Ikea-Pläne Was kostet die Welt?

Der Strand East Tower im Londoner Stadtteil Stratford. (Foto)
Der Strand East Tower im Londoner Stadtteil Stratford. Bild: dpa

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
In dieser Woche sorgte der schwedische Möbelkonzern Ikea mit einem angeblichen Stadtbauvorhaben in Hamburg für Aufregung. Auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt, hat Ikea in Zukunft Großes vor. News.de wirft einen Blick auf die Projekte des Möbelriesen.

«Entdecke die Möglichkeiten» lautet einer der Werbeslogans von Ikea. Und den scheint das bekannte schwedische Möbelhaus selbst ziemlich ernst zu nehmen. Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, ist jedenfalls nicht die Art des Konzerns. Trotz eines Rekordgewinns von 2,97 Milliarden Euro in den Jahren 2010/2011 will er sein Kerngeschäft ausbauen und erweitern. Neben neuen Möbelhäusern in Deutschland, Europa, China und Südkorea sollen Hotels und sogar ganze Stadtviertel im Ikea-Stil entstehen.

Plan A: Städtebau in London und Hamburg

In der britischen Hauptstadt London wird der Bebauungsplan von der Ikea-Schwester Inter Ikea schon in die Tat umgesetzt. Nahe des Olympiaparks im Stadtteil Stratford ragt eine etwa vierzig Meter hohe Holz- und Stahl-Konstruktion aus dem Boden. Sie ist das Wahrzeichen der Mini-Stadt Strand East, die hier in den nächsten fünf bis sechs Jahren ausgebaut werden soll. Geplant sind rund 1200 Wohnungen, Büro- und Gewerberäume sowie Hotels. Hochhäuser und Luxuswohnungen soll es aber nicht geben, schließlich baue man für die Mittelklasse, heißt es.

Ikea-Bau in London
The Making of Strand East Tower
Video: YouTube

In Hamburg oder einer vergleichbaren deutschen Großstadt sei Ähnliches geplant, berichtete jüngst das Hamburger Abendblatt und zitierte Harald Müller, Manager bei der Ikea-Immobilien-Tochter Landprop. Zwar wiegelte ein Sprecher von Inter Ikea kurz darauf ab: Konkret gäbe es für Hamburg derzeit kein Projekt. Dahingehende Überlegungen schloss er für die Zukunft aber nicht aus. Das finanzielle Polster hat Inter Ikea allemal. Erst kürzlich erwarb die Tochterfirma die Markenrechte an Ikea für neun Milliarden Euro, damit sind ihr künftig millionenschwere Erlöse aus Lizenzgebühren sicher.

Plan B: Eigene Hotelkette in Europa

Weil sich die Menschen nicht nur zu Hause, sondern auch auch Urlaub und auf Reisen gut betten sollen, will Ikea in den Hotelmarkt vordringen. Um Niedrigpreis-Hotels in europäischen Metropolen bauen zu können, suchen Scouts des Möbelriesen bereits nach geeigneten Flächen in Stadtnähe. Bei den Hotels selbst setzt Ikea auf Einfachheit: kein Schnickschnack, sondern Bett und Waschgelegenheit. Allerdings sollen die Zimmer nicht mit Ikea-Möbeln eingerichtet sein - nicht robust genug, so die Erklärung.

Für Deutschland ist die Fertigstellung der ersten Objekte für 2013 avisiert. Der erste Standort soll in Kürze bekanntgegeben werden. Europaweit sind laut Inter Ikea 100 Häuser geplant. Wie die Hotelkette, die künftig mit Namen wie Motel One konkurrieren wird, heißen soll, ist noch nicht bekannt. Nur eines steht fest: Einen Bezug soll Ikea soll der Name nicht haben.

Ikea
Entdecke die Manipulationen
Alles gelogen? Möbelkönig Ingvar Kamprad ist zwar reichster Bewohner der Schweiz, hält aber das Bild (Foto) Zur Fotostrecke

Plan C: Studentenwohnheime in großen Unistädten

Analog zu Hotels will der Konzern in bekannten deutschen Universitätsstädten Studentenwohnungen hochziehen. 17 Quadratmeter für 370 Euro Kaltmiete im Monat lautet die Zielvorgabe. Spartanisch, aber schön eingerichtet sollen die Appartments nahe dem Campus entstehen und nach einem gewissen Zeitraum an die Universitäten zur weiteren Bewirtschaftung übergeben werden. Pro Wohnheimkomplex werden 500 bis 700 Wohnungen veranschlagt. Auch Gemeinschaftsräume wie Kneipen und Fitnessclubs sollen integriert werden.

Wie ernst die Pläne Ikeas sind, all das aus dem Boden zu stampfen, zeigen die Innovationen der vergangenen Jahre. Stadteile, Hotels, Studentenbuden sind nur deren logische Weiterentwicklung. So brachte das Unternehmen Mitte 2012 Fernsehmöbel samt Fernseher auf den Markt und probte damit den Einstieg in die Unterhaltungselektronik. Auch Fertighäuser der Eigenmarke Bolok wollte Ikea schon unters deutsche Volks bringen. Das floppte hierzulande aber. Dafür sind die Kastenhäuser in Skandinavien der Renner.

Zudem investiert der Möbelkonzern neben neuen eigenen Filialen fleißig in Einkaufszentren weltweit, baut oder betreibt diese etwa in Russland, Frankreich und Spanien. Ein Geschäft, das sich offenbar lohnt, denn in Lübeck soll 2013 das erste deutsche «Skandinavien-Center» unter Ikeas Schirmherrschaft eröffnen. 120 Millionen Euro sollen in den Bau geflossen sein. Künftig können wir also nicht nur in Ikea-Möbeln wohnen, sondern auch in Ikea-Hotels oder gar Ikea-Ministädten. Und wir können unserer Kauflust in Ikea-Malls frönen. Bei diesen Aussichten bekommt die Leitfrage «Wohnst du noch oder lebst du schon?» eine völlig neue Tragweite.

kls/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Rettungsfuzzy
  • Kommentar 1
  • 26.08.2012 13:35

Allerdings sollen die Zimmer nicht mit Ikea-Möbeln eingerichtet sein - nicht robust genug, so die Erklärung. So so... Das sagt ja wohl alles! Ich weiß, warum ich mir keinen IKEA-Schrott ins Haus hole. Schon alleine deren Geschäfts-Prinzip, alles und jeden zu dutzen und jede Sache mit ein paar Begriffen aus Schweden und ansonsten mit Fantasie-Namen zu benennen , finde ich absurd und entfremdend..

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig