Insolvente Drogerie Endgültiges Aus für Schlecker

Schlecker-Misere
Ein Weg voller Missverständnisse
Schlecker wird ausrangiert: Der Gläubigerausschuss hat bei einer Sitzung am 1. Juni 2012 in Berlin das Aus der Drogeriekette beschlossen. (Foto) Zur Fotostrecke

Bei der Belegschaft herrschte bis zuletzt das Prinzip Hoffnung - ohne Erfolg. Die Drogeriekette Schlecker wird zerschlagen. Es fehlten akzeptable Offerten der Investoren, so die Begründung. Jetzt steht der große Ausverkauf bevor.

Der Schlecker-Gläubigerausschuss hat das Aus für die insolvente Drogeriemarktkette beschlossen. «Auch nachdem den Investoren am vergangenen Freitag eine Woche Zeit eingeräumt wurde, um ihre Angebote sowohl finanziell als auch konzeptionell anzupassen, liegt keine Offerte im akzeptablen Bereich vor», teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einer Sitzung des Ausschusses am Freitag mit.

«Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren», betonte Geiwitz weiter. 14.300 Mitarbeiter hatten bis zuletzt auf eine Rettung gehofft. «Möglich ist alles», ließ ein Sprecher der Insolvenzverwaltung noch am Donnerstagnachmittag verlauten. Ende März hatten bereits über 11.000 Schlecker-Beschäftigte im Zuge der Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren.

Schlecker&Co.
Diese Traditions-Unternehmen sind pleite
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Vor genau einer Woche hatten die drei größten Gläubiger den verbliebenen Investoren eine letzte Frist gegeben, ihre Angebote nachzubessern. Allein der Kreditversicherer Euler Hermes hat Forderungen um die 300 Millionen Euro. Die beiden Interessenten - Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen und US-Investor Cerberus Capital Management - sollten bei Kaufpreis und Konzept noch nachlegen. Mit ihnen war Insolvenzverwalter Geiwitz bis zuletzt noch in «harten Verhandlungen».

Eigenständige Zukunft für Tochtergesellschaften

Die Kündigungen an die 13.200 betroffenen Mitarbeiter von Schlecker Deutschland sollen laut Geiwitz bis Ende Juni verschickt werden. Zeitnah starte auch der Ausverkauf in den rund 2800 verbliebenen deutschen Märkten. Gleichzeitig sollen die Gespräche zu einem Verkauf der Auslandstöchter fortgeführt und zu einem schnellen Abschluss gebracht werden. Auch den Verkauf der Vermögenswerte, etwa der Logistikstandorte und der Unternehmensimmobilien, will Geiwitz den Angaben zufolge zügig abschließen.

Der Insolvenzverwalter betonte aber, für die Tochtergesellschaften Ihr Platz mit 490 Filialen und rund 3990 Mitarbeitern sowie Schlecker XL mit 342 Filialen und 1110 Mitarbeitern gebe es eine eigenständige Zukunft. Mit den Einnahmen aus der Zerschlagung der anderen Filialen würden zunächst laufende Kosten gedeckt, zum Beispiel Gehälter, Warenbestellungen aus der Zeit der Insolvenz und die Tätigkeit der Insolvenzverwaltung. Der Rest käme in einen Topf, der unter den Gläubigern aufgeteilt würde.

Angela Merkel sicherte den bedrohten Mitarbeitern indes Hilfe der Bundesregierung zu. «Wir werden über die Bundesagentur für Arbeit und natürlich vor allen Dingen auch über die regionalen Arbeitsämter sicherlich alles daran setzen, dass die Beschäftigten die Chance bekommen, schnell wieder eine Arbeit zu bekommen», erklärte die Bundeskanzlerin in Berlin. Es gehe vor allem um die Menschen und «insbesondere ja auch Frauen, die darauf hoffen, wieder eine Arbeit zu bekommen». Da sei im Augenblick «sicher vieles möglich».

Von 8000 Filialen auf ein Minimum

Laut Top-Managern des Unternehmens war die Schlecker-Pleite schon lange absehbar. «Wenn wir ehrlich sind, dann funktionierten wir ab Mitte der 90er Jahre wie ein Schneeballsystem. Es ging nur weiter, weil wir es ständig erweiterten», zitierte das Handelsblatt einen sogenannten Altdirektor, angeblich einen der engsten Vertrauten von Firmenpatriarch Anton Schlecker.

Schlecker hatte auf dem Höhepunkt seines Wachstums mit über 8000 Filialen in Deutschland mehr als doppelt so viele Märkte wie die gesamte Konkurrenz. Allerdings erwirtschafteten Rossmann und dm in attraktiveren Lagen und mit einem größeren Sortiment mit der Zeit immer mehr Gewinn, während er bei Schlecker zurückging. «Das ist die eigentliche unternehmerische Leistung von Schlecker, dass er die Pleite so lange hinausgezögert hat», sagte der Altdirektor.

zij/phs/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 02.06.2012 18:52

Verglichen mit den Subunternehmern von GLS und Hermes, bei denen am Ende oft genug die vom Staat bewußt herbei geführte Insolvenz steht, geht es den Schlecker-Mitarbeiter doch geradezu komfortabel. Sie fallen regelrecht ins gemachtte Nest. Wer nichts selbst unternimmt, wird mal wieder belohnt, wer gleich Hartz-IV beantragt, ist ein wohlangesehener Bürger. Fazit: Eigeninitiative ist unerwünscht, und wird bestraft.

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  • ulrike
  • Kommentar 1
  • 01.06.2012 20:24

ich finde es skandalös,dass es keine akzeptable Lösung gab,um dieses Traditionsunternehmen Schlecker zur Seite zu stehen.massenhaft werden Steuergelder verschwendet,oder ins Ausland,,gespendet``und hier in Deutschland geht ein sehr bekanntes und deutsches Familienunternehmen einfach den Bach runter und es wird nur hingenommen.Wo sind hier die Unterstützungsmaßnahmen ?Was ist jetzt mit den Schleckermitarbeitern,die auch für Deutschland ihre Steuern bezahlt haben?Was ist sicher möglich ?Das Sie arbeitslos werden und je nach Alter auch keine Arbeit mehr finden werden.Das ist mögl.u.wird so sein

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