Drogerie zu Dorfladen Schlecker-Frauen werden selbstständig

Margit Wilhelm ist Vorreiterin für selbstständige Schlecker-Frauen. Sie will die Schlecker-Filiale im thüringischen Sonneberg in Eigenregie weiterführen. (Foto)
Margit Wilhelm ist Vorreiterin für selbstständige Schlecker-Frauen. Sie will die Schlecker-Filiale im thüringischen Sonneberg in Eigenregie weiterführen. Bild: dapd

Von Matthias Jekosch
Diese Schlecker-Frauen wollen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. In denselben Läden, in denen sie bis vor Kurzem noch für Anton Schlecker geschuftet haben, planen sie nun ein eigenes Geschäft: regionale Produkte im Dorfladen.

Dorfladen statt Drogerie: Etwa 35 ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen wollen einige Läden in einem Genossenschaftsmodell weiterführen. «Wir haben in Baden-Württemberg eine ganze Reihe von Standorten identifiziert, die für eine Fortführung infrage kommen», sagte der ver.di-Landesfachbereichsleiter Handel, Bernhard Franke. Schon in den nächsten Wochen soll es mit den ersten fünf Läden losgehen.

«Es muss relativ schnell gehen, weil sich die Kundenströme ändern können, wenn die Filialen über viele Monate leer stehen», sagte Franke. Zudem sollten die Frauen so schnell wie möglich wieder in Lohn und Brot kommen.

Infrage kämen zum einen Filialen, die unter dem Namen Schlecker einen hohen Umsatz hatten. «Alleine in Baden-Württemberg gibt es über 100 Standorte, die einen Jahresumsatz von über 500.000 Euro gemacht haben», sagte Franke. Die zweite Möglichkeit seien kleinere Standorte, die Dorfladencharakter haben und eine Stellung als Alleinversorger im ländlichen Raum einnehmen sollen.

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Regionale Läden statt ramschiger Drogerien

Am genauen Konzept werde noch gearbeitet. Es gehe aber vom klassischen Drogeriemarktkonzept weg und eher Richtung Mini-Supermärkte. Unterstützung haben sich ver.di und die Frauen dabei von Unternehmensberater Wolfgang Gröll geholt, der auf Dorfläden spezialisiert ist. Den Stuttgarter Nachrichten sagte Gröll über seine Vorstellungen vom Angebot, man müsse sich das wie ein menschliches Skelett vorstellen. «Alle Menschen tragen zwar das gleiche Knochengerüst in sich und trotzdem sieht jeder Mensch anders aus.» Das heiße, dass jeder Dorfladen Produkte anbieten werde, die vor Ort gebraucht werden und zum Teil aus der Region kommen.

Ver.di, die evangelische Betriebsseelsorge und die Linke unterstützen die Frauen finanziell und übernehmen die Kosten für die Standortanalysen, die alleine jeweils 3000 Euro kosteten. Ein durchschnittlicher Laden brauche zudem Ware im Wert von 50.000 Euro, sagte Franke.

Bürgermeister würde Ladenmiete übernehmen

Unterstützung erhofft er sich auch vom Land. «Wir wollen auf das Wirtschaftsministerium zugehen und um Unterstützung bitten», kündigte er an. Auch einzelne Gemeinden haben schon Hilfe angeboten. «Ich wäre bereit, die Schlecker-Verkäuferinnen für zwei bis drei Jahre bei der Stadt anzustellen», sagte der Bürgermeister von Eppelheim bei Heidelberg, Dieter Mörlein, den Stuttgarter Nachrichten. Notfalls könne er sich sogar vorstellen, vorerst die Ladenmiete für die ehemalige Schlecker-Filiale im Zentrum von Eppelheim zu übernehmen.

Die Drogeriemarktkette mit einstmals über 8000 Filialen meldete im Januar Insolvenz an. Ein Investor ließ sich nicht finden. In der Folge verloren deutschlandweit über 27.000 Beschäftigte, überwiegend Frauen, ihren Job. Bei der Bundesagentur für Arbeit haben sich nach Auskunft eines Sprechers bislang knapp 16.000 ehemalige Beschäftigte arbeitslos gemeldet. 4600 von ihnen seien in einen neuen Job vermittelt worden.

iwi/news.de/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Katrin Büttner
  • Kommentar 2
  • 26.10.2012 13:07
Antwort auf Kommentar 1

Auch ich bin eine von vielen ehemaligen Mitarbeitern. Am 01.12.2012 eröffne ich ein Drogerie- und Lebensmittelladen. Ich würde sehr gerne Kontakt zu meinen Artgenossen aufnehmen. Leider habe ich bisher nur zu einer Kontakt augnehmen können. Wir konnten uns schon gegenseitig helfen, indem wir Lieferanten austaschten. Ich bin mir sicher, wenn wir uns zusammen kontaktieren könnten, wäre es sehr einfach an Firmen zu gelangen. Liebe Angela, ich habe den Ämterdschungel schon hinter mir, ich kann da gerne weiter helfen. Muß sagen alle Ämter waren sehr hilfsbereit.

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  • Angela Hoffmann
  • Kommentar 1
  • 20.09.2012 23:13

Wir sind auch ehemalige VVWs von Schlecker aus Niedersachsen(Kirchgellersen und Scharnebeck)und hätten auch Interesse einen ehemaligen Schleckermarkt als Selbstständige zu übernehmen,aber leider sind die Informationen zu diesen Thema sehr schlecht.Wir würden mehr Infomaterial über den Hergang gebrauchen,damit wir uns an die richtigen Stellen bzw.Ämter wenden könnten.

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