Deutschland Die Gewinner der Eurokrise

Ängste-Studie 2012
Die Angstmacher der Deutschen

Von Claus-Peter Tiemann
Die Krise macht sich auch im Portemonnaie der Deutschen bemerkbar. Doch nicht bei allen Bürgern schrumpft das Budget: Einige profitieren auch. News.de kennt Gewinner und Verlierer der Krise.

Die Weichenstellung zur Rettung des Euros geht voran: Nachdem die EZB den Weg für unbegrenzte Ankäufe von Anleihen der Krisenländer freigemacht hat, entscheidet kommende Woche das Bundesverfassungsgericht über die Gesetzmäßigkeit des Rettungsschirms ESM. Auch wenn Deutschland bisher vergleichsweise wenig in Mitleidenschaft gezogen wurde, erreicht die Krise im Alltag die Geldbeutel der Bürger - allerdings nicht immer zum Nachteil. Eine Übersicht über Gewinner und Verlierer der Eurokrise bei den einfachen Bürgern:

Gewinner:

1. Immobilienbesitzer

Häuser und Wohnungen sind seit Ausbruch der Finanzkrise enorm im Wert gestiegen. Beispiel: Für 50 Jahre alte 100-Quadratmeter-Einfamilienhäuser im unscheinbaren Stadtteil Hamburg-Niendorf werden 450.000 Euro verlangt, unrenoviert. «Es gibt Kunden, die wollen auf Teufel komm raus kaufen», stellte das bundesweit tätige Maklerunternehmen Engel und Völkers schon vor einem Jahr fest.

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kletterten die Immobilienpreise etwa in Großstädten in der Tat kräftig: In Berlin wurden Eigentumswohnungen in acht Jahren 39 Prozent teurer, in Hamburg 31 Prozent, in München 23 Prozent. Als ein Hauptgrund gilt die Flucht der Anleger aus Angst vor dem Euro-Ende ins «Betongold», wie Immobilien auch genannt werden.

2. Schuldner

Die Zinsen liegen historisch niedrig: Für fünf Jahre Bindung bietet der Makler Dr. Klein Effektivzinsen unter zwei Prozent an. Wer etwa vor zehn Jahren ein Haus gekauft hat, profitiert doppelt: Die Immobilie steigt im Wert, die Finanzierung wird billiger. Autokredite bietet ING-Diba für nur 4,95 Prozent, die Targobank hat Konsumentenkredite für 4,29 Prozent im Angebot.

3. Arbeiter deutscher Autokonzerne

Die deutsche Vorzeigebranche Autobau drückt zurzeit die europäische Konkurrenz an die Wand: Fiat bekommt nur noch Luft, weil die US-Tochter Chrysler Entlastung bringt. PSA Peugeot Citroen muss schon das Firmenhochhaus verkaufen und eine Fabrik schließen, Renault wäre ohne die Schwestermarke Nissan wohl tief in den roten Zahlen.

Dagegen geht es VW, Mercedes, Audi, BMW und Porsche gut: Ihre Wagen werden weltweit nachgefragt: BMW will 3.000 Leiharbeiter übernehmen, die Absätze aller einheimischen Konzerne sind auf Rekordhöhe. Vor allem die Schwäche der südeuropäischen Märkte belastet die Krisen-Hersteller. Die Gewichte der europäischen Autoindustrie verschieben sich gerade dauerhaft zugunsten der Deutschen.

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 6
  • 11.09.2012 12:16

Ich kann das Gerede von Lösung der Krise nicht mehr hören!!! Eine sog. Lösung ist nicht möglich Es gibt nur die Wahl zwischen Pest und Colera. Dann lieber Colera, da wir dann wissen was zu tun ist, was wir verlieren oder zu zahlen ist. Im Falle Pest werden Lösungen nur vorgegaukelt aber nicht gelöst. Im Gegenteil, wir müssen dann zahlen für ewig an andre und für diese noch unendlich haften. Ihr habts nicht anders gewollt und diese Politversager seit Jahrzehnten in Ämter gewählt. Fakt ist: Deren Pensionen sind davon nicht betroffen und können prima mit den irrsinnigen Schulden weiterleben.

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  • hector
  • Kommentar 5
  • 10.09.2012 11:15

Die Gewinner sind die Reichen, das internationale Großkapital, diese sind die Gläubiger von Staaten. Dass es den dt. Autobauern so prächtig geht liegt vor allem an den Chinesen, die in großer Zahl reicher werden und sich gerne dt. Luxuslimousinen leisten. Natürlich haben die auch goße Familien und sind nicht alle Single wie bei uns. Die Reichen werfen so viel Geld auf den Markt, dass die Zinsen negativ tendieren, trotzdem will das Geld keiner nehmen, weil jeder fürchtet die Zukunft, dass er es nicht zurückzahlen könnte und die Reichen ihm dann Haus und Hof nehmen könnten, also noch reicher werden, und er der arme Schuldner ein noch ärmeres Schwein.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 4
  • 09.09.2012 19:59

Erstaunliche Krisengewinnler. Dass das nicht zusammen passt, ist doch wohl klar. Der Wert von Immobilien besteht bei null, wenn sie keinen Preis hat. Und wer zahlt den Mietpreis für eine 50 Jahre alte unrenovierte Wohnung? Das müsste man mal diesem Gabriel sagen, statt dubioser Angebote der Rente, Kauf von Altbauwohnungen. Kann er ja dann finanzieren mit dem Kredit des Maklers. Genauso wenig brauchbar ist die Neuordnung nach K 1. Golddeckung der Währung? Aber wer soll umdenken? Frau Merkel oder Trittin oder ein Sparkassendirektor. Besser doch Draghi, der Abgesandte von Goldman Sachs!

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