Bahnstreik aktuell 2015: Darum streiten GDL und Deutsche Bahn noch immer

Die Deutsche Bahn hat noch Hoffnung, einen neuen Bahnstreik abwenden zu können. Doch die GDL bleibt im DB-Tarifkonflikt hart und droht weiter mit Warnstreiks. Worum es bei dem Streit geht und was ein Bahnstreik 2015 die Wirtschaft kosten würde, erfahren Sie hier.

Ein neuerlicher Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn steht noch nicht endgültig fest. Das Unternehmen versuchte am Donnerstag, 19.02.2015, die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) von ihrem Vorhaben abzubringen. Die GDL-Spitzengremien hatten am Mittwoch die Fortsetzung des Arbeitskampfes beschlossen, nachdem es seit November keinen Ausstand mehr gab. Die Gewerkschaft hat bisher noch kein Datum für den Bahnstreik genannt.

Bahnstreik aktuell 2015: Kann die Deutsche Bahn die GDL vom Warnstreik abhalten?

Der Tarifkonflikt dauert nun schon mehr als sieben Monate. Die Lokführer der GDL hatten im Herbst sechsmal gestreikt und dabei die Dauer des Ausstands stets verlängert. Der Zugverkehr wurde bundesweit stark eingeschränkt. Löst man sich vom kleinteiligen Streit um Paragrafen, so zeigt sich, dass Bahn und GDL nach wie vor um Grundsätzliches streiten.

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GDL-Chef Weselsky lässt den Beginn eines erneuten Bahnstreiks weiter offen - und zieht Kritik der Deutschen Bahn auf sich. Bild: Boris Roessler/dpa

Mehr als drei Monate gab es keinen Bahnstreik: Warum eskaliert der Tarifkonflikt erneut?

Die Deutsche Bahn will einen von der GDL formulierten "Verhandlungsstand" nicht akzeptieren. Ohne eine Unterschrift unter dieses Dokument wollte die Lokführergewerkschaft aber nicht weiterverhandeln, sondern ein siebtes Mal streiken - so der Stand bis Donnerstagmittag. In dem Papier wird der GDL zugesichert, unabhängig von Abmachungen der Bahn mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Tarifverhandlungen führen zu können.

Warum droht die GDL jetzt wieder mit Warnstreiks bei der Deutschen Bahn?

Die Lokführergewerkschaft sieht die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn in einer Sackgasse. Mit Ausnahme der als "Durchbruch" gefeierten Einmalzahlung von 510 Euro für das vergangene Jahr steht der streitbare GDL-Chef Claus Weselsky mit leeren Händen vor seinen Mitgliedern, und das nach etlichen Verhandlungsrunden und sechs Streiks seit Sommer 2014. Über inhaltliche Forderungen der GDL nach kürzerer Arbeitszeit und nach 5 Prozent mehr Geld wurde noch nicht gesprochen. Das liegt nach Aussage der Bahn aber nur daran, dass erst die Tarifstruktur geklärt werden müsse, bevor Verhandlungen über Inhalte möglich seien.

FOTOS: Streikkultur international Elf furiose Streiks

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Warum ist der Flächentarifvertrag für die GDL und ihren Chef Weselsky so wichtig?

Die GDL will einheitliche Arbeitsbedingungen für die Lokführer möglichst aller Bahnunternehmen inDeutschland erreichen. Sie hat dafür über Jahre hinweg die bei der Deutschen Bahn erreichten Standards bei den kleineren Eisenbahnverkehrsunternehmen durchzusetzen versucht - nicht immer mit vollem Erfolg. Besonders wichtig ist den Lokführern die Sicherung ihrer Jobs auf dem gleichen Lohnniveau bei einem Betriebsübergang, wie er bei der Neuvergabe von Transportleistungen bei der Bahn häufiger vorkommt.

Wie verhält sich die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im DB-Tarifstreit?

Abwartend. Ihre Ziele stimmen insoweit mit denen der Bahn überein, als dass sie keine voneinander abweichenden Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe will. Ganz ohne Streik hat die EVG für ihre Mitglieder eine Abschlagszahlung ausgehandelt. Besonders wichtig ist ihr, dass die unteren Gehaltsgruppen bis hin zur Putzkraft oder dem Sicherheitsbegleiter überproportional vom kommenden Tarifabschluss profitieren. Bahn und EVG verhandeln am 5. und 25. März weiter. Streiks sind hier nicht absehbar.

Arbeitsniederlegungen der GDL im aktuellen Tarifstreit
Bahnstreik 2014
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Welchen Schaden würde ein Bahnstreik 2015 der Wirtschaft womöglich zufügen?

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnte: "Ein längerer Bahnstreik kann sich als Bremse für die Konjunktur erweisen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, mehr als sechs Millionen Berufspendler seien auf die Bahn angewiesen. "Transportausfälle, Lieferengpässe und Arbeitszeitverlust zusammengenommen steht nach mehreren Streiktagen schnell eine halbe Milliarde Euro auf der Schadensrechnung für die deutsche Wirtschaft", rechnete Wansleben vor.

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zij/fro/news.de/dpa

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