Fabrikeinsturz Was hatten Kik-Produkte dort zu suchen?

Deutsche Textilhändler müssen sich rechtfertigen. Noch ist nicht klar, wer in der eingestürzten Fabrik in Bangladesch nähen ließ. Waren sogar Kinder dort beschäftigt? Kik zeigte sich betroffen und überrascht. Man wies die Kritik von sich, will aber genauer recherchieren.

Discounter: Die größten Skandale bei Lidl

Zahlreiche Textilien von Kik wurden in den Trümmern gefunden, berichtete die «Kampagne für Saubere Kleidung». Der Discounter zeigte sich überrascht, denn seit 2008 würde es keine direkten Geschäftsbeziehungen mit den dortigen Lieferanten geben.

Auch der TÜV Rheinland wusch seine Hände in Unschuld und erklärte, Baumängel zu untersuchen, sei nicht Gegenstand der Überprüfung gewesen. Die Mitarbeiter hätten nur soziale und ethische Kriterien der Arbeitsgestaltung zu prüfen gehabt.

«Wir sind schockiert - es zeichnet sich ab, dass Kik innerhalb von nur acht Monaten ein drittes Mal in ein schweres Unglück in einer Textilfabrik involviert ist», so die Kampagne für Saubere Kleidung.

In dem zerstörten Gebäude sei auch für Kunden in Europa und den USA genäht worden, darunter Mango aus Spanien und Primark aus Irland. Der Textildiscounter Primark hatte bereits mitgeteilt, ein Team arbeite vor Ort daran, den Menschen Soforthilfe und längerfristige Unterstützung zukommen zu lassen.

Keiner will es gewesen sein

Man sei «überrascht, betroffen und erschüttert», dass Textilien von Kik in den Trümmern gefunden worden seien, reagierte Kik. «Wir prüfen deshalb intensiv zusammen mit dem entsprechenden Importeur, wie die gefundenen Label und Textilien zu erklären sind.»

Erst kürzlich hatte ein RTL-Team in Bangladesch arbeitende Kinder in einer Textilfabrik entdeckt, die auch für den deutschen Discounter Kik produziert hat. Kik bestätigte ein «illegales Subcontracting»: Ein Hauptlieferant habe mit illegalen Methoden gearbeitet und bekomme jetzt eine Konventionalstrafe von 5000 US-Dollar. Außerdem würden die Geschäftsbeziehungen sofort beendet.

Fashion Week: Grüne Mode auf dem Vormarsch

Auch das Unternehmen NKD bestätigte, dass bis wenige Monate vor dem Unglück Ware für die Kleidungskette in dem Gebäude gefertigt wurde. Vermittelt durch ein Unternehmen aus dem norddeutschen Ahrensburg seien mehrere Aufträge an die Phantom Apparels Ltd gegangen, teilte NKD mit. Wegen Qualitätsproblemen habe NKD die Zusammenarbeit 2012 beendet.

Auch acht Tage nach dem Einsturz bargen Rettungskräfte immer noch Leichen aus den Trümmern. 500 Tote seien inzwischen gefunden worden, sagte der Leiter der Bergungsoperation. Offiziell bleiben rund 150 Menschen vermisst. Mehr als 2400 Menschen wurden verletzt. Die Gebäudebesitzer befinden sich in Haft. Sie sollen nach einer Sicherheitsinspektion, die auf die Risse im Mauerwerk hinwies, weiter auf der Standfestigkeit des Gebäudes beharrt haben.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

wif/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig