Diesel-Affäre bei Volkswagen: Verkaufsstopp in EU! Offenbar weitere VW-Motoren manipuliert

Volkswagen hat den Verkauf von Neuwagen mit Manipulations-Software in der gesamten EU gestoppt. In Einzelfällen könnte es nun sein, dass Kunden bestellte Fahrzeuge nicht ausgeliefert bekommen. Derweil sind möglicherweise auch frühe Versionen vom Nachfolger des VW-Skandalmotors EA189 von der Abgas-Affäre betroffen.

Volkswagen hat den Verkauf von Neuwagen mit Manipulations-Software in der EU gestoppt. Bild: dpa/ How Hwee Young

In der EU verkauft Volkswagen jetzt gar keine Neuwagen mehr mit dem Motor EA 189, der mit der Manipulations-Software ausgestattet war. Bisher standen vereinzelt noch ältere Diesel-Neuwagen mit der Manipulations-Software bei Händlern im Lager - nun hat VW dafür einen Verkaufsstopp in allen 28 EU-Ländern verhängt.

Es handle sich dabei um eine "sehr begrenzte Anzahl", sagte ein Konzernsprecher. "In Einzelfällen" könne es daher passieren, dass Kunden bestellte Fahrzeuge deshalb nun nicht ausgeliefert bekommen. Die neue Generation der VW-Dieselmodelle hat neue Motoren, die die Euro-6-Norm erfüllen und nicht von den Rückrufen betroffen sind.

Diesel-Affäre: Auch frühe Version neuer VW-Motoren womöglich von Skandal betroffen

Auch frühe Versionen vom Nachfolger des VW-Skandalmotors EA189 sind möglicherweise von der Abgas-Affäre betroffen. Derzeit untersuche Volkswagen auch die anfängliche Variante des ab 2012 eingesetzten EA288 mit Euro-5-Norm, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag der Deutsche Presse-Agentur.

Der Chef der VW-Tochter Audi, Rupert Stadler, kündigte als Antwort auf den Skandal an, mit "wesentlich mehr Elektromobilität" wieder in die Offensive zu kommen. Bei einer Betriebsversammlung in Ingolstadt sagte der Manager vor rund 7000 Mitarbeitern: "Die Diesel-Affäre befeuert unsere Pläne. Wir machen jetzt richtig Tempo." Audi werde 2018 einen elektrischen SUV und kurz darauf weitere rein elektrische Autos auf den Markt bringen. Wegen des Abgas-Debakels muss Audi mehr als zwei Millionen Diesel-Fahrzeuge zurückrufen.

Konzernchef gibt Entwarnung für VW-Mitarbeiter

Die VW-Mitarbeiter müssen nach Aussage des neuen Konzernchefs Matthias Müller derzeit keine Folgen des Diesel-Skandals fürchten. "Im Moment haben wir keinen Anlass, über Kurzarbeit auch nur nachzudenken", sagte Müller am Mittwoch in Wolfsburg. Der Abgas-Skandal hat laut Betriebsrat noch nicht auf die Verkäufe durchgeschlagen. Derweil verhängte Volkswagen Verkaufsstopps in allen EU-Ländern für wenige betroffene Autos, die noch auf Lager stehen.

VW-Skandal betritt die Arbeitnehmer - Reduzierung der der Leiharbeit?

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur bestätigte der Betriebsratschef, dass der VW-Vorstand über Szenarien für eine Reduzierung der Leiharbeit nachdenke, falls sich der Absatz rückläufig entwickeln sollte. "Und es wäre Blödsinn, heute den Leuten zu sagen 'Dein Arbeitsplatz ist sicher', wenn ich das im Moment gar nicht sagen kann. Man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein", betonte Osterloh.

Neue Strukturen bei VW: So soll das Unternehmen aus Wolfsburg seinen Ruf wiederherstellen

Der Vorstandschef bat um Geduld bei der Suche nach Antworten zur Schuldfrage: "Es ist nach wie vor so, dass wir in der Aufklärung begriffen sind." Parallel dazu gelte es nun, die richtigen Schlüsse zu ziehen, um ähnlichen Verfehlungen künftig vorzubeugen. Zudem liege ein Hauptaugenmerk auf der Reform der Strukturen. Das Unternehmen müsse "schlanker, disziplinierter und entscheidungsfreudiger" werden.

Müller hatte Ende September MartinWinterkorn abgelöst. Dieser hatte die Verantwortung für manipulierte Stickoxid-Messwerte in den USA übernommen, ein persönliches Fehlverhalten aber zurückgewiesen.

Weil betonte, ein Aspekt komme derzeit oft zu kurz: "Volkswagen ist eine Perle der deutschen Industrie." Der Belegschaft sei klar, dass der Konzern durch eine schwierige Phase gehe. Es sei aber gleichzeitig ein starker Wille der Mitarbeiter zu erkennen, für ihr Unternehmen zu kämpfen, um Vertrauen zurückzugewinnen.

VW-Akte aus Staatskanzlei verschwunden

Osterloh, der wie Weil im VW-Aufsichtsrat sitzt, unterstrich nach dem Besuch die enge Allianz zwischen Niedersachsen als VW-Großeigner und der Arbeitnehmerseite. "Das Land steht zu 100 Prozent hinter Volkswagen und der Belegschaftsvertretung", sagte Osterloh.

Für neue Irritationen sorgten indes aus der niedersächsischen Staatskanzlei verschwundene Dokumente zum Abgas-Skandal. In der sogenannten Handakte werden fortlaufend Material und Informationen zu der Affäre gesammelt. Aufgrund einer Strafanzeige der Landesregierung ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen Diebstahls gegen Unbekannt. In dem Ordner sollen jedoch keine brisanten Informationen wie etwa Aufsichtsratsunterlagen sein.

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boi/lvo/news.de/dpa

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