Drogerie-Insolvenz Bayerns FDP lässt Schlecker-Frauen hängen

Für 11.000 Mitarbeiter ist es ein Nervenkrieg. (Foto)
Für 11.000 Mitarbeiter ist es ein Nervenkrieg. Bild: dpa

Eigentlich sollte die Entscheidung über die Zukunft von 11.000 Schlecker-Angestellten bis 8 Uhr fallen. Doch in Stuttgart wird noch immer verhandelt. Nun droht das Scheitern: Alles hängt offenbar an der bayerischen FDP.

Der Plan einer Auffanglösung für 11.000 Schlecker-Beschäftigte steht offenbar vor dem Scheitern. Die in Bayern mitregierende FDP sperrt sich vehement gegen eine Lösung, bei der nicht alle Bundesländer mit im Boot sind, während die CSU mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Finanzminister Markus Söder darauf drängt, den Vorschlag aus Baden-Württemberg anzunehmen.

Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) verwies in München auf eine Bedingung, die das bayerische Kabinett am Dienstag formuliert habe: nämlich, dass alle Länder mitziehen müssen. Auf die Nachfrage, ob er bereit sei, diese Geschäftsgrundlage zu ändern, sagte Zeil der Nachrichtenagentur dpa: «Nein.»

Seit 8 Uhr ist die Frist in der Hängepartie um eine Auffanglösung eigentlich abgelaufen, doch in Stuttgart wird weiter fieberhaft verhandelt. Die Telefonleitungen zwischen den Landesregierungen von Stuttgart und München laufen heiß. Baden-Württemberg muss 45 Millionen Euro an Bürgschaftsgeldern bei 13 anderen Bundesländern zusammenbringen, sonst gehen die Kündigungsschreiben für die Schlecker-Beschäftigten raus.

Schlecker-Misere
Ein Weg voller Missverständnisse
Schlecker wird ausrangiert: Der Gläubigerausschuss hat bei einer Sitzung am 1. Juni 2012 in Berlin das Aus der Drogeriekette beschlossen. (Foto) Zur Fotostrecke

 

Verdi-Chef Bsirske ist verärgert

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa verlangte Bayern eine Liste mit den schriftlichen Bestätigungen der anderen Bundesländer, dass sie bei der Bürgschaft mitziehen. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Stuttgart sagte, die Liste mit den Zusagen sei Bayern kurz nach 9 Uhr übermittelt worden. Doch der FDP reicht das nicht aus.

Verdi-Chef Frank Bsirske zeigte sich verärgert über das Verhalten der FDP. «Die FDP spielt Roulette mit den Arbeitnehmern bei Schlecker. Sie stellt ihre egoistische, parteipolitische Profilierung über das Schicksal der Menschen», sagte er am Rande der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst in Potsdam. Immerhin gehe es um mehr Arbeitsplätze, als die FDP bei der letzten Landtagswahl im Saarland Wähler gehabt habe.

FDP-Chef Philipp Rösler hat sich hinter seine bayerischen Parteikollegen gestellt. Er hält die Bemühungen Baden-Württembergs um Hilfen für eine Schlecker-Transfergesellschaft für verantwortungslos. «Das Land Baden-Württemberg hat falsche Hoffnungen bei den Schlecker-Beschäftigten geweckt, die jetzt jäh enttäuscht werden», sagte Rösler. Mit verantwortungsbewusster Wirtschaftspolitik habe das nichts zu tun.

Gute Jobaussichten für Schlecker-Verkäufer

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht gute Vermittlungschancen für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Beschäftigten. «Derzeit gibt es bundesweit 125.000 offene Stellen für Verkäuferinnen», sagte das BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker.

Schlecker&Co.
Diese Traditions-Unternehmen sind pleite
Schlecker (Foto) Zur Fotostrecke

Von Vorteil sei, dass die bisherigen Schlecker-Mitarbeiter über das ganze Bundesgebiet verteilt seien. Die örtlichen Arbeitsagentur seien darauf eingestellt, den Betroffenen rasch eine neue Arbeit zu vermitteln. An größeren Schlecker-Standorten könnten Teams der Arbeitsagenturen direkt in das Unternehmen gehen, um die meist weiblichen Beschäftigten zu beraten, ergänzte Becker.

Niedersachsen und Sachsen blockierten Lösung

Am Mittwochabend hatte der zuständige Landtagsausschuss in Stuttgart nach stundenlangen Beratungen beschlossen, dass Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) 45 Millionen Euro an Bürgschaftszusagen bei anderen Ländern für eine Auffanglösung in letzter Minute einsammeln soll. Eine gemeinsame Lösung mit allen Ländern war an den Absagen Niedersachsens und Sachsens gescheitert.

Baden-Württemberg wollte 25 Millionen selbst übernehmen und für die gesamte Bürgschaft über 70 Millionen für einen Kredit der Staatsbank KfW in Vorleistung treten. Schmid wollte nach seinen Worten über Nacht 13 Länder zu Zusagen bewegen.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte Stuttgart aufgefordert, bis 8 Uhr eine Entscheidung vorzulegen, sonst müsse er die Kündigungsschreiben für die 11.000 Beschäftigten rausschicken.

Die rund 11.000 Beschäftigten, die wegen Pleite der Drogeriekette ihren Job verlieren sollen, könnten in den Transfergesellschaften weitergebildet und bei der Suche nach einem neuen Job unterstützt werden. Außerdem hätten sie für sechs Monate einen Großteil ihres Gehaltes sicher.

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (15) Jetzt Artikel kommentieren
  • herby
  • Kommentar 15
  • 03.04.2012 13:41

Wo soll auch die Kohle herkommen, unsere Bananenrepublik hat mindestens 7 Billionen Euro Schulden, die Schuldenuhr ist mit Absicht falsch. Hierzu gibt es auch Beweise , ein Link den man sich einmal Ansehen sollte: http://www.youtube.com/watch?v=-aOvXYaKdaM&feature=relmfu

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 14
  • 02.04.2012 16:21

Ob Herr Bsirske verärgert ist, spielt doch wohl für die FDP keine Rolle. Die FDP ist doch nicht dazu da, dem Gewerkschaftsbonzen um das Maul zu reden. R fordert sowieso den Rücktritt von Bsirske und Konsorten. Am Besten wäre, dass sich die Gewerkschaften auflösen. Sie sind die Spaltwerkzeuge zwischen den Sozialpartnern. Mit ihrem Kurs der Zersetzung haben die Gewerkschaften den deutschen Arbeitsmarkt zerstört, die Arbeiter vertragsunfähig gemacht und den Wirtschafts-Standort Deutschland gefährdet. Solche Harsardeure haben in einer modernen Gesellschaft nichts verloren. Straft sie ab!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 13
  • 30.03.2012 12:23

Teilw. sind die Kommentare erstaunlich: Moral u Menschenwürde gründen sich auf Arbeit u nicht umgekehrt od auf Bürokratie. Warum aber wollen plötzlich alle den Schlecker-Frauen (was für eine herablassende Bezeichnung!) "helfen". Im letzten Jahrzehnt war Schlecker der Ausbund des Schlechten. Jetzt schlägt das Herz des Linksabweichlers für Schlecker. Der Kapitalismus kennt keine Subventionen. Kein Unternehmer, der auf sich was hält, nimmt sie an.Das Gl. gilt für Staaten nach dem Prinzip der Souveränität. Kapitaismus u Souveränität erfordert die Ausrottung aller Geber- und Nehmerbeziehungen!

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