Internet: Medien: Apple bietet 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer-Firma Beats

Cupertino - Apple will laut Medienberichten 3,2 Milliarden Dollar für den Kopfhörer-Hersteller Beats ausgeben.

Medien: Apple bietet 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer-Firma Beats Bild: David Ebener/dpa

Das wäre die mit Abstand größte Übernahme der Firmengeschichte. Beats, mitgegründet vom Hip-Hop-Star Dr. Dre, ist für seine Kopfhörer mit dem markanten roten «b» bekannt und startete unlängst auch einen Streaming-Dienst für Musik.

Die Übernahme könne kommende Woche verkündet werden, schrieb die «Financial Times» in der Nacht zum Freitag unter Berufung auf informierte Personen. Die Gespräche könnten aber auch noch scheitern, hieß es einschränkend. Kurz darauf berichteten auch das «Wall Street Journal» und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg über Verhandlungen. Apple und Beats äußerten sich nicht dazu.

Dagegen lieferte Dr. Dre eine indirekte Bestätigung, als er sich in einem Facebook-Video zum ersten Milliardär im Hip-Hop-Geschäft erklärte. Der knapp eineinhalb Minuten lange Clip, den der Rapper Tyrese Gibson bei dem Online-Netzwerk hochgeladen hatte, verschwand allerdings nach wenigen Stunden wieder.

Apple würde sich mit Beats eine Eintrittskarte ins Geschäft mit Abo-Diensten erkaufen, bei denen man für einen monatlichen Festbetrag Millionen Songs abrufen kann. In diesem Bereich gilt die schwedische Firma Spotify als treibende Kraft, hat aber auch viele Konkurrenten. Bei den Abo-Streamingdiensten gibt es derzeit das größte Wachstum in der Musik-Branche. Das Geschäft ist aber noch deutlich kleiner als der CD-Verkauf oder das Herunterladen von Musik, bei dem Apple besonders stark ist.

Apple hatte mit dem iPod-Player und seiner Plattform iTunes die Musik-Downloads zu einem Riesen-Geschäft gemacht und bisher auf einen Abo-Dienst verzichtet. In den USA wurde aber bereits das werbefinanzierte iTunes Radio gestartet, bei dem der Kunde Musik nach Genre serviert bekommt.

Die Beats-Kopfhörer gelten als hochwertigere Alternative zu Apples eigenen weißen «Earpods» und sind vor allem bei Jugendlichen populär. Der Musik-Unternehmer Jimmy Iovine, ein weiterer Beats-Mitgründer, hatte einen guten Draht zum 2011 verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Er solle nach der Übernahme in die Führungsriege von Apple kommen, hieß es in den Medienberichten. Nach Informationen der «Financial Times» läge der Anteil von Dr. Dre und Iovine an dem Kaufpreis bei rund 1,3 Milliarden Dollar.

Der Streaming-Dienst Beats Music mit einer monatlichen Gebühr von 9,99 Dollar und einem Angebot von rund 20 Millionen Songs startete Ende Januar in den USA. Angaben zur Zahl der Nutzer gab es bisher nicht. Das Fachmagazin «Billboard» sprach im April unter Hinweis auf Branchenkreise von einem enttäuschenden Start trotz einer mehrere Dutzend Millionen Dollar schweren Marketing-Kampagne. Laut Schätzungen in der Industrie habe Beats Music nur 200 000 Nutzer angelockt, schrieb das Technologieblog «Recode».

Beats hatte sich 60 Millionen Dollar von Investoren gesichert und war «Billboard» zufolge auf der Suche nach einer weiteren Finanzierungsrunde im Volumen von 60 bis 100 Millionen Dollar.

Apple hielt sich bisher trotz eines Geldbergs von mehr als 150 Milliarden Dollar mit großen Übernahmen zurück. In den vergangenen 18 Monaten wurden zwar 24 Unternehmen gekauft. Aber der Konzern gibt üblicherweise maximal einige hundert Millionen Dollar aus, um bestimmte Funktionen für seine Geräte oder talentierte Leute zu holen. Mit Zukäufen baute Apple weitgehend seinen eigenen Kartendienst auf, und auch die sprechende Assistentin Siri kam von außerhalb.

Bei Beats hatte sich erst im September vergangenen Jahres der taiwanische Smartphone-Hersteller HTC komplett zurückgezogen. HTC hatte im Jahr 2011 für rund 300 Millionen Dollar die Mehrheit gekauft und seine Geräte mit Beats-Technik ausgeliefert. Doch die Hoffnung auf einen Verkaufserfolg insbesondere bei jüngeren Nutzern erfüllte sich nicht.

Den Platz von HTC übernahm damals der Finanzinvestor Carlyle. Würde nun der Apple-Deal zustande kommen, könnten sich die Carlyle-Manager über einen Megaprofit freuen. Auch für die Beats-Gründer wäre es ein grandioses Geschäft: Den Streaming-Dienst MOG, auf dessen Basis Beats Music aufgebaut wurde, kauften sie 2012 für nur 14 Millionen Dollar.

news.de/dpa

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