Neckermann-Pleite Alles auf online setzen

Der Versandhandel boomt, zumindest im Internet. Dort liegt die Zukunft der Branche, ein enormes Wachtumspotenzial, aber auch viel Konkurrenz. Klassische Versandunternehmen wie Neckermann haben es da schwer - weil sie es sich allzu oft schwer machen.

Neckermann, Quelle, Otto - drei Bastionen im deutschen Versandhandel, von denen nur noch eine übrig ist. Nach Quelle im Jahr 2009 musste kürzlich auch Neckermann Insolvenz anmelden. Da stellt sich die Frage: Stirbt der Versandhandel aus? Und die Antwort muss lauten: Nein. Wohl aber stirbt der Versandhandel in seiner klassischen Form. Telefonbuchdicke Kataloge, in denen man stundenlang nach den neusten Saisontrends stöberte oder mit der Familie ein Kaffeeservice auswählte, sind ein Auslaufmodell. Schuld daran ist das Internet.

Dort gehen immer mehr Deutsche auf Shoppingtour. Ob bei Amazon, Zalando oder auch im Online-Auktionshaus Ebay - die Möglichkeiten sind unbegrenzt, genaue Preisvergleiche ohne große Umstände möglich. Der nächste Kauf liegt nur einen Klick entfernt. Auch Neckermann hatte das Potenzial des World Wide Web erkannt und sein Angebot komplett auf Onlinehandel umgestellt - allerdings zu spät. Da war der Onlinezug im Versandhandel schon in voller Fahrt, die Konkurrenz heimste bereits Millionenumsätze ein.

Schlecker&Co.: Diese Traditions-Unternehmen sind pleite

Die Voraussetzungen für ein gutes Geschäft im Netz hätte Neckermann allemal mitgebracht: hohe Markenbekanntheit und ein breit aufgestelltes Warensortiment. Dass Online-Kaufhäuser, in denen es praktisch alles gibt, immer noch gut funktionieren, zeigt Marktführer Amazon. Der verdient vor allem wegen eines cleveren Geschäftsmodells: Er fungiert als Vermittlungsplattform für Waren von Zwischenhändlern, spart enorme Logistikkosten und streicht stattdessen Provisionen ein. Auch Neckermann hatte zuletzt verstärkt mit Vertriebspartnern gearbeitet - eine Chance, die das Unternehmen im Insolvenzverfahren nutzen sollte.

Was der einstige Versandriese jetzt braucht, ist ein mutiger Investor, der die bereits eingeschlagene Online-Strategie weiterspinnt. Das heißt: interaktive Seiten statt einfach online gestellte Katalogseiten, attraktive Bewertungs- und Kommentierungsoptionen, cleveres Marketing wie jüngst mit Werbeslogans zur derzeitigen Insolvenz. Trotz dieser ist Neckermann die Nummer drei unter den Versandhändlern in Deutschland, nach Amazon und Otto. Mit diesen Aussichten muss es kein zweites Quelle werden.

ham/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • L.
  • Kommentar 3
  • 10.08.2012 18:32

Wer heute noch Kataloge druckt und verschickt hat leider den Anschluss an die Globalisierung verpasst. Ich frage mich immer, wenn ich online bestelle, warum ich auch noch per Post Angebote erhalte. Heutzutage kann privat übers Internet international einkaufen und fast auf Mausclick die günstigten Preise vergleichen! Neckermann hat ja einen recht guten Onlineshop, darauf sollten sie sich konzentrieren, da das Angebot qualitativ und preislich m.E. stimmt. Hoffentlich packen die es noch. Das wäre mein Wunsch.

Kommentar melden
  • bernd drubel
  • Kommentar 2
  • 09.08.2012 12:57

Alles schön und gut, doch ~ ob man es glaubt oder nicht, es gibt auch ein Leben ohne Internet ... es gibt auch Menschen, die kein Internet haben ... Menschen, die in einen Laden gehen ... insbesondere ältere Menschen - und, aufpassen, weil da geht eine Kunden-Klientel verloren, die sich nur noch den billigen Ramsch-Läden zuwenden kann!!! Natürlich "online-Handel" ist zeitgemäß, aber deswegen nicht jene Menschen vergessen, die mit Internet nix am Hut haben ... und - das sind nicht Wenige!

Kommentar melden
  • Brigitte Schmidt
  • Kommentar 1
  • 09.08.2012 12:41

Ich shoppe gern online, weil ich Zeit sparen und viele Vergleichsmöglichkeiten habe. Ausserdem kann ich zur Zeit krankheitsbedingt das Haus nicht verlassen, daher ist das Online-Shopping eine grosse Hilfe für mich

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig