Porsche-Übernahme Volkswagen landet Jahrhundert-Coup

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, besiegelte die Fusion mit den Worten: «Volkswagen und Porsche gehören zusammen.» (Foto)
Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, besiegelte die Fusion mit den Worten: «Volkswagen und Porsche gehören zusammen.» Bild: Thomas Kienzle/AP/dapd

Porsche brachte den VW-Käfer einst zur Serienreife und legte so den Grundstein für Europas größten Autobauer. Viele Jahrzehnte später schließen die Partner nun den Kreis: Porsche fährt komplett unter das VW-Dach. Dank eines umstrittenen Steuertricks.

Der Sportwagenbauer Porsche schlüpft schneller als erwartet unter das Dach des Volkswagen-Konzerns: Drei Jahre nach der Niederlage der Stuttgarter im Machtkampf mit dem niedersächsischen Weltkonzern übernimmt VW bereits zum 1. August die restliche Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäfts. Das teilten die beiden Vorstände am Mittwochabend mit.

Mit der Bekanntgabe des Deals beenden die zwei Autobauer mit einem beispiellosen Befreiungsschlag eine nervenaufreibende Hängepartie, die nicht zuletzt ihr Alltagsgeschäft bei der Pkw-Produktion nachhaltig belastet hatte. Die Gesellschaften nutzen ein umstrittenes Schlupfloch in der Steuergesetzgebung und vermeiden 1,5 Milliarden Euro Abgaben an den Staat.

Denn die Wolfsburger zahlen für die noch fehlenden 50,1 Prozent der Porsche AG nicht nur rund 4,46 Milliarden Euro an die Porsche-Dachgesellschaft, sondern übertragen ihr parallel eine VW-Stammaktie. Mit dieser Konstellation firmiert die Fusion als Umstrukturierung - und VW bleibt eine Milliarden-Steuerlast erspart. Ein Novum in der Wirtschaftsgeschichte.

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Der Autobauer übernimmt durch den Deal auch 2,5 Milliarden Euro Schulden des Sportwagengeschäfts, erwartet nach der Übernahme jedoch kräftig steigende Gewinne des Konzerns: Allein aus Bewertungsgewinnen rechnen die Wolfsburger nach eigenen Angaben mit neun Milliarden Euro im laufenden Jahr. Dazu kommt der hohe Gewinn, den Porsche im Alltagsgeschäft einfährt: Von Januar bis März wies Porsche mit dem Bau von Sportwagen rund 530 Millionen Euro operativen Gewinn aus.

Engere Zusammenarbeit möglich

«Die einzigartige Marke Porsche wird nun fester Bestandteil des Volkswagen-Konzerns. Das ist gut für Volkswagen, für Porsche und für den ganzen Industriestandort Deutschland», sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn zur langersehnten Fusion. Die erste Hälfte der Porsche-Sportwagenfabrikation hatte VW bereits 2009 nach dem Sieg im Machtkampf mit Porsche für rund 3,9 Milliarden Euro gekauft. Porsche hatte damals versucht, VW zu übernehmen.

Allerdings musste Porsche dazu hohe Schulden aufnehmen und dann von VW vor der Pleite gerettet werden. Porsche trennte damals das operative Geschäft in die Porsche AG ab und schuf die Porsche Holding SE (PSE) als Dachgesellschaft. Diese wird nicht an VW verkauft, sondern hält weiter die damals erworbenen Anteile an VW von heute rund 51 Prozent. PSE will nach eigenen Angaben mit dem Kaufpreiserlös zunächst zwei Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Der Rest soll für Beteiligungen mit Schwerpunkt Autoindustrie verwendet werden.

Die Übernahme spart den beiden Autobauern viel Geld: Bisher durften sie nicht wie etwa VW und die Töchter Audi oder Skoda eng zusammenarbeiten. Statt dessen mussten sie sich bei gemeinsamen Projekten wie fremde Firmen behandeln, was eine engere Kooperation enorm erschwert. VW spricht von Einsparungen von über 600 Millionen Euro durch die Vereinfachung.

VW und Porsche bauen schon zusammen den Porsche Cayenne und den Porsche Panamera. Der geplante kleine Geländewagen Porsche Macan soll auch auf Technik des VW-Konzerns stehen.

zij/news.de/dpa/dapd

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