Nach Großrazzia Deutsche-Bank-Chef Fitschen wehrt sich

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Die Deutsche Bank steht am Pranger. Konzernchef Jürgen Fitschen räumt Fehler ein, sieht sich selbst aber zu Unrecht von Staatsanwälten verfolgt. Von Rücktritt will der Manager nach der Steuerrazzia nichts wissen. Parallel erlebt das Geldinstitut eine bittere Klatsche im Kirch-Prozess.

Nach der Steuerrazzia bei der Deutschen Bank geht deren Co-Chef Jürgen Fitschen in die Offensive. In Interviews mit Handelsblatt und Bild-Zeitung wies der Manager die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück. Zugleich gestand Fitschen Fehler der Bank ein. Er wolle daher den angekündigten Kulturwandel bei der Deutschen Bank forcieren.

«Meines Erachtens war das Vorgehen der Staatsanwaltschaft überzogen», sagte Fitschen dem «Handelsblatt». Zu den Vorwürfen der schweren Umsatzsteuerhinterziehung gegen sich selbst sagte Fitschen der Bild-Zeitung: «Ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich als unbegründet erweisen werden.»

Deutschen Bank muss Kirch-Erben Strafe zahlen

In einem anderen Fall hat die Deutsche Bank vor Gericht indes eine herbe Schlappe einstecken müssen. Das Oberlandesgericht München verurteilte das Geldhaus am Freitag zu Schadenersatz für Verluste in Folge der Pleite des Kirch-Imperiums 2002. Die Höhe ließen die Richter allerdings offen. Die Summe solle von zwei Gutachtern bestimmt werden, für deren Benennung beide Seiten bis Ende Januar Vorschläge unterbreiten können. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als zwei Milliarden Euro verklagt.

Der inzwischen verstorbene Medienzar Leo Kirch hatte der Bank zeitlebens vorgeworfen, am Untergang seines Konzerns schuld zu sein. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte 2002 wenige Wochen vor dem Zusammenbruch der Gruppe in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt. Für Kirch war dies der Auslöser. Breuer und die Bank weisen dies zurück. Der frühere Bankchef nahm am Freitag nicht an der Sitzung teil. Breuer habe damals nur «allgemein bekanntes» gesagt, betonte die Bank stets. Das Gericht folgte dem aber nicht.

Neben Fitschen auch Finanzvorstand Krause am Pranger

Der derzeitige Konzernchef Fitschen sieht wegen der Steuervorwürfe keinen Grund für einen Rücktritt, betonte er. Der Manager führt Deutschlands größtes Geldhaus seit Juni 2012 gemeinsam mit dem Investmentbanker Anshu Jain: «Jetzt werden wir die Ärmel noch weiter hochkrempeln, um unseren Wandel zügig voranzutreiben.»

500 Fahnder hatten am Mittwoch unter anderem die Frankfurter Zentrale des Dax-Konzerns durchsucht. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wirft 25 Mitarbeitern der Bank Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung im Zusammenhang mit dem millionenschweren Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate) vor. Fünf Mitarbeiter wurden verhaftet, vier davon sitzen noch in Untersuchungshaft.

Ermittelt wird auch gegen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die fragliche Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Diese enthielt nach Erkenntnissen der Ermittler zu Unrecht erstattete Umsatzsteuer aus illegalen Handelsgeschäften mit Emissionsrechten. Im Sommer 2011 korrigierte die Bank die Angaben um etwa 150 Millionen Euro.

Vor einigen Monaten bereits fünf Händler suspendiert

Er bedauere sehr, dass die interne Aufklärung noch nicht weiter gekommen sei, sagte Fitschen. «Es liegt in unserem Interesse, der Sache ein Ende zu bereiten.» Im April 2010 hatte es in dem Fall eine erste Durchsuchung in Räumen der Deutschen Bank gegeben.

Vor einigen Monaten suspendierte das Institut mindestens fünf Händler, die an dem illegalen grenzübergreifenden Zertifikatehandel beteiligt gewesen sein sollen. Es sei «ganz offenkundig so, dass an der einen oder anderen Stelle beim Drang, etwas zu leisten, der Kompass, der Common Sense, nicht hinreichend vorhanden war», räumte Fitschen mit Blick auf das Investmentbanking ein. «Es ist außerordentlich ärgerlich, dass die Deutsche Bank diese Fehler gemacht hat.» Fitschen betonte: «Wir sind angetreten mit dem festen Willen, Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren.»

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zij/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 1
  • 16.12.2012 11:03

In einer Schmarotzerrepublik investiert ein Arbeitnehmer viel Geld in ein Auto aus heimischer Produktion um damit zur Arbeit zu fahren zwecks Einkommen für seine Familie und sich sowie nebenbei auch den Staat (Steuerabgaben), und um nach einem Unfall mit Totalschaden auf dem Arbeitsweg keine Steuererleichterung zur Abmilderung noch bestehender Restfinanzierung zu bekommen, während Bezieher von staatlichen Fürsorgemitteln Prämien im Rahmen eines Konsumpaketes zur Förderung der nationalen Wirtschaft erhalten, mit der sie sich letztlich doch nur billige Vehikel aus Niedriglohnländern finanzieren!

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