nimmt die Debatte um den Mindestlohn wieder Fahrt auf. Was hat er gebracht? Wie geht es weiter? Die Ansichten über die Lohnuntergrenze gehen weit auseinander.

Vor rund einem Jahr wurde der Mindestlohn eingeführt. Bild: dpa

Für die einen war der Mindestlohn ein historischer Schritt zu mehr Gerechtigkeit, für die anderen ein historischer Fehler mit verheerenden Wirkungen. Hunderttausende Jobs würden wegfallen, warnten einige Wirtschaftsinstitute. Ein Jahr ist die 8,50-Euro-Lohnuntergrenze in Deutschland zum Jahreswechsel alt - was hat sie gebracht?

Nach Mindestlohn-Einführung: Schausteller und Handwerker beklagen Existenz-Not

Noch Monate nach seiner Einführung ging der Streit um den Mindestlohn weiter. Das Gastgewerbe klagte, Hotels und Restaurants könnten nicht mehr die Preise anbieten, zu denen die Gäste bereit seien. Schausteller und Handwerker sahen sich in Existenznot. In der schwarz-roten Koalition knirschte es. Aus der Union wurde Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bedrängt, das Gesetz zu entschärfen.

 

 

Ein Jahr nach Einführung: Arbeitgeber unglücklich mit Mindestlohn

Bis heute sind die Arbeitgeber alles andere als glücklich. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer klagt über "bürokratische Auswüchse" des Mindestlohngesetzes - die Folgen seien unnötige Kosten und massive Rechtsunsicherheit auch dort, wo viel höhere Löhne gezahlt würden. "Der Mindestlohn zeigt bereits jetzt negative Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt", so Kramer. "Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ist gegenüber dem Vorjahr um rund 200.000 gesunken - vor allem wegen der zusätzlichen Bürokratie, die für diese Beschäftigungsverhältnisse unnötigerweise eingeführt worden ist", sagt Kramer mit Blick auf die Pflicht zur Aufzeichnung der Arbeitszeit.

 

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4 Kommentare
  • hpklimbim

    30.12.2015 20:02

    Das ganze nennt sich Mutti`s "Handeln nach dem Prinzip des Sozialstaates". Eigentlich selbsterklärend. Dass unsere Politiker nur gewählte Volksbetrüger sind. Und die Verwaltung nichts taugt. Natürlich nur rein theoretisch betrachtet wird möglicher Weise jede frei herum laufende Wildsau ein größeres soziales Verantwortungsbewusstsein ihr Eigen nennen können, als alle gewählten Volksbetrüger, Beamten und öffentlich Bedienstete zusammen. Der leistende Mensch hat in dieser Bananenrepublik keinen Stellenwert und erfährt keine Achtung durch die Politik. Hartz IV ist Trumpf and forever!!!!

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  • hpklimbim

    30.12.2015 19:49

    Einem kleiner Handwerker, verheiratet, zwei Kinder, verbleiben je nach Abzügen(z. B. Pflichtbeitrag zur Rentenversicherung der Handwerker) bei 50.000,00 Gewinn vor Steuern am Ende der Abgabenlatte noch ca. 5.000,00 Euro weniger als einem Hartz IV-Bezieher mit gleichen familiären Verhältnissen und "0" Leistung in Form von Steuern und Beiträgen. Er kann also auch gleich Antrag für Hartz IV stellen. Und warum um Himmels Willen soll er da noch jemand beschäftigen, der auch bei nur 8,50 Euro am Ende noch einen höheren Netto-Stundenlohn haben wird als er selbst?

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  • Silversurfer

    25.12.2015 11:21

    Zweiter Versuch. Makaber an dem Niedriglohnsektor (Mindestlohn) ist, kein gewählter Volksvertreter würde für so wenig Geld selbst arbeiten wollen. Ich, über 40 Jahre alt, drei erlernte Berufe muss mir bei gut bezahlten Jobs inzwischen indirekt anhören das ich zu alt bin. Also Job mit Mindestlohn und aus 8,50 brutto werden 5,97 netto. Diesen Lohn bekam ich vor 30 Jahren bereits als Schüler in DM als Prospekteverteiler. Für mich keine gute Errungenschaft der Politik, sondern eine Anpassung (Hörigkeit) an Lobbyisten und dem Kapital.

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