Titus Dittmann Vom Sportlehrer zum Skateboard-Imperator

Titus Dittmann, der Mann hinter dem Skateboard-Ausrüster Titus, will mit seiner Film-Autobiografie Brett vorm Kopp Geld für Afghanistan sammeln. (Foto)
Titus Dittmann, der Mann hinter dem Skateboard-Ausrüster Titus, will mit seiner Film-Autobiografie Brett vorm Kopp Geld für Afghanistan sammeln. Bild: dapd

Von Jean-Charles Fays
Titus Dittmann hat das Skateboard in Deutschland salonfähig gemacht und mit der Boarder-Marke Titus eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte geschrieben. Mit «skate aid» engagiert er sich heute in Afghanistan. Eine Kinodoku beleuchtet das Leben des Skateboard-Pioniers.

Die Augen des 63-jährigen Titus Dittmann leuchten wie Kinderaugen, als der Besitzer des Kinos sagt: «350 Zuschauer. Das war heute die stärkste Vorstellung. Du hast sogar Men in Black 3 geschlagen.» Für den Skateboard-Pionier ist die Kinopremiere seines Dokumentarfilms Brett vorm Kopp in Münster «die größte Belohnung, die ich mir gegönnt habe». Der Freigeist braucht den Applaus. In der Biografie sagt er einmal: «Die Fernsehauftritte waren meine Belohnung. Sie waren für mich wie das Klatschen für Künstler.»

Von den Fernsehauftritten hatte er viele. Die Szenen sind hintereinander geschnitten. Sie zeigen ihn mit Günther Jauch im Aktuellen Sportstudio, mit Alfred Biolek bei Bios Bahnhof, mit Jürgen von der Lippe in der Spielshow Hast du Worte, mit Stefan Raab in der Late-Night-Show tv total oder mit Moderator Frank Plasberg in der Talkshow hart aber fair.

Marke Titus wird zum Trendsetter

Über seinen Sport ist Dittmann zum Star geworden. Vor 30 Jahren erkannte er als erster Europäer das große Potenzial des US-Trendsports für Jugendliche. Die Dokumentation zeigt, wie Dittmann sich gegen den deutschen Rollsportbund auflehnte, der die rebellische Subkultur zivilisieren wollte.

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Während der Rollsportbund das Skateboarding reglementierte, indem er bei Deutschen Meisterschaften Ende der 1970er Jahre eine Kür wie beim Eiskunstlauf aufführen ließ, prägte Dittmann die heutige rebellische Skateboard-Philosophie entscheidend mit. Anfang der 1980er Jahre rief er das Münster Monster Mastership ins Leben. Daraus entwickelten sich später die Deutsche Meisterschaft und die Weltmeisterschaft.

Für sein Hobby kündigte er seinen Lehrerberuf und wurde mit der nach ihm benannten Marke Titus berühmt. In rund 20 Jahren baute er 20 Tochterfirmen auf und setzte 70 Millionen Euro um. Einen Verlag, Franchiseunternehmen, Groß- und Versandhandel, Konzert- und Werbeagentur gehörten bald zu Titus, doch mit dem Börsengang Anfang der Nuller übernahm sich Dittmann und verlor bis 2006 fast alles.

Die Berliner Filmemacher Monica Nancy Wick und Ali Eckert beschreiben in der Dokumentation Dittmanns extrovertierten Charakter. Ein Interview mit dem Medienliebling dient als roter Faden, der die Filmsequenzen mit den verschiedenen Facetten des Multitalents vom Skater bis zum Rennfahrer und Fallschirmspringer oder vom Autoschrauber und Lehrer bis zum Unternehmer und Entwicklungshelfer zusammenhält.

«Skate aid» soll Frieden nach Afghanistan bringen

Nach der Kinopremiere erzählt Dittmann bei einem Glas Wein: «Ich wusste von dieser Strategie der Interviewer nichts und konnte deswegen so locker über mein Leben sprechen.» Dittmanns Film-Biografie gibt einen authentischen Einblick in sein Leben. Er hat ständig das Bedürfnis, der Welt unter Beweis zu stellen, dass er gut ist. Als der Unternehmer 2006 am Tiefpunkt angelangt war, besann er sich auf seine Stärken. Fortan konzentrierten sich Mensch und Unternehmer allein auf die Skateboard-Marke Titus.

Seine Prominenz aus den Fernsehauftritten nutzt er, um 2010 die Titus Dittmann Stiftung zu gründen und die Entwicklungshilfe-Initiative «skate aid» ins Leben zu rufen. Deshalb endet der Film mit einem Beitrag des ZDF-Auslandsjournals. Er zeigt, wie Dittmann als Entwicklungshelfer Mädchen auf einem afghanischen Schulhof Skateboardunterricht gibt.

Dittmann will dem Skateboarding mit seiner Dokumentation etwas zurückgeben. Deswegen ist der Eintritt der Filmtournee, die am Mittwoch in Münster begonnen hat, frei. Mit den Spenden will er Skateparks bauen und den Frieden nach Afghanistan bringen.

wam/zij/news.de/dapd

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