Arbeit Wie werde ich...? Redenschreiber

Bonn - Redenschreiber arbeiten im Verborgenen. Das Lob für ihre Arbeit kassieren selten sie. Meistens sind es die Redner, die mit ihrem Text glänzen.

Wie werde ich...? Redenschreiber (Foto)
Wie werde ich...? Redenschreiber Bild: dpa

Wer diesen Job machen will, sollte daher nicht eitel sein.

Eine Rede vor großem Publikum halten? Allein der Gedanke daran treibt manch einem den Angstschweiß auf die Stirn. Einfach und klar, bildhaft und anschaulich soll eine gute Rede sein. Profis wissen das. Inzwischen gibt es in Deutschland zahlreiche Anbieter, die das Schreiben von Reden für Honorar übernehmen. Während sie alleine am Schreibtisch Redetexte konzipieren und ausformulieren, stehen ihre Auftraggeber später im Rampenlicht und ernten den Applaus.

«Es ist eine merkwürdige Konstellation, sich auf dieses Geisterwesen zurückzuziehen», sagt Peter Sprong. «Auf Dauer ist es komisch, wenn Sie kreativ sind, aber die Ergebnisse der Kreativität nie unter Ihrem Namen präsentieren dürfen.» Seit über zehn Jahren ist Sprong professioneller Redenschreiber, das Schattendasein ist für ihn Berufsalltag.

«Sie dürfen nicht eitel sein, wenn Sie Reden für andere schreiben», sagt Andreas Franken, ebenfalls Redenschreiber von Beruf. «Ich bin Dienstleister und freue mich, dass mein Kunde dann vor seinem Publikum glänzen kann.»

Wer anderer Leute Reden schreibt, muss zunächst einmal gut zuhören. Um was soll es in der Rede gehen? Wo soll das Publikum abgeholt und wo soll es hingebracht werden? «Meine Lieblingsfrage ist immer: Was ist die Botschaft?», sagt Redenschreiberin Susanne Winkler. Gleichzeitig muss sich der Redenschreiber in den Redner einfühlen, einen Ton finden, der dem Redner angemessen ist. «Als hätte er die Rede selbst geschrieben, aber plötzlich ein riesiges Talent entwickelt», beschreibt Winkler die Herausforderung.

Damit die Auftraggeber später auf der Bühne auch wissen, wie sie die vorformulierten Botschaften angemessen transportieren, setzen die Autoren sogar kleine Regieanweisungen neben den Text. Hier eine «Pause», dort «fragend ins Publikum gucken» oder eine «ausladende Geste». «Aber die Führungskräfte sollen authentisch bleiben und nicht Marionetten der Redenschreiber werden», stellt Franken klar.

«Die Redenschreiber sind Stützen, aber laufen müssen die Redner selbst», sagt Vazrik Bazil, Präsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Am Ende sei es immer der Redner, der die Rede halte.

Wie viele Redenschreiber es in Deutschland gibt, ist schwer zu sagen. Oft sind es fest angestellte Büroleiter und Referenten, welche die Manuskripte für ihre Vorgesetzten erstellen. Daneben gibt es aber viele freiberufliche Redenschreiber.

Wie viel so etwas kostet, ist meist Verhandlungssache. Die Honorarempfehlung des Verbands sieht für eine zehnminütige Rede zwischen 700 und 1250 Euro vor. Bei 45 Minuten sind es schon 3150 bis 5625 Euro. Eine Redeminute entspreche ungefähr einer Stunde Arbeit.

Nur wenige können aber davon leben. «Wer sich selbstständig macht, muss wissen, dass er oder sie über das Schreiben von Redetexten hinaus auch andere Textsorten bearbeiten muss», sagt Verbandspräsident Vazrik Bazil. Das könnten Pressemitteilungen, Broschüren oder auch Briefe sein. «Ich kenne wenige selbstständige Redenschreiber, die nur und ausschließlich Reden schreiben.»

Doch wie wird man eigentlich Redenschreiber? «Das weiß man nachher auch nicht mehr so genau. Meistens aus einem schreibenden Beruf heraus», erzählt Sprong. Er arbeitete erst als freier Journalist, ist dann in die Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens gewechselt und irgendwann schrieb er die Rede des Vorstandsvorsitzenden. Die Herausforderung gefiel ihm, und einige Zeit später machte er das Schreiben von Reden zu seinem Hauptberuf.

Wer sich zum Redenschreiber ausbilden lassen möchte, muss auf private Anbieter vertrauen. «Der Markt ist voller Seminaranbieter», sagt Verbandspräsident Bazil. «Das Handwerkliche, das Minimum, kann man überall lernen.» Doch einen vorgeschriebenen Ausbildungsweg für Redenschreiber gebe es nicht. «Die Laufbahn ist nicht normiert.»

Hier geht's zur Website von Redenschreiber Peter Sprong

Akademie für Management-Kommunikation und Redenschreiben

Webseite des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache

Übersicht mit Seminaren für angehende Redenschreiber

Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene

Wer sich die Kunst des Schreibens von Reden beibringen lassen möchte, hat eine große Auswahl, denn auf dem Markt tummeln sich viele Anbieter. Für wen man sich entscheiden soll, ist nicht so einfach zu sagen. «Es gibt keine allgemeingültigen Kriterien», sagt Vazrik Bazil, Präsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache. Wichtig sei jedoch, genau zu prüfen, ob ein Angebot zu den jeweiligen Vorkenntnissen passe. Seminare und Kurse könnten, je nach Dauer, zwischen 500 und 3000 Euro kosten. Eine Auswahl an Seminaranbietern gibt der Verband online.

news.de/dpa

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