Verkehr: Städtetags-Chef für Fernbus-Maut

Berlin - Für eine bessere Ausstattung und größere Anzahl von Fernbus-Terminals ist aus Sicht des Deutschen Städtetags eine Ausweitung der Lkw-Maut auf die Betreiber neuer Buslinien nötig.

Städtetags-Chef für Fernbus-Maut Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

«Ein wichtiger Beitrag zur Lösung des Finanzierungsproblems wäre die Ausdehnung der Lkw-Maut auf Fernbusse», sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus der «Welt». Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) wies den Vorschlag zurück: Ein Einschluss der Anbieter in die Abgabe könnte die wachsende Nachfrage abwürgen.

Articus betonte, mit Hilfe einer Fernbus-Maut ließen sich Einnahmen erzielen, die der Bund anschließend in den zusätzlichen Ausbau der zugehörigen Infrastruktur investieren sollte. So könne außerdem die Gleichbehandlung mit Bahnanbietern, die ihrerseits Stations- und Trassenpreise zahlen müssen, vorangebracht werden. Die Busunternehmen selbst müssten angesichts des boomenden Geschäfts in Deutschland mehr Geld in die Finanzierung der Terminals stecken, forderte der Städtetags-Chef: «Sie müssen für diese Infrastruktur aufkommen.»

Der BDO reagierte mit scharfer Kritik. «Wer eine Maut für Busse fordert, der muss wissen, dass er damit den noch jungen Fernbusmarkt zerstören wird», sagte Sprecher Matthias Schröter der dpa. Die Firmen hätten eine hohe dreistellige Millionensumme in neue Busse in dem Vertrauen investiert, dass an den Bedingungen bei der Liberalisierung des Marktes Anfang 2013 nicht gerüttelt werde. Mit einer Maut könnten sich die Tickets um bis zu ein Fünftel verteuern. Doch zugleich würden die Gewinnaussichten der Anbieter geschmälert: «Der Bus als äußerst klimafreundliches Fahrzeug würde auf der Strecke bleiben.»

Articus kritisierte hingegen auch die bisherige Rolle des Bundesverkehrsministeriums. «Die mit jeder neuen Fernbuslinie drängender werdende Frage nach der Finanzierung der notwendigen Haltepunkte in den Städten hat der Bund - obwohl zuständig - bisher nicht entschieden», sagte er dem Blatt. Viele Omnibusbahnhöfe seien überlastet. Ressortchef Alexander Dobrindt (CSU) hatte laut «Spiegel» aber zuletzt eine Abgabe abgelehnt: «Die Bundesregierung möchte diese Vielfalt weiter unterstützen und plant deshalb keine Maut für Busse.»

Laut einer Ende April veröffentlichten Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind 12 Prozent der Deutschen seit der Marktöffnung zum Januar 2013 schon einmal in einen Fernbus anstatt in den Zug gestiegen. Vor einem Jahr waren es noch 5 Prozent. Busunternehmer haben mehr als 200 neue Linien angeboten. Die Bahn - selbst größter Fernbusbetreiber bundesweit - spürt die Konkurrenz.

news.de/dpa

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