18.06.2015, 13.13 Uhr

Selbstzahler-Sprechstunde: Schnellere Arzttermine für bis zu 100 Euro

Viele Patienten, wenig Termine: Da muss man auf den nächsten freien Platz im Arzt-Kalender schon mal Monate warten. Manche Ärzte organisieren nunmehr Selbstzahler-Sprechstunden und lassen sich schnellere Termine entlohnen. Verbraucherschützer wüten.

Schnellere Termine lassen sich Ärzte häufig extra bezahlen. Bild: dpa

Wer kann das nicht: Insbesondere Kassenpatienten müssen auf Arzttermine meist lange warten. Eine Situation, die sich aufgrund des Ärztemangels immer weiter verschlimmert. So mancher Mediziner scheint daraus Kapital schlagen zu wollen.

Arzt-Termine gegen Bezahlung: So dreist gehen Mediziner vor

Denn wie das MDR-Magazin "Fakt" berichtet, verlangen manchen Arztpraxen bis zu 100 Euro für alltägliche Kassenleistungen. Eine illegale Praxis, die Verbraucherzentralen bereits bekannt ist. "Bild" schreibt, auf der Plattform "Igel.Ärger.de" gingen immer mehr Beschwerden von Patienten ein, die bei Ärzten nur einen schnelleren Termin erhalten, wenn sie in die sogenannte Selbstzahler-Sprechstunde kommen.

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Termin-Gebühren widersprechen ärztlicher Behandlungspflicht

Selbst bei akuten Schmerzen müsse man für einen zeitnahen Termin immer öfter ins eigene Portemonnaie greifen. "Die Behandlung akuter Erkrankungen bei gesetzlich Krankenversicherten gehört nicht in die Selbstzahler-Sprechstunde", kommentiert Verbraucherschützerin Christiane Lange diese Vorgehensweise bei "Bild".

"Der Kassenarzt hat hier eine Behandlungspflicht und darf den Patienten nicht in die Selbstzahler-Sprechstunde abdrängen. Das widerspricht dem Berufsrecht der Kassenärzte", so die Expertin weiter. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht Termin-Gebühren kritisch.

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Versorgungsstärkungs-Gesetz soll Terminproblem künftig regeln

Laut Berufsrecht dürfen diese auch nur dann erhoben werden, wenn gesetzlich Versicherte individuelle Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Zur Behandlung ist der Arzt hingegen verpflichtet. "Ein Arzt, der gesetzlich Versicherten schnellere Termine gegen Geld anbietet, verstößt gegen seine ärztliche Pflicht", beteuert Gesundheitsminister Hermann Gröhe.

Verbraucherschützer raten Patienten, den Arzt an seine Behandlungspflicht zu erinnern und ihn notfalls bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu melden. Bei akuten Schmerzen bleibt nur der Gang ins Krankenhaus. Mit dem Versorgungsstärkungs-Gesetz, das für das nächste Jahr geplant ist, soll die Terminvergabe künftig besser geregelt werden.

Dann gehören Zuzahlungen für schnellere Termine hoffentlich der Vergangenheit an...

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