Milliarden sparen Deutsche Bank kappt fast 2000 Stellen

Vor allem beim Investmentbanking will der deutsche Bankenriese Jobs einsparen. Hier hatte es in den vergangenen Quartalen die größten Verluste gegeben. Und wieder ist die Finanzkrise schuld.

Die Deutsche Bank streicht 1900 Stellen vor allem außerhalb Deutschlands und reagiert damit auf zuletzt schlecht laufende Geschäfte insbesondere im Investmentbanking. Allein in der einstigen Vorzeigesparte sollen 1500 Stellen wegfallen, wie der DaxDer Dax ist der wichtigste deutsche Aktienindex. Er wurde 1988 eingeführt. Seine Entwicklung gibt an, wie sich die Kurse der 30 größten deutschen Börsen-Unternehmen entwickeln. Steigen die Kurse der Unternehmen, dann steigt auch die Punktzahl des Dax. Neben dem Dax gibt es noch andere Indizes (M-Dax, S-Dax, Tec-Dax) für börsennotierte Unternehmen, die nicht so viel Umsatz machen wie die 30 größten. -Konzern am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Wo die übrigen 400 Stellen gestrichen werden, ließ das Management unbeantwortet. Die Deutsche Bank beschäftigt derzeit 100.654 Vollzeitkräfte weltweit.

Insgesamt will das seit Juni von Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen geführte Institut seine Kosten um drei Milliarden Euro drücken. «In der Vergangenheit gab es Skepsis an unserer Fähigkeit zu Einsparungen - aber wir sind überzeugt, dass wir liefern können», sagte Jain. Am 11. September will die neue Führungsspitze Investoren bei einer Konferenz in Frankfurt mit weiteren Details zur künftigen Strategie des Instituts versorgen.

Im zweiten Quartal 2012 hatte das Investmentbanking, in dem die Bank viele Jahre Milliarden mit Fusionsberatung und Anleihengeschäft verdiente, nach einem kurzen Zwischenhoch zu Jahresbeginn wieder ein herben Gewinneinbruch zu verkraften. Das Vorsteuerergebnis sackte um 63 Prozent auf 357 Millionen Euro ab. Ende 2011 war die einstige Ertragsperle des Konzerns sogar tief in die roten Zahlen gerutscht. Bereits Vorgänger Josef Ackermann hatte den Jobabbau eingeleitet, von Herbst an kappte die Bank in der Sparte bereits 500 Stellen.

Mit dem Jobabbau schließt sich die Deutsche Bank dem internationalen Trend an. Weltweit streichen Großbanken zehntausende Stellen vor allem im Investmentbanking. Seit der Finanzkrise sprudeln dort die Gewinne nicht mehr wie einst. Das hängt mit verschärften regulatorischen Anforderungen zusammen, aber auch mit heftigen Schwankungen an den Märkten und der anhaltenden Euro-Schuldenkrise.

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Die größten Geldgeber

873 Mio. in spanische Staatsanleihen investiert

Vergleichsweise stabil blieb das Privatkundengeschäft. Obwohl der Vorsteuergewinn in der um die Postbank gestärkten Sparte im zweiten Quartal um13 Prozentauf 398 Millionen Euro sank, lieferte das Privatkundengeschäft den größten Teil zum Vorsteuergewinn. Vor einer Woche hatte die Deutsche Bank bereits einen Gewinneinbruch für den Drei-Monats-Zeitraum April bis Ende Juni vermeldet: Der Überschuss halbierte sich binnen Jahresfrist fast von insgesamt 1,2 Milliarden auf 650 Millionen Euro. Auch der Vorsteuergewinn brach um 46 Prozent auf 960 Millionen Euro ein.

«Im zweiten Quartal war das Ergebnis der Bank durch das volatile Umfeld beeinflusst», erklärten Jain und Fitschen. «Die europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg.» Im gesamten ersten Halbjahr verdiente die Deutsche Bank unter dem Strich rund 2,0 (3,3) Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn summierte sich in den sechs Monaten auf rund 2,8 (4,8) Milliarden Euro.

Eine Kapitalerhöhung wegen der neuen Anforderungen («Basel III») will der Vorstand weiter vermeiden: «Die Bank beabsichtigt, alle verfügbaren Kapitalhebel zu nutzen, bevor sie in Betracht zieht, bei Investoren Aktienkapital aufzunehmen.» Bis Jahresende soll eine harte KernkapitalquoteDie Kernkapitalquote gibt Aufschluss über die Kapitalstruktur einer Bank. Sie wird berechnet, indem das Kernkapital eines Unternehmens durch die Summe der so genannten Risikoaktiva, also die Kundenkredite, geteilt wird. Hierbei gilt ein Wert von unter sechs Prozent als bedenklich. Internationalen Bilanzvorschriften legen eine Mindestquote von vier Prozent fest. Das bedeutet, dass vier Prozent des Kreditvolumens durch Eigenkapital gedeckt sein müssen. Als stabile Bilanz werden Kernkapitalquoten von sieben Prozent oder mehr angesehen. von 7,2 (Ende Juni: 10,2) Prozent erreicht werden.

Der Abbau von Risiken soll beschleunigt werden: In spanischen StaatsanleihenStaatsanleihen sind eine Form der Geldanlage. Der Käufer einer Anleihe gibt dem Staat einen Kredit, den er nach einer vereinbarten Laufzeit mit Zinsen zurück erhält. Das Ausfallrisiko, d.h. das Risiko, dass der Staat nicht zurückzahlen kann, wird von Ratingagenturen bewertet. etwa hat Bank Ende Juni 873 Millionen Euro investiert. Drei Monate zuvor waren es noch knapp 1,4 Milliarden Euro. Auch die Risikoposition bei spanischen Banken baute das Institut seit Jahresbeginn um rund ein Fünftel auf 4,5 Milliarden Euro ab.

zij/news.de/dpa

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