So., 19.05.13

Marketingstrategie Neckermann wirbt mit eigener Insolvenz

Neckermann.de beweist schwarzen Humor und hat die eigene Insolvenz in sein Marketing integriert. (Foto)
Neckermann.de beweist schwarzen Humor und hat die eigene Insolvenz in sein Marketing integriert. Bild: Screenshot (neckermann.de)

«Insolvent. Na und?» Mit solchen Sprüchen versucht das angeschlagene Versandunternehmen Neckermann noch etwas Profit aus seiner Krise zu schlagen. Während die Übernahmeverhandlungen laufen, geht das Onlinegeschäft mit neuer Marketingstrategie weiter.

Die Übernahmegespräche beim insolventen Versandhändler Neckermann laufen noch. In der Zwischenzeit muss das Geschäft irgendwie weitergehen. Und da macht sich Neckermann die eigene Krise zunutze: Mit Slogans wie «Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt» oder «Insolvent. Na und? Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware» wirbt das Unternehmen auf seiner Website für aktuelle Angebote.

Erst seit 26. Juli kann es wieder liefern. Denn DHL hatte die Arbeit für den Versandhändler nach der Insolvenz eingestellt. Auf dem Firmengelände im Frankfurter Osten stapelten sich daraufhin die versandfertigen Pakete und Päckchen. «Nach intensiven Verhandlungen mit Hauptgläubigern, der Bundesagentur für Arbeit und den Lieferanten sind der Betrieb und der Ein- und Verkauf der Waren vorerst gesichert», teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege am vergangenen Donnerstag in Frankfurt mit.

Der entstandene Auslieferungsstau werde in den kommenden Tagen abgearbeitet. Lohn und Gehalt der Mitarbeiter würden über das Insolvenzausfallgeld vorfinanziert. Auch ein Sprecher der Deutschen-Post-Tochter DHL bestätigte, dass Neckermann-Päckchen wieder ausgeliefert würden.

Schlecker&Co.
Diese Traditions-Unternehmen sind pleite

Insolvenzverwalter gibt sich optimistisch

Das Hoffen bei den Neckermann-Beschäftigten geht derweil weiter. Nach Angaben des Managements haben sich bereits erste Interessenten für den zahlungsunfähigen Versandhändler gemeldet. Nach dem ersten Treffen mit den vorläufigen Insolvenzverwaltern zeigten sich auch Arbeitnehmervertreter optimistisch. Die erfolgreiche Suche nach einem Investor sei eines der wichtigsten Ziele für den Erhalt des Unternehmens, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege in einer Mitteilung. «Diesen Prozess treiben wir aktiv voran.»

Die jüngsten Entwicklungen bei Neckermann haben der Wirtschaftswoche zufolge auch die Neckermann-Familie überrascht. Die «Nachricht schockt mich», teilte Johannes Neckermann, Sohn des 1992 verstorbenen Unternehmensgründers Josef Neckermann, dem Blatt mit. «Wir wussten zwar, dass die Situation bei Neckermann kritisch ist, mit einer Aufgabe habe ich aber ganz und gar nicht gerechnet», erklärte Neckermann, der in den 1970er-Jahren in der Geschäftsführung des Versandhauses tätig war.

In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob es bei dem zahlungsunfähigen Versandhändler weitergeht und wie eine Sanierung ablaufen könnte. Einzelne Unternehmensbereiche wie der Möbelverkauf oder der Vertrieb von Technikprodukten gelten noch immer als profitabel. Die Neckermann.de GmbH hatte einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Eigentümer Sun Capital den Geldhahn zugedreht hatte. In Deutschland stehen nach letzten Angaben des Unternehmens etwa 2250 Jobs an den Standorten Frankfurt und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.

zij/news.de/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Pazifiko
  • Kommentar 3
  • 05.08.2012 21:17
 Antwort auf Kommentar 2

Und wenn schon? Sollte es wirklich so kommen, dann müssen alle eben wieder bei Null anfangen. Aber nicht ohne Korrekturen am System.

Kommentar melden
  • Michel1966
  • Kommentar 2
  • 01.08.2012 23:45
 Antwort auf Kommentar 1

Die Hälfte der EU?? Wie geht das denn? --- Wenn, dann die GANZE EU - also ALLE. Und bete lieber, dass es nicht soweit kommt.

Kommentar melden
  • Pazifiko
  • Kommentar 1
  • 30.07.2012 21:07
 

Ist Ihnen denn noch nicht aufgefallen, dass womöglich gut die Hälfte der EU bald insolvent sein könnte, davon vor allem der südlichere Teil?

Kommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Eingabe-Feld.
CAPTCHA Image Neuladen
Anzeige
Wir empfehlen
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige