Nach Insolvenz Schlecker-Gründer im Visier der Justiz

Schlecker-Misere
Ein Weg voller Missverständnisse

Nach dem Bankrott kommt es für den Firmengründer Anton Schlecker und 13 weitere Personen noch einmal ganz dicke. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Untreue und Insolvenzverschleppung. Hausdurchsuchungen laufen bereits.

Nach der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Mittwoch Wohnungen und Geschäftsräume in mehreren Bundesländern durchsucht. Ermittelt werde gegen 14 Personen wegen des Verdachts des Bankrotts, der Untreue und der Insolvenzverschleppung im Zusammenhang mit der Insolvenz der Schlecker-Gruppe, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Rund 160 Ermittler waren im Einsatz, die seit dem Morgen 18 Wohnungen und 4 Geschäftsräume im ganzen Bundesgebiet durchsuchen. Unter den Beschludigten, gegen die das Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, ist auch Firmengründer Anton Schlecker. «In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt», sagte Staatsanwältin Claudia Krauth.

Schlecker&Co.
Diese Traditions-Unternehmen sind pleite

Durchsucht wurden drei Firmenräume in Baden-Württemberg und ein Geschäftsraum in der Region Osnabrück. Die durchsuchten Wohnungen liegen nach den Angaben vor allem im Südwesten, zudem wurden private Wohnräume in Berlin, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen durchsucht. Bis zum Mittag stellten die Ermittler umfangreiche Unterlagen und Dateien sicher. Die Durchsuchungen sollen aber den ganzen Tag dauern.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte, man sei über die Ermittlungen informiert und unterstütze sie. Unmittelbare Auswirkungen für den weiteren Verlauf des Verfahrens gebe es jedoch vorerst nicht.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könne Anton Schlecker als Einzelperson in der von ihm gewählten Rechtsform eingetragener Kaufmann nicht wegen einer Insolvenzverschleppung belangt werden. Das gelte aber nicht für die Töchter IhrPlatz GmbH & Co. KG und die Schlecker XL GmbH. Außerdem griffen bei Anton Schlecker - sollte er sich tatsächlich schuldig gemacht haben - die Straftatbestände Bankrott, Untreue oder Betrug, die mit der Verschleppung eines Insolvenzverfahrens zusammenhängen. All diese drei Tatbestände können laut Gesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Mitte Juni Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht. Bei Insolvenzfällen wird routinemäßig die Staatsanwaltschaft informiert, im Fall Schlecker gaben die zunächst zuständigen Ulmer Ermittlungsbehörden die Aufgabe an die Kollegen in Stuttgart ab, wo die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Wirtschaftsstrafsachen sitzt.

Schlecker hatte Ende Januar Insolvenz angemeldet. Ende Juni schlossen deutschlandweit die letzten Filialen, bundesweit verloren rund 25.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Nach der Pleite wurden wiederholt Vorwürfe laut, vor Anmeldung der Insolvenz seien Vermögenswerte beiseitegeschafft worden. Sie seien etwa auf Schleckers Ehefrau oder seine Kinder überschrieben worden. Diese Vorwürfe hatte die Familie stets zurückgewiesen.

zij/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Mahogany
  • Kommentar 1
  • 22.07.2012 13:38

Die Schleckerfamilie hat doch längst, ebenso wie die Schickedanztochter (Quelle), ihr Schäflein ins Trockene gebracht und kann weiter in Saus und Braus leben. Da ihre Angestellten von ihnen ja von Anfang an schäbig behandelt wurden, war vorauszusehen, daß sie kein Interesse hatten mit einem für sie Peanutsbetrag einzuspringen um wenigstens einen kleinen Teil der Arbeitsplätze zu retten. Hoffentlich müssen die nun wenigstens die Abfindungen für ihre nun arbeitslosen Ex-Angestellten zahlen und nicht wieder der Steuerzahler dran glauben muß.

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