Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist - 13.07.2013, 08.01 Uhr

Recycling: Warum die Mülltrennung zum Himmel stinkt

Das Duale System ist in Deutschland allgegenwärtig: Wir trennen in Kunststoff- und normalen Hausmüll - der Umwelt zuliebe, wie es heißt. Doch bei der Mülltrennung geht es vor allem ums große Geschäft. Der Markt wird von wenigen Großanbietern bestimmt. Sie kassieren kräftig ab.

FOTOS: Müll Wertvoller Abfall

Seit mehr als 20 Jahren trennen wir Deutschen nunmehr unseren Müll. Unumstritten ist das Recycling-System aber noch lange nicht. Immer wieder diskutieren Politik, Städte und Gemeinden über eine Abschaffung des Grünen Punktes - zu umständlich, zu teuer, nicht ökologisch genug lauten die Argumente.

In Wahrheit geht es dabei um Eigentumsrechte am Müll, der auf dem Markt bares Geld wert ist. Jährlich fährt die Entsorgungsbranche etwa 40 Milliarden Euro ein. Ein größeres Stück vom Kuchen wollen alle haben: Kommunen, private Müllbetriebe und Firmen des Dualen Systems.

Pro registrierter Verpackung gibt's bares Geld

Zwar bescheinigte ein Gutachten den Entsorgern in dieser Woche, dass ihnen der Müll gehört, und nicht Auftraggebern aus dem Dualen System. Doch auch sie machen ordentlich Gewinn, der sich deutschlandweit gerade einmal unter zehn Unternehmen aufteilt. Nur diese haben hierzulande eine Lizenz, Gelbe Tonnen aufzustellen und den Verpackungsmüll zu verwerten. Von ihnen stammen die Gelben Tonnen, bei ihnen landet der Müll - und auch das Kapital, das sie daraus schlagen.

FOTOS: Geplante Obsoleszenz Kaufen für den Müllhaufen

Denn das, was der Hersteller für Verpackungen zahlen muss und im Handel an die Verbraucher weitergibt, fließt direkt an die Müllunternehmer weiter. Joghurtbecher, Chipstüten, Blumentöpfe - auf sie entfallen Gebühren, die jährlich Milliarden Euro in die Kassen der Firmen spülen. Eine ist der allen bekannte Grüne Punkt. Er streicht pro registrierter Verpackung etwa einen Cent ein. Bei steigenden Müllmengen ein lukratives Geschäft.

Recyceltes Material nur begrenzt einsetzbar

Genau deshalb haben kommunale Anbieter, die Verbrauchern etwa mit Trennungsanlagen die private Mülltrennung abnehmen wollen, kaum eine Chance. Sie sind dem Dualen System ein Dorn im Auge, denn ihnen würden mit der Konkurrenz die so lukrativen Gebühren entgehen. 2012 waren das insgesamt rund 577 Millionen Euro allein im Kerngeschäft Verpackungsrecycling.

Würden Grüner Punkt und Co. den von den Entsorgern eingesammelten Müll auch selbst verwerten und verkaufen, wäre der Umsatz um so einiges höher. Schließlich gibt's auch für recycelte Abfälle ordentlich Geld: Der Marktwert einer Tonne Kunststoff liegt im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich.

Dabei spielt nicht nur die Wiederverwertung eine Rolle. Zwar landet ein Großteil des Mülls wieder bei Verpackungsherstellern und wird dort abermals zu Kunststoff verarbeitet. Er kann aber nicht mehr für alles verwendet werden - etwa für Nahrung -, weil er ja schon einmal im Kreislauf eines Haushaltes war und folglich nicht mehr hygienisch genug ist. Im Handel wird das minderwertige, recycelte Material deshalb nur begrenzt eingesetzt.

Verbrennungsanlagen fehlt Verpackungsmüll

Mehr als die Hälfte des Verpackungsmülls wird verbrannt - unter anderem, um Wärme und Strom zu erzeugen. Das Absurde: Er wird zum Teil zusammen mit herkömmlichem Hausmüll verheizt. Ursprünglich Getrenntes kommt wieder zusammen. Und es wird noch absurder: Der Müll, der den oftmals überdimensionierten Verbrennungsanlagen durch die Gelbe Tonne zur Auslastung fehlt, wird aus dem Ausland eingekauft.

Da fragt man sich doch: Wie sinnvoll ist die teure Mülltrennung überhaupt? Geht es tatsächlich um Umweltschutz oder nur ums große Geschäft? Zur Abfallvermeidung hat das Duale System jedenfalls nicht beigetragen - und zur Kostenreduzierung schon gleich gar nicht. Der Grüne Punkt hat bereits angekündigt, seine Preise für Verpackungshersteller ab 2014 um bis zu acht Prozent zu erhöhen. Zahlen wird die der Verbraucher.

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fro/news.de

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