Bahnstreik aktuell 2015: DB erfüllt GDL-Ultimatum nicht und riskiert neuen Streik

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen lässt die Lokführergewerkschaft GDL wieder die Muskeln spielen. Ihr Vorsitzender droht der Bahn mit hundert Stunden Streik. Alle aktuellen Infos zum möglichen Bahnstreik 2015 und den Positionen im DB-Tarifkonflikt finden Sie hier.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat der Deutschen Bahn im Tarifkonflikt ein Ultimatum gestellt und mit mehrtägigen Streiks gedroht. "Der nächste Streik wird um die hundert Stunden lang sein", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS).

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Bahnstreik 2015 aktuell: Verhandlungen stocken - Streik ab Mittwoch?

Die Deutsche Bahn will die mit einem Ultimatum verbundene Forderung der Lokführergewerkschaft GDL nicht erfüllen. Das könnte bedeuten, dass die GDL am Mittwoch die Lokführer erneut zum Streik aufrufen wird.

Das von der Gewerkschaft vorgelegte Papier gebe nicht den Stand der gemeinsamen Verhandlungen wider, sondern enthalte Maximalforderungen der GDL, stellte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber in Berlin fest. «Verhandlungen verlaufen nicht nach dem Prinzip «Pistole auf die Brust»», fügte er hinzu.

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Bahnstreik aktuell 2015: GDL droht DB mit 100 Stunden Streik

Die GDL sandte der Bahn demnach ein sogenanntes "Verhandlungsprotokoll" mit neun Punkten. Sie will nur auf dessen Grundlage weiterverhandeln und verlangt, dass die Bahn die Forderungen anerkennt - bis zur Sitzung der Tarifkommission am kommenden Mittwoch um 11 Uhr. Eine GDL-Sprecherin bestätigte dies am Samstag auf dpa-Anfrage.

Bahnstreik aktuell 2015: Die GDL droht mit einem Ausstand von bis zu 100 Stunden. Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Deutsche Bahn gegen Warnstreik: Kritik an Lokführer-Gewerkschaft

Eine Bahn-Sprecherin sagte der dpa: "Die Deutsche Bahn hat keinerlei Verständnis für erneute Streikdrohungen und dafür keinen Anlass geliefert, im Gegenteil: wir haben Kernforderungen der GDL wie zum Flächentarifvertrag erfüllt." Eine vernünftige Lösung könne es ausschließlich am Verhandlungstisch geben - und nicht durch unnötige Verunsicherung der Kunden und Mitarbeiter der Bahn. "Das Papier, von dem hier die Rede ist, werden wir bewerten, wenn es offiziell vorliegt", sagte die Sprecherin weiter.

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Bahnstreik der GDL schon am kommenden Wochenende (21./22.02.15)?

Wenn das Papier nicht bis zur Sitzung der Tarifkommission von allen Seiten unterschrieben worden sei, "werden wir unseren Beschlussgremien die Fortsetzung der Streiks vorschlagen", schrieb Weselsky dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Werner Bayreuther. Die Gewerkschaft könne einen Arbeitskampf binnen eines Tages organisieren. Demnach könnte schon am kommenden Wochenende der Bahnverkehr im ganzen Land erheblich gestört werden.

Lokführer-Streiks der vergangenen Monate im Überblick

Im Tarifkonflikt mit der Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL bislang sechsmal zu Streiks aufgerufen, zuletzt im vergangenen November. Eine Übersicht:

1. Warnstreik am 1. September: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7./8. Oktober: neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

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Deutsche Bahn, GDL und EVG - was sie in der Tarifrunde wollen

Gewerkschaft GDL: Ursprung des Konflikts ist das Streben der GDL, anders als zuvor nicht mehr nur für die rund 20.000 Lokführer Tarifregeln auszuhandeln, sondern für all ihre Mitglieder. Dazu gehören etwa auch Zugbegleiter, Speisewagen-Mitarbeiter oder Planer des Zugverkehrs. Dabei vertritt die GDL den Standpunkt, dass auch Tarifverträge möglich sein müssen, die in Konkurrenz zu Abmachungen stehen, die der Konzern mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) schließt. In der jüngsten Runde habe die Bahn die GDL wieder verpflichten wollen, sich den mit der EVG geschlossenen Verträgen unterzuordnen. Deshalb habe man das Scheitern erklären müssen.

Arbeitsniederlegungen der GDL im aktuellen Tarifstreit
Bahnstreik 2014
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Deutsche Bahn: Der bundeseigene Konzern hat von Anfang an die Position vertreten, dass konkurrierende Tarifverträge vermieden werden sollen. Ziel sei es vielmehr, die Tarifrunde mit EVG und GDL so zusammenzuführen, dass für ein und dieselbe Berufsgruppe die gleichen Regelungen gelten. Zugleich sicherte die Bahn der GDL im Dezember schriftlich zu, sie verbinde mit dieser Position "keine Vorbedingung oder inhaltliche Beschränkung". Zu dieser Aussage stehe die Bahn nach wie vor, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Der Abbruch der Gespräche sei deshalb unverständlich.

Gewerkschaft EVG: Sie führt parallel zur GDL-Runde Tarifverhandlungen mit der Bahn für ihre rund 100.000 Mitglieder im Unternehmen. Zuletzt gelang eine Verständigung über eine Vorschusszahlung für die Zeit bis Februar, damit Bahnmitarbeiter bereits vor einem Tarifabschluss mehr Geld erhalten. Die EVG will dort, wo sie die Mehrheit der Mitarbeiter vertritt, auf Gewerkschaftsseite das Sagen behalten. Das ist bei allen Berufsgruppen außer den Lokführern so. Wie die Bahn lehnt auch die EVG unterschiedliche Tarifverträge für die gleiche Tätigkeit ab.

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zij/news.de/dpa

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