Amazon als Arbeitgeber: So traktiert der Versandhändler seine Mitarbeiter

Laut einem Artikel der "New York Times" ist Amazon ein Ort mit harten Arbeitsanforderungen und gefühllosem Management. Mitarbeiter soll sogar Assistenten engagiert und selbst bezahlt haben, um ihr Pensum zu meistern.

Amazon steht als Arbeitgeber in der Kritik. Bild: dpa

Fast jeder hat es schon einmal getan: bei Amazon bestellt. Doch so beliebt der Versandhändler bei Kunden ist, so umstritten ist er als Arbeitgeber. Ein aktueller Bericht der New York Times wirft kein besonders gutes Licht auf die weltweit bekannte Marke. Demnach seien 80-Stunden-Wochen gang und gäbe. Wer dem Druck nicht gewachsen ist, werde schnell aussortiert. Dabei spielen offenbar auch Krankheiten oder persönliche Verpflichtungen keine Rolle.

Amazon als Arbeitgeber: So leiden Mitarbeiter

So wird eine Frau zitiert, die behauptet, als "Problem" bezeichnet worden sein, weil sie wegen der Krebserkrankung ihres Mannes kürzer treten wollte. Zwei Frauen, die selbst an Krebs erkrankt waren, sei keine Unterstützung angeboten worden. Stattdessen habe man ihre Erkrankungen als "Schwierigkeit" im "Privatleben" abgetan.

In den Richtlinien für Amazon-Anführer schreibt der Unternehmen laut "New York Times" selbst: "Führungskräfte halten unermüdlich hohe Standards aufrecht – viele Leute mögen glauben, dass diese Standards unsinnig hoch sind." Das gehe soweit, dass E-Mails auch nach Feierabend, an Feiertagen und im Urlaub unverzüglich zu beantworten seien - sonst drohe eine Drängel-SMS.

Ständiger Druck: Angestellte engagieren Assistenten

Auch am Arbeitsplatz herrsche ein Klima der Angst. Öffentliches Vorführen von Fehlern sei an der Tagesordnung. Ein Mitarbeiter berichtet, "fast jede Person, mit der ich zusammengearbeitet habe, an ihrem Schreibtisch weinen gesehen" zu haben. In einem internen, anonymen Bewertungssystem könnten sich Angestellte zudem gegenseitig anschwärzen. Schlimmstenfalls könne das bei schlechten Bewertungen sogar zur Entlassung führen.

Umso härter arbeiten offenbar die "Amazonier". Einige Mitarbeiter sollen von ihrem eigenen Gehalt sogar Assistenten bezahlt haben, um das Pensum zu schaffen. Dass das keiner lange durchhält, spiegelt sich auch der hohen Personalfluktuation wider. Angestellte bleiben im Schnitt nur ein Jahr bei Amazon. Das entspricht einer der kürzesten Zeiten unter den 500 umsatzstärksten Firmen der Welt.

So reagiert Amazon auf die Mitarbeiter-Kritik

Amazon-Gründer Jeff Bezos hat den kritischen Bericht der "New York Times" über die Arbeitsbedingungen zurückgewiesen. "Der Artikel beschreibt nicht das Amazon, das ich kenne", betonte Bezos in einer E-Mail an die Mitarbeiter, die von mehreren Technologie-Blogs veröffentlicht wurde.

In Deutschland geriet Amazon vor einigen Jahren in die Kritik, nachdem in einem TV-Bericht von schlechten Lebensbedingungen für saisonale Beschäftigte für Logistikzentren die Rede war. Die Gewerkschaft Verdi versucht auch, mit Streiks einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels durchzusetzen. Das Unternehmen sieht sich dagegen als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen.

Lesen Sie hier: Mitarbeiter sprechen von einem "Klima der Angst".

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zij/bua/news.de/dpa

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