Im Vergleich zu Männern Weibliche Chefs verdienen 30 Prozent weniger

Es gibt nur wenige Frauen in Führungspositionen und die werden dann auch noch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Wie das Statistische Bundesamt bekanntgab, verdienen weibliche Chefs bis zu einem Drittel weniger. Insgesamt erhielten Frauen 2010 22 Prozent weniger Lohn als Männer.

Frauenpower: Wie Frauen im Job ticken

Gute Ausbildung und steigende Erfahrung schützen Frauen nicht vor geringerer Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Das geht aus einer am Donnerstag vorgestellten Auswertung des Statistischen Bundesamts hervor. So lagen im Jahr 2010 die Verdienste weiblicher Führungskräfte 30 Prozent unter dem Männerwert. Der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde lag bei 27,64 Euro bei Frauen, während männliche Führungskräfte für die gleiche Arbeit 39,50 Euro in der Stunde mit nach Hause nehmen konnten. Dies geht aus der Verdienststrukturerhebung 2010 des Bundesamtes hervor.

Ähnlich sieht die Lücke bei Technikern (30 Prozent) und allgemein bei Akademikern (28 Prozent) aus. Im Schnitt über alle Beschäftigtengruppen verdienten Frauen 22 Prozent weniger als Männer. Der Unterschied im Durchschnittsverdienst, auch Gender Pay Gap genannt, hat sich somit seit der letzten Erhebung 2006 nur geringfügig um einen Prozentpunkt verbessert. Bei vergleichbarer Tätigkeit und Ausbildung reduziert sich der Unterschied allerdings auf rund 8 Prozent, wie aus der vorhergehenden Erhebung zur Verdienststruktur im Jahr 2006 hervorging. Für 2010 liegt dieser «bereinigte Gender Pay Gap» noch nicht vor, wie ein Sprecher der Behörde berichtete.

Gehälter: Wer verdient wie viel

Wesentliche Gründe für die allgemeinen Einkommensunterschiede sind schlechtere Einkommensmöglichkeiten in frauendominierten Branchen sowie die häufigere Teilzeittätigkeit der Frauen. In Führungspositionen könnten sich Erwerbspausen etwa zur Kindererziehung stärker auswirken. Zudem wird diskutiert, ob Frauen bei außertariflichen Gehältern möglicherweise nicht hart genug verhandeln. Die Zahlen zu den Verdiensten stammen aus einer umfangreichen Befragung von 1,9 Millionen Beschäftigten in 32.000 Betrieben. Der öffentliche Dienst wird aus Gründen der EU-weiten Vergleichbarkeit nicht berücksichtigt.

In männerdominierten Berufen ist Gap am größten

Weder gute Bildung noch steigendes Lebensalter schützen die Frauen vor den Unterschieden. Im Gegenteil: Mit einem hohen Bildungsabschluss müssen Frauen mit 27 Prozent geringeren Einkommen rechnen, im Alter zwischen 55 und 64 Jahren ist die Differenz mit 28 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich groß. Am geringsten war der Verdienstunterschied mit 4 Prozent zwischen weiblichen und männlichen Bürokräften. Im Alter bis 24 Jahren beträgt der Unterschied über alle Berufe nur 2 Prozent.

Ganz an der Spitze wiederum ist offenbar genug für alle da: Nach einer Untersuchung der Beratungsfirma HKP wird in den Vorständen der Dax-Konzerne die Bezahlung nicht nach Frau oder Mann differenziert. So kamen die wenigen Frauen in den Vorständen auf vergleichbare Entgelte wie ihre Kollegen. An der Spitze standen 2011 die beiden Siemens-Managerinnen Barbara Kux und Brigitte Ederer, die für ihre Arbeit insgesamt 3,91 beziehungsweise 3,80 Millionen Euro bekamen.

«Überall da, wo vorwiegend Männer arbeiten, ist der Verdienstunterschied besonders hoch. Das gilt auch für Führungspositionen, die nach wie vor eine Männerdomäne darstellen», kritisierte Henrike von Platen, Präsidentin des Verbandes Business and Professional Women. Sie verlangte eine geschlechtergerechte Quote für Frauen in Führungspositionen und eine Aufwertung frauendominierter Berufe.

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zij/news.de/dapd/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 1
  • 04.10.2012 17:18

Wer weniger leistet oder wessen Ansehen als Entscheider nicht hoch genug eingewertet wird, darf sich nicht wundern, wenn er weniger verdient. Im Übrigen ist die Diskussion überflüssig, das Chef oder Chefin nach heutiger Meinung viel zu wenig verdienen. Auch sind Personen, die nicht Chef sind, nicht zu befragen, was Chefs verdienen müssen, um über die Runden zu kommen.

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