Stress im Job Die meisten Deutschen arbeiten zu viel

Ausgebrannt von zu viel Arbeit? Jeder zweite Beschäftigte in Deutschland fühlt sich im Job gehetzt, stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund in seinem «Gute-Arbeit-Index» fest. Kein Wunder: Mehr als die Hälfte machen Überstunden, ein Großteil sogar sehr, sehr viele.

Am Rechner bis spät in die Nacht - die meisten Deutschen leisten Überstunden. (Foto)
Am Rechner bis spät in die Nacht - die meisten Deutschen leisten Überstunden. Bild: dpa

Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland tut mehr, als in seinem Vertrag steht. Das hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. Wie die Bild-Zeitung aus dem «Gute-Arbeit-Index», den der DGB heute veröffentlicht hat, vorab berichtete, machen 67 Prozent der Mitarbeiter Überstunden.

Bei 20 Prozent der Arbeitnehmer kommen demnach pro Woche 10 oder mehr Überstunden zustande, bei 9 Prozent sind es gar 15 und mehr Extra-Stunden. Dabei nutzen die Mitarbeiter die Mehrarbeit nicht etwa, um ihre Aufgaben ruhiger zu verrichten, sondern ganz im Gegenteil gilt laut der Studie: Je mehr Überstunden geleistet werden, desto größer ist die Arbeitshetze. Nur drei Prozent arbeiten übrigens weniger, als in ihrem Arbeitsvertrag festgeschrieben wurde.

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50 Prozent der Beschäftigten fühlen sich gehetzt

Jeder zweite Arbeitnehmer klagt über Hektik bei der Arbeit, geht weiter aus der DGB-Studie hervor. Demnach stellten fast zwei Drittel der Befragten fest, seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten zu müssen. Ein gutes Viertel der Beschäftigten arbeite auch in der Freizeit, fast die Hälfte sei mehr als einmal krank zur Arbeit gegangen.

«Die psychischen Belastungen durch die Arbeit sind so hoch, dass die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährdet sind», sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Hans-Jürgen Urban vom IG-Metall-Vorstand forderte von der Politik, die Beschäftigten besser vor psychischem Druck zu schützen - «in der bewährten Tradition des deutschen Arbeitsschutzes».

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Wie kann man den Arbeitnehmern helfen?

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe das Thema bereits aufgegriffen, es gebe aber noch Uneinigkeit, wie dem Stress beizukommen sei. Die Ministerin und die Arbeitgeber wollten vor allem die Widerstandskraft der Arbeitnehmer stärken, die Gewerkschaften aber die Belastung reduzieren.

Den stärksten Druck spüren der Studie zufolge die Beschäftigten im Gastgewerbe. 70 Prozent der Befragten fühlen sich demnach oft oder sehr häufig gehetzt, im Gesundheits- und Sozialwesen sind es 65 Prozent. In der Verwaltung ist der gefühlte Druck am niedrigsten, dort kommen sich aber immer noch 43 Prozent gehetzt vor.

Für die Studie befragte der DGB 6083 abhängig Beschäftigten zum Thema «Arbeitshetze - Arbeitsintensivierung - Entgrenzung».

Weiterbildung findet meistens in der Freizeit statt

Das hohe Engagement der Arbeitnehmer auf Kosten ihrer Freizeit spiegelt sich auch beim Thema betriebliche Weiterbildungen wieder. Laut einer Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft stecken die Beschäftigten in Deutschland immer mehr Freizeit in ihre berufliche Bildung.

Durchschnittlich saß 2010 jeder Angestellte insgesamt 29 Stunden in Schulungen oder ließ sich bei der Arbeit weiterbilden, gut 7 Stunden mehr als drei Jahre zuvor. Wie das Institut ermittelte, opferten sie dafür 10 Stunden ihrer Freizeit, mehr als doppelt so viel wie zuvor. Das Institut ist der Ansicht, dass die Beschäftigten vor allem Zeit genutzt hätten, die in der Krise durch Kurzarbeit und Überstundenabbau frei geworden sei.

Das arbeitgebernahe Institut bewertet diese Entwicklung positiv: «Deutlich mehr Beschäftigte als früher konnten ihr Wissen erweitern, und sie tun es häufiger und länger als zuvor», sagte Direktor Michael Hüther am Montag bei der Vorstellung der Studie. Das sei eine gute und ausbaufähige Basis, um gegen den Fachkräftemangel vorzugehen.

Anerkennung senkt Burnout-Risiko

Auch Wissenschaftler aus Frankfurt und Chemnitz haben sich mit dem Phänomen Überarbeitung auseinandergesetzt. Ihre Erkenntnis: Anerkennung am Arbeitsplatz senkt das Risiko für einen Burnout. Zu einer leistungsgerechten Belohnung gehöre eben mehr als nur angemessene Bezahlung, berichtete der Frankfurter Sozialpsychologe Prof. Rolf Haubl aus der bislang unveröffentlichten Studie.

Das Fazit der Studie: «Arbeitgeber sollten in die Organisationskultur investieren.» Als Schutz vor Überforderung empfehlen die Forscher den Chefs, die Fähigkeiten der Mitarbeiter nachhaltig zu entwickeln und den Kollegen, sich halbwegs solidarisch zu verhalten.

Die Untersuchung bestätige nicht die häufig geäußerte Meinung, dass Mitarbeiter ihrer Arbeit gegenüber gleichgültiger werden, wenn sie sich überfordert fühlen. Im Gegenteil. Die Mehrheit der Beschäftigten litt darunter, aufgrund von ökonomischem Effizienzdruck Qualitätsstandards verletzten zu müssen, sagte der Industriesoziologe Professor Günter Voss aus Chemnitz.

iwi/eia/news.de/dapd/dpa

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • C.M.
  • Kommentar 5
  • 03.04.2012 19:45

@RAGNAROEKR Ist schon belustigend was Sie hier schreiben! Sie verlangen Höchstleistung, aber nach Ihrer Schreibweise zu urteilen, vermutlich eine warme Mahlzeit und bei Nichtgehorsam Peitschenhiebe zur Entlohnung? Wenn Sie Ihre propagandistischen Worte wirklich selber schon ernst nehmen, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen! Ich habe noch den Wahlslogan im OHR: Leistung soll sich wieder Lohnen. Herr von und zu R: Es gibt Menschen in Deutschland, die trotz Fulltimejob noch zusätzlich Sozialgelder beantragen müssen...Wie kann das sein? Kommen Sie zurück in die Realität!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 4
  • 28.03.2012 14:04

Wenn das Gejammer der Deutschen über selbst geschaffene Plagen tatsächlich zur Grundstimmung wird, dann begeht das deutsche Volk Eigengenozid. R klärt auf: Stolz und Leistung waren die deutschen Tugenden. Sie müssen es wieder werden, denn pessimistische Lebensführung ist Schuld. Überall auf der Welt war das Deutsche nachahmenswert. Heute stehen deutsche Befindlichkeiten für Lebensverachtung und Selbstaufgabe. R fordert: Ächtet den Pessimismus der Gutmenschen. Die Krankheit der Tugend ist das Gutmenschentum.

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  • Heinz
  • Kommentar 3
  • 27.03.2012 18:22

Noch besteht Deutschland in der Mehrzahl aus Deutschen. Diese sind wie sie sind und haben Deutschland über Jahrhunderte zu dem gemacht was es ist. Ich hoffe das das noch ein paar Jahrzehnte so weiter geht. Daran kann RAGNAROEKR oder die Gewerkschaft oder sonst wer auch nichts ändern.

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