Arbeit: Von Mr. Bean siegen lernen: Humor macht vieles leichter

Berlin - Ein Kalauer nach dem anderen ist vielleicht nicht der richtige Ansatz. Aber grundsätzlich hilft Humor oft weiter, auch im Berufsleben. Wer auf Kritik humorvoll reagiert, punktet damit fast automatisch. Und wirkt auch gleich sympathisch.

Von Mr. Bean siegen lernen: Humor macht vieles leichter Bild: Britta Pedersen/dpa

Humor macht vieles leichter, auch im Beruf. Er kann helfen, das Eis zu brechen, wenn unbekannte Gesprächspartner sich begegnen. Er kann Konfliktsituationen zu entschärfen, wenn es heikel wird. «Er lässt Mitarbeiter sympathischer wirken», sagt Gerlinde Kempendorff-Hoene aus Berlin, die als Kabarettistin und Coach arbeitet. «Wer Humor hat, ist deshalb beruflich erfolgreicher. Ganz abgesehen davon schüttet Lachen auch Glückshormone aus.» Egal ob Gehaltsverhandlung, Verkaufsgespräch oder Rollenspiel im Assessment Center: Wer humorvoll reagiert und gekonnt Pointen setzt, kann damit oft punkten.

Humor sei zwar kein Wert an sich. «Wenn er falsch eingesetzt wird, kann er sogar sehr wehtun», sagt Kempendorff-Hoene, die regelmäßig Seminare zum Thema Humor im Beruf anbietet. «Zynismus und Sarkasmus zum Beispiel.» Wenn sich das am Arbeitsplatz etabliert, könne das weitreichende negative Folgen haben, bis hin zum Burnout bei denjenigen, die ständig damit konfrontiert sind. Positiver, menschlicher Humor habe aber viele Vorteile: «Zum Beispiel signalisiert er Selbstsicherheit.»

Gegenargumenten und Kritik mit einem Lächeln statt mit Schmollwinkeln zu begegnen, demonstriere Souveränität. «Dann muss man auch gar nicht mehr viele Worte machen.» Auch hier kommt es allerdings auf Nuancen an: «Aufgesetztes Lächeln meine ich damit nicht», sagt Kempendorff-Hoene. In vielen Situationen könne Humor aber ein Türöffner sein - auch bei Gehaltsverhandlungen: Auf die Frage des Chefs «Und was wollen Sie?» empfiehlt die Expertin Antworten wie «Ach Chef, es geht wie immer um Geld» oder «Das Problem ist, ich verdiene weniger, als ich bekomme». So ein Einstieg gehe natürlich nicht mit jedem. «Ich muss schon sicher sein, dass das bei meinem Chef möglich ist.»

Humorvoll zu reagieren, lasse einen aber automatisch sympathischer rüberkommen. «Mein Mann hat mich auch mit seinem Humor überzeugt, ihn zu heiraten», sagt Kempendorff-Hoene lachend. Wer Humor einsetzt, schaffe es außerdem besser, freundlich zu bleiben und deshalb auch schwierige Sachverhalte stressfrei zu klären.

Das ist aber offenbar schwerer, als viele denken: «Viele merken gar nicht, wie böse sie schauen. Sie haben ihre Mimik nicht im Griff. Man sieht das oft, wenn solche Situationen aufgezeichnet werden, manche sind dann richtig erschrocken über sich selbst», hat Kempendorff-Hoene beobachtet. Manchmal stocken Diskussionen, oder Konflikte drohen zu eskalieren. Auch dann ist Humor oft hilfreich: «Wenn man es schafft, andere zumindest zum Schmunzeln zu bringen, kann das Spannungen lösen und den Knoten zum Platzen bringen.»

Aber was nützen all diese Einsichten, wenn man nun mal kein besonders humorvoller Mensch ist und zum Lachen lieber in den Keller geht? Hoffnungslose Fälle gibt es nicht, sagt Gerlinde Kempendorff-Hoene: «Humor ist nichts, was man einfach vererbt bekommt. Das hat viel mit Schlagfertigkeit zu tun, man kann das schon trainieren.» Hilfreich sei zum Beispiel, humoristische Texte zu lesen, sich zu merken, wie dort Komik erzeugt und Pointen gesetzt werden.

Oder man übt im Alltag: «Bringen Sie doch die Verkäuferin an der Käsetheke oder die Frau an der Aldi-Kasse mal zum Lachen!» Ein Vorbild können auch Komiker sein, Mr. Bean zum Beispiel: «Bei ihm entsteht die Komik gerade dadurch, dass es immer so kommt, wie man es nicht erwartet», erklärt Kempendorff-Hoene. Absurde Pointen oder paradoxe Wortspiele könne man sich durchaus abgucken und bei passender Gelegenheit anwenden.

Gerade Führungskräfte sollten die Möglichkeiten kennen, die Humor bietet, findet die Kabarettistin mit Coachingerfahrung. «Und auch die verschiedenen Spielarten von Ironie über Spott bis zum Sarkasmus.» Schließlich gehöre zu ihren Aufgaben, mit Menschen umzugehen, mit ihnen zu kommunizieren, sie zu bewerten. Wenn Chefs das schlecht machen, kanzeln sie Mitarbeiter mit zynischen Kommentaren ab, wenn sie sozial kompetent sind, setzen sie Humor ein, gerade in heiklen Situationen. «So etwas nennt man Empathie - eine wichtige Führungseigenschaft.»

Website von Gerlinde Kempendorff-Hoene

news.de/dpa

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