GM-Sparpläne Opel-Werk Rüsselsheim verliert Astra-Produktion

Opel-Stammwerk Rüsselsheim verliert Astra-Produktion (Foto)
Welche Modelle schrauben die Arbeiter im Stammwerk in Rüsselsheim ab 2015 zusammen? Bild: dpa

Die neue Generation des wichtigsten Opel-Modells wird ab 2015 nicht mehr in Deutschland gebaut. Stattdessen produzieren Werke in England und Polen den neuen Astra. Dennoch soll das Stammwerk in Rüsselsheim voll ausgleastet werden. Nur wie?

Schwerer Schlag für das Opel-Stammwerk Rüsselsheim: Der zum Sparen gezwungene Autobauer verlagert die Produktion seines Erfolgsmodells Astra komplett ins günstigere Ausland. Ab 2015 wird der Astra nur noch im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice (Gleiwitz) vom Band rollen, wie Opel mitteilte. Ziel bleibe aber, auch Rüsselsheim als modernstes Werk von Opel/Vauxhall in Europa voll auszulasten. Wie das konkret erreicht werden kann, soll in Gesprächen zwischen Management und Betriebsrat geklärt werden. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke versicherte: «Ein wettbewerbsfähiges Werk Rüsselsheim spielt eine wichtige Rolle in unserer Wachstumsstrategie.»

Ob die Entscheidung zugunsten der ausländischen Werke Auswirkungen auf andere deutsche Standorte - vor allem Bochum - haben wird, ließ das Unternehmen weiterhin offen. Klarheit erhoffen sich die Mitarbeiter von einer Belegschaftsversammlung im Bochumer Werk am kommenden Montag. Dazu wird neben Stracke auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erwartet.

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Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug betonte in Frankfurt: «Dass der Zafira aus Bochum verlagert wird, diese Spekulation entbehrt jeder Grundlage. IG Metall und Betriebsrat würden eine Verlagerung auf Kosten der Menschen dort auch nicht akzeptieren.» Auch für das Werk in Bochum gelte eine Standortgarantie bis Ende 2014. Schäfer-Klug mahnte: «Wichtig ist, dass das Management jetzt schnell einen Plan vorlegt, wie die anderen Werke ausgelastet werden sollen.»

Verliert Bochum den Zafira an Rüsselsheim?

Nach Ansicht des Bochumer Betriebsrats steigt mit der Entscheidung die Gefahr für das Bochumer Werk. Der Druck werde höher, sagte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel. Aus Sicht der Bochumer sei es problematisch, dass Opel dem Stammwerk Rüsselsheim die volle Auslastung zugesagt habe. Dies könne bedeuten, dass Bochum die Produktion des Familienautos Zafira an Rüsselsheim verliere. «Das würde die Schließung des Bochumer Werks bedeuten», sagte Einenkel, der sich dennoch zuversichtlich zeigte. «Das werden wir zu verhindern wissen.» Darüber sei er sich mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug einig.

Einenkel bezeichnete die Entscheidung für die neuen Standorte der Astra-Produktion als «fragwürdig». So stelle er sich auch die Frage, ob es die Kunden akzeptierten, dass der Astra künftig nicht mehr in Deutschland gebaut werden soll.

Britische GM-Arbeiter stimmen Lohnverzicht zu

In die beiden Werke in Ellesmere Port und in Gliwice will die Tochter des US-Autoriesen General Motors (GM) nach eigenen Angaben insgesamt 300 Millionen Euro investieren, um sie auf den neuesten technischen Stand zu bringen. In dem englischen Werk, in dem bereits etwa 2100 Mitarbeiter Astra-Modelle bauen, werden nach Angaben des Herstellers dadurch etwa 700 neue Stellen geschaffen. Darüber hinaus sollen 3000 neue Jobs bei Zulieferern und Kunden entstehen.

Die Entscheidung für Ellesmere Port wurde möglich, weil die Belegschaft einem neuen Tarifvertrag zustimmte. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA akzeptierten 94 Prozent der dortigen Beschäftigten einen Lohnverzicht. Gesamtbetriebsratschef Schäfer-Klug kritisierte, das Management habe «großen Druck» aufgebaut und mit der Schließung des Werkes gedroht. Die von der Belegschaft in Ellesmere Port akzeptierten Lohn- und Arbeitsbedingungen sollen ab 2013 gelten. 2015 soll dann dort die Produktion des neuen Astra beginnen. Jährlich sollen dort mindestens 160.000 Fahrzeuge vom Band laufen.

Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild, der auch Mitglied des Opel-Aufsichtsrates ist, kritisierte die Weichenstellung in einer Mitteilung als falsch. «Wir sind verwundert, dass der Vorstand solche Entscheidungen verkündet, ohne jede Abstimmung mit den Betriebsräten und der IG Metall. Wenn es ein Unternehmen in Deutschland gibt, dass die Interessenvertretungen der Arbeitnehmer braucht, dann ist es Opel.»

kru/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 3
  • 11.12.2012 21:20

In einer Schmarotzerrepublik investiert ein Arbeitnehmer viel Geld in ein Auto aus heimischer Produktion um damit zur Arbeit zu fahren zwecks Einkommen für seine Familie und sich sowie nebenbei auch den Staat (Steuerabgaben), und um nach einem Unfall mit Totalschaden auf dem Arbeitsweg keine Steuererleichterung zur Abmilderung noch bestehender Restfinanzierung zu bekommen, während Bezieher von staatlichen Fürsorgemitteln Prämien im Rahmen eines Konsumpaketes zur Förderung der nationalen Wirtschaft erhalten, mit der sie sich letztlich doch nur billige Vehikel aus Niedriglohnländern finanzieren!

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  • Beagle
  • Kommentar 2
  • 29.05.2012 19:04

Das ist die Marktwirtschaft. Hier wird auch entschieden, wenn die Kosten immer höher werden als die Gewinne.Was verdienen die Opel Arbeiter anderen Autobauern gegenüber? darüber sollte man nachdenken, bevor man seinen Arbeitsplatz verliert.Denn manchmal ist ein verzicht günstiger als eine Forderung.

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  • Deutscher Steuerzahler
  • Kommentar 1
  • 17.05.2012 20:27

man sieht es doch an den Kommentaren... keine SAU interessiert sich für diesen Auto-Bude--- einmal OPEL und dann nie wieder.... ERFAHRUNG!!!!

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