Rettet die Spätis: Berliner kämpfen um ihre Spätis

Sonntags nochmal kurz ein Bierchen beim Spätkauf um die Ecke holen. Für viele Berliner fast schon die normalste Sache der Welt. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Streng genommen dürfen Spätis an Sonntagen gar nicht öffnen. Und weil nun verstärkt kontrolliert wird, geraten die Betreiber in Schwierigkeiten. Viele fürchten um ihre Existenz. Muss das Gesetz geändert werden?

Spätis in Gefahr. Bild: dpa

Spätis gibt es in Berlin an nahezu jeder Ecke. Genau genommen gibt es 1.000. Das Prinzip eines Spätkaufs ist simpel: Dann geöffnet haben, wenn andere geschlossen sind. Zu kaufen gibt es neben Bier, Zigaretten und Süßigkeiten allerlei, was das Herz begehrt. Das kann von Tiefkühlpizzen bis hin zu Spülmittel reichen. Spätis gehören zu Berlin und der Berliner möchte auch nicht auf seinen 24-Stunden "Tante-Emma-Laden" des Vertrauens verzichten. Doch was viele nicht wissen: Die Zukunft der Spätis ist ungewisser denn je.

Spätis dürfen Sonntags eigentlich nicht geöffnet haben

Streng genommen dürfen Spätis an Sonntagen - den verkaufsstärksten Tag - nicht öffnen beziehungsweise nur zwischen 8 und 16 Uhr. Alkohol und Tabak dürfen an diesem Tag gar nicht über die Ladentheke gehen. Dies ist schon lange Teil des Berliner Ladenöffnungsgesetzes. Da gilt, dass an Sonntagen nur Läden öffnen dürfen, deren Sortiment ausschließlich aus Blumen, Zeitungen/Zeitschriften, Backwaren und Milchprodukten besteht. Da aber fast alle Läden Tabak und Alkohol anbieten, müssten sie eigentlich zubleiben. Dass das in Berlin kaum jemand weiß, liegt daran, dass sich kaum einer daran hält. Gestört hat das bislang niemanden. Doch jetzt finden speziell in Berlin-Neukölln verstärkt Kontrollen statt.

Verstärkte Kontrollen: Spätkaufbesitzer müssen hohe Bußgelder bezahlen

Und so bekommen die Spätkauf-Besitzer immer öfter Besuch von Ordnungsamt und Polizei. Neben hohen Bußgeldern wird auch mit der Schließung gedroht. Dass einige Späti-Besitzer dennoch sonntags öffnen, begründen sie damit, dass Sonntag bei weitem der umsatzstärkste Tag sei. "Wir riskieren Kopf und Kragen, das wissen wir", sagte einer der Besitzer im "Tagesspiegel". "Aber wir müssen das machen, um zu überleben."

Und je öfter man erwischt wird, desto höher wird das Bußgeld – zwischen 250 und 2.500 Euro sind möglich. Zwei Spätis im Kiez droht die komplette Schließung. Das Ordnungsamt kann nämlich ein sogenanntes Gewerbeuntersagungsverfahren einleiten, wenn es immer wieder zu Verstößen kommt. Spätkauf-Besitzerin Fatma Sevim regt das alles auf. "Wir sind doch nicht in Bayern", sagt sie. "Da ist am Wochenende alles tot."

Petition auf change.org damit Spätis an Sonntagen geöffnet haben dürfen

So sieht es auch Chistina Jurgeit. Die 28-Jährige hat auf Change.org eine Petition gestartet, die fordert, dass alle Spätis in Berlin mit Tankstellen und Bahnhofsläden gleichgestellt werden und so auch am Sonntag verkaufen dürfen. Mit dieser Petition soll eine neue Debatte über die Sonntagsöffnung in Gang gesetzt werden, um die kleinen Läden von nebenan zu retten.

32.500 Unterstützer hat sie schon. Sie fordert die Berliner dazu auf sich, gemeinsam für die Freiheit der Spätis stark zu machen. Schließlich haben die über 1.000 Spätis eine unverzichtbare, soziale Funktion in Berlin und schon Kult-Status. Wo sonst kann man morgens um drei einen Sixer Kindl bekommen und wird auch noch geduzt?

VIDEO: Berliner Spätis in Gefahr
Video: youtube/ChangeDeutschland

Auch interessant: Null-Toleranz-Strategie gefloppt - Drogen-Revolution in Berlin?

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

jko/boi/zij/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser