Abzocke Politik will überhöhte Dispozinsen stoppen

Bloß nicht ins Minus rutschen: Wer sein Girokonto überzieht, muss oft sehr hohe Dispozinsen zahlen. (Foto)
Bloß nicht ins Minus rutschen: Wer sein Girokonto überzieht, muss oft sehr hohe Dispozinsen zahlen. Bild: dpa/Angelika Warmuth

Von Vera Fröhlich und Thomas Rietig
Bis zu 14 Prozent müssen Bankkunden zahlen, wenn sie ihren Dispo beanspruchen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und andere Politiker halten das für Abzocke. Einige wollen den Kreditinstituten mit einer Zinsobergrenze einen Riegel vorschieben.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat Banken und Sparkassen zur Senkung der Zinsen auf Dispokredite aufgefordert. Sie legte am Donnerstag in Berlin eine Studie vor, derzufolge die Kreditinstitute teils weit überhöhte Zinsen verlangen, anstatt ihre sinkenden Refinanzierungskosten an die Kunden weiterzugeben. Die SPD machte sich für eine gesetzliche Zinsobergrenze stark. Im Bundesrat will Baden-Württemberg eine solche Initiative starten.

Aigner kündigte für den Herbst ein Spitzengespräch an. «Wollen die Banken den Kredit bei ihren Kunden nicht verspielen, müssen sie runter von überhöhten Dispozinsen.» Laut Studie könnten die Geldhäuser schon mit Zinssätzen von zehn Prozent «profitabel arbeiten». Verlangt würden derzeit aber mehr als 14 Prozent. Die Banken sollten für «faire Konditionen und volle Transparenz» sorgen, verlangte sie. Es sei nicht vermittelbar, dass die Institute sich zu historisch niedrigen Zinsen Geld besorgen könnten, bei ihren Kunden aber zum Teil heftig zulangten, sagte die Ministerin.

Jeder Vierte hat dieses Jahr schon überzogen

80 Prozent der Bürger empfinden nach einer ebenfalls von Aigner in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage (vom 13. bis 16. Juli unter 1001 Befragten) das durchschnittliche Dispozinsniveau als unangemessen. Etwa jeder vierte Verbraucher hat in diesem Jahr schon sein Girokonto überzogen. Jeder Dritte fühlt sich von seiner Bank über die Dispozinsen nicht gut informiert. Der Forsa-Umfrage zufolge kennt nicht einmal jeder zweite Bankkunde die Höhe seines persönlichen Dispozinses.

Nach der vom Ministerium beauftragten Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung verfügen über 80 Prozent der Haushalte in Deutschland über einen Dispokredit-Rahmen. Jeder sechste Haushalt nimmt diesen regelmäßig in Anspruch. Nach früheren Untersuchungen der Stiftung Warentest schwanken die Dispozinsen bei Banken und Sparkassen in Deutschland zwischen 6 und 14,75 Prozent, der Durchschnitt liegt bei 11 bis 12 Prozent.

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Wofür verwenden Deutsche Kredite?

Die Autoren der Studie ziehen die Begründungen der Geldhäuser für die hohen Zinsen in Zweifel: Weder habe sich der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand in den vergangenen Jahren erhöht, noch seien die Ausfallquoten mit im Schnitt höchstens 0,3 Prozent auffallend hoch. Es liege nahe, dass die Erträge «zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet werden».

Gabriel: Banken betreiben «Abzocke»

Die SPD will den Banken per Gesetz eine Zinsobergrenze für Dispokredite auferlegen. Parteichef Sigmar Gabriel sagte der Bild-Zeitung: «Die Banken können sich für ein Prozent Zinsen Geld bei der Europäischen Zentralbank besorgen. Aber die Kunden in Deutschland müssen für ihren Dispo-Kredit im Durchschnitt über zehn Prozent zahlen. Das ist Abzocke.»

Das grün-rot regierte Baden-Württemberg kündigte eine Bundesratsinitiative an. Finanzminister Nils Schmid (SPD) sagte im selben Blatt, gemeinsam mit Landesverbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) werde er ein «Gesetz für eine Zinsobergrenze für Dispokredite auf den Weg bringen». Der saarländische Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine sprach von «Wucherzinsen» und forderte seinerseits ein Gesetz, nach dem der Jahreszinssatz für Überziehungskredite höchstens fünf Prozentpunkte über dem Basiszins der EZB liegen darf.

Zu den Gesetzesinitativen äußerte sich Aigner kritisch: «Eine gesetzliche Obergrenze hätte das Risiko, dass es unterm Strich für alle Kunden teurer wird - weil auch bisher günstige Banken die Obergrenze voll ausschöpfen würden und sich teure Banken das entgangene Geld über Gebührenerhöhungen wieder hereinholen.»

zij/news.de/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 01.09.2012 14:13

Mit den Dispozinsen ist es wie mit den Benzinpreisen. Sinken sie, brechen dem Staat Steuereinnahmen weg. Und die Bilanzen der Banken können nicht mehr schöngefärbt werden. Dann dürfte noch viel deutlicher als bislang bekannt werden, was uns der Politikerpfusch wirklich kostet. Und Bänker als Steigbügelhalter der Politiker waren noch nie Bürger mit besonderen sozialen Eigenschaften und Werten. Somit ist das, was hier verkündet wird, mal wieder nichts anderes als dummes Geschwätz gelernter Volksbetrüger zur arglistigen Täuschung ihrer für dumm verkauften Wahlesel. Besser sparen und kein Dispo!

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  • Pazifiko
  • Kommentar 1
  • 22.07.2012 17:44

Sehr richtig, denn es ist höchste Zeit, dass hier etwas geschieht! Die Schmarotzerei der Banken am Volk muss ein Ende haben!

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