Nachhaltigkeit Die Zukunft ist grün!?

Ranking
Die grünsten Marken der Welt
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Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Die Ressourcen der Erde sind endlich, das wissen auch Unternehmen und setzen vermehrt auf nachhaltige Produktion. Jedes Jahr prämiert der Deutsche Nachhaltigkeitspreis die vorbildlichsten Firmen. Doch viele springen auch einfach auf den grünen Trendzug auf - für den Konsumenten ein Dilemma.

Green Economy, Green Fashion, Green Brands: Immer mehr Unternehmen entdecken das Thema Nachhaltigkeit für sich. Ob Ökostrom, vegane Mode oder andere umweltschonend und sozial verträglich hergestellte Produkte - sie werden mittlerweile nicht mehr nur als Verpflichtung gegenüber der Zukunft von Mensch und Umwelt angesehen, sondern auch als Wettbewerbsvorteil begriffen. Denn Verbraucher achten zunehmen darauf, dass sie Produkte aus nachhaltiger Produktion kaufen. Genau darin aber liegt die Krux: Weil die Wirtschaft um den Imagefaktor Nachhaltigkeit weiß, gaukelt sie dem Kosumenten auch gerne mal den Saubermann vor, ohne einer zu sein.

Greenwashing nennt sich das, wenn Firmen vorgeben, die Umwelt zu schützen, dies faktisch aber gar nicht tun. Doch welcher Normalverbraucher kann schon hinter die ausgeklügelten Werbebotschaften der Großunternehmen schauen? Wer weiß schon, ob der niedliche Hase aus der Tetrapack-Werbung Recht hat, wenn er sagt, dass die Getränkeverpackungen zu 100 Prozent recyclebar sind? Oder ob mein neues Elektroauto tatsächlich so revolutionär klimafreundlich ist, wie es der Hersteller verspricht?

Ein Anhaltspunkt für Konsumenten könnte der Deutsche Nachhaltigkeitspreis sein, der heute und morgen in Düsseldorf vergeben wird. Seit 2008 zeichnet die gleichnamige Stiftung, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, Unternehmen aus, die sich ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung stellen. In diesem Jahr werden erstmals auch Städte und Gemeinden mit dem Preis bedacht. Insgesamt 18 haben es auf die Nominierungsliste geschafft. Bei den Unternehmen können 27 auf den Sieg in einer neun Kategorien hoffen. 680 hatten sich beworben.

Streit um Nominierung von Unilever

Schon vor der Preisverleihung, der auch Politprominente wie Wolfgang Schäuble, Guido Westerwelle und Hannelore Kraft beiwohnen, wurde Kritik an der Nominierung des Schweizer Unternehmens Unilever laut. Der Konsumgüter-Hersteller soll für seinen Sustainable Living Plan bedacht werden, in dem er sich verpflichtet, die Umweltbelastung durch die eigene Produktherstellung bis 2020 zu halbieren. Die Naturschutzorganisation Robin Wood prangert dennoch an, Unilever sei einer der größten Einzelverbraucher des tropischen Palmöls in Europa. Die Folgen: Regenwaldzerstörung und CO2-Anstieg.

Greenwashing
Wo Grün das neue Schwarz ist
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Trotz eines offenen Briefs der Umweltschützer hielten die Organisatoren die Nominierung von Unilever aufrecht - Ausgang offen. Auch das Online-Magazin zur Klima- und Energiewende klimaretter.info protestiert gegen eine Auszeichnung des Unternehmens, hält es für «nicht preiswürdig». Seit fünf Jahren widmet es sich in seinem Blog «Der Klima-Lügendetektor» irreführenden Werbebotschaften vermeintlich umweltfreundlicher Firmen. «Wir recherchieren ganz einfach nach, wenn uns an einer Werbeannonce, einer Presseerklärung oder ähnlichem etwas fragwürdig erscheint», heißt es auf der Website.

Das Credo der Blogger: Grünfärber bloßstellen. Und das tun sie mit Erfolg. Erst kürzlich wurde «Der Klima-Lügendetektor» mit dem 1. Preis der Otto-Brenner-Stiftung für kritischen Journalismus 2012 ausgezeichnet. Dran glauben mussten schon sämtliche Energieriesen, darunter Vattenfall, Eon und RWE, große Ketten wie Rewe und McDonalds, die immer wieder mit grünen Offensiven von sich reden machen, und sogar Parteien wie die CDU.

Welche Marke ist die grünste?

Ähnlich breit ist die Ranking-Website rankabrand.de aufgestellt. Sie scannt namhafte Markenhersteller auf ihre Nachhaltigkeit - wie ressourcenschonend stellen sie her, wie sozial sind die Arbeitsverhältnisse in den Produktionsstätten? Unter der Lupe waren unter anderem Softdrink-Hersteller, Sportartikel, Reiseveranstalter und Telekommunikationsdienstleister. Das Team des Rank a Brand e. V. denkt dabei in beide Richtungen: «Unser Ziel ist es zu sensibilisieren: Markenhersteller für Transparenz und Nachhaltigkeit. Verbraucher für Verantwortung und Einflusskraft.»

Wer als Konsument schnell erkennen will, ob seine Adidas-Treter Giftstoffe enthalten oder die Lieblingsschokolade fair gehandelt wurde, kann sich bei rankabrand.de Rat holen. Anhand von Scores (von A = grün bis E = rot) werden die Marken gelistet: Ein A-Label erhält nur, wer mindestens 75 Prozent des jeweiligen Kriterienkataloges erfüllt. Ganz unten auf der Skala landen jene, die 15 Prozent und weniger erreichen. Aufschluss über die Bewertungsstrategie gibt eine Detailansicht, in der jedes grüne Unternehmensversprechen auf Einhaltung überprüft und entsprechend gekennzeichnet wird.

Rankabrand.de verspricht sich davon auch direkte Effekte auf das Umweltbewusstsein der Markenhersteller. Schließlich seien sie abhängig von Image und Umsatz - und dafür spiele glaubhafte Nachhaltigkeit eine Rolle. Zweimal ging diese Rechnung bereits mehr als deutlich auf. So überführte das Ranking-Portal die Modemarken Uhlsport und After Eden des Greenwashings. Beim Test von Sportartikelherstellern fiel auf, dass sich die Namen online mit einer Sozialinitiative schmückten, deren Mitglieder sie gar nicht sind. Die betreffende Initiative verlangte schließlich, den Verweis zu entfernen. Den Unternehmen war mit ihrem Täuschungsversuch vor allem eines sicher: schlechte PR.

Lesen Sie morgen auf news.de, wie eine Expertin den deutschen Markt in puncto Nachhaltigkeit bewertet.

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zij/kru/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Sven Forbis
  • Kommentar 1
  • 06.12.2012 17:16

Wenn ich nachhaltig einkaufen wollte, müsste ich den Konsum, von dem die Gesellschaft lebt einstellen.

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