Finanzkrise Griechenland und keine Ende in Sicht

Dringend brauchen die Helenen die Notkredite der Eurogruppe. Doch die kann sich nicht auf die Finanzierung einigen. Nur eines ist sicher: Die Griechen werden künftig noch schärfer überwacht, wenn es um die Umsetzung von Reformen geht.

Chronologie: Der Verlauf der griechischen Schuldenkrise

Harter Rückschlag für Athen: Obwohl die Griechen alle Sparauflagen erfüllen, hat sich die Eurogruppe noch nicht auf die Freigabe von gut 44 Milliarden Euro an zugesagten Notkrediten einigen können. Wie schon in der Vorwoche wurden die Verhandlungen am frühen Mittwochmorgen ohne Ergebnis abgebrochen und auf Montag vertagt. Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen konnten sich nicht darauf verständigen, wie die Finanzierungslücke von 32,6 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016 geschlossen werden kann.

Eine Reihe von Optionen sei «intensiv diskutiert» worden, sagte Schäuble in der ARD. Aber da die Fragen so kompliziert seien, «haben wir keine abschließende Lösung». Als einziges konkretes Ergebnis nannte er die Einigung auf eine verschärfte Aufsicht für die Hellenen. «Wir haben einen Kontrollmechanismus», sagte er. Damit sei klar, dass die Reformen weiter umgesetzt würden.

In einer Erklärung von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker heißt es verklausuliert, es seien «Fortschritte über ein einheitliches Paket an glaubwürdigen Initiativen» erzielt worden. Diese sollten «substanziell» zur Schuldentragfähigkeit beitragen. Was das die Euroländer kostet, blieb offen. Vor einer Einigung seien noch «technische Arbeiten» notwendig.

Auf der Pressekonferenz gab sich Juncker zwar optimistisch und sagte: «Wir stehen kurz vor einem Ergebnis. Wir sehen keinen großen Hemmschuh.» Doch hat sich die öffentliche Zuversicht des Luxemburgers schon mehrmals als verfrüht erwiesen. So war er mit der Ansage in das Treffen gegangen, es gebe gute Chancen für eine «endgültige, einvernehmliche Lösung».

IWF beharrt auf Schuldenerlass

Dass diese nun weiter aussteht, machte Christine Lagarde deutlich, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). «Wir haben unsere Positionen angenähert», beschied sie kühl. In der Vorwoche war es zwischen Lagarde und Juncker zum Streit auf offener Bühne gekommen, weil der IWF einen Schuldenerlass der Euroländer forderte, damit das Land bis 2020 seine Gesamtverschuldung von 170 Prozent der Wirtschaftskraft auf als tragbar geltende 120 Prozent senken kann. Die Euroländer wollen dafür Zeit bis 2022. Denn um den früheren Zeitpunkt zu erreichen, müssten sie den Griechen Schulden erlassen.

Dabei muss in diesem Punkt dringend Einigkeit erzielt werden, damit Athen die angelaufenen Hilfsgelder von 44,6 Milliarden Euro erhalten kann, um dem Staatsbankrott zu entgehen. Eigentlich sollte bis zum Mittwoch dafür eine Grundsatzvereinbarung getroffen werden, damit sich die nationalen Parlamente damit befassen können und den Weg zum formellen Beschluss ebenen. Das nächste Eurogruppen-Treffen am Montag ist die allerletzte Chance, das grüne Licht noch in der kommenden Woche zu erreichen, damit das Geld Anfang Dezember überwiesen werden kann.

Das vorläufige Scheitern der Verhandlungen ist ein weiterer Tiefschlag für die Euro-Krisenmanager. In der Nacht zum Dienstag hatte Frankreich auch von der Ratingagentur Moody's die höchste Bonitätsnote AAA aberkannt bekommen. Der Kreis der Triple-A-Länder unter den 17 Eurostaaten ist damit auf Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg zusammengeschrumpft. Und ab Donnerstag schachern Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre 26 EU-Kollegen auf dem Gipfel über das Gemeinschaftsbudget für die Jahre 2014 bis 2020. Auch diese Verhandlungen drohen vor die Wand gefahren zu werden.

ham/news.de/dapd

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Leserkommentare (16) Jetzt Artikel kommentieren
  • Paul Herchenbach
  • Kommentar 16
  • 23.11.2012 16:39
Antwort auf Kommentar 14

Seit wann ist Griechenland denn ein geschundenes Land ? Und wenn"ja", wer hat es denn geschunden??? Sind Sie wirklich so DUMM oder tun Sie nur so ?? Schauen Sie sich mal die Bilder im Fernsehen an . Die Strassen sind voll gut gekleideter Menschen aber niemand davon will überhaupt arbeiten !!!

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  • werneryx
  • Kommentar 15
  • 22.11.2012 22:16

Rein formell haben wir ein EUUUUROOOPAAAA. Naja keiner von diesen Kommentatore versteht etwas von Politik oder Geld. Sie verstehen auch schon garnichts was Hunger und Elend bedeutet. Das kann nur der verstehen der sowas mal am eigenen Leibe erlebt hat, der Bombennächte, Beschuß und Flucht Russen-oder Naziterror selbst erlebt hat. Wir können nur von unserer Hände Arbeit leben. Nun warum können das nicht auch die Griechen, gebt denen Arbeit u. erst dann wieder Geld wenn sie sich durch neue Erfolge eine bessere Position geschaffen haben. Unsere Unternehmer sind jetzt dran sich dort einzubringen.

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  • Hans de Lazzer
  • Kommentar 14
  • 22.11.2012 20:59
Antwort auf Kommentar 11

Deutschlands Geiz wird zum Verhängnis der Griechen. Aber auch Europa selbst geht futsch an der Kaltherzigkeit der Deutschen. Jeden Tag sagt ein Politiker in Deutschland, dass wir das reichste Land der Erde sind. Wir sind Exportweltmeister. Die besten wirtschaftlichen Ergebnisse hat Deutschland. Und dieses Volk verweigert sich in der Stunde der Not der Griechen. Wir baden in goldenen Wannen und die Griechen gehen drauf. Die Solidarität mit dem geschundenen Volk kann nicht weit genug gehen, auch wenn die Politiker in GR Fehler gemacht haben sollten. Diese Fehler hätten verhindert werden müssen!

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