Tarifrunde 2012 Gewerkschaften lehnen Arbeitgeberangebot ab

Arbeitgeber-Angebot: 3,3 Prozent mehr über 2 Jahre (Foto)
Nach Streiks im öffentlichen Dienst kommt nun Bewegung in die Tarifverhandlungen. Bild: dpa

In den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst haben nun erstmals die Arbeitgeber ein Angebot gemacht. Demnach bieten sie den Angestellten 3,3 Prozent mehr Lohn über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Gewerkschaften fordern jedoch 6,5 Prozent und lehnen das Angebot ab.

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot für die zwei Millionen Beschäftigten vorgelegt. Nach ihren Angaben bieten sie 3,3 Prozent mehr Geld für zwei Jahre an: Ab Mai dieses Jahres sollen die Gehälter demnach um 2,1 Prozent steigen. Ab März 2013 ist ein weiteres Plus von 1,2 Prozent vorgesehen.

Wie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und der Präsident der kommunalen Arbeitgeber, Thomas Böhle, am Montag in Potsdam weiter mitteilten, bieten sie zusätzlich für alle Beschäftigten eine Einmalzahlung von 200 Euro «als soziale Komponente» an. Für Auszubildende soll es einmalig 40 Euro geben.

Die Gewerkschaften lehnen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa dieses Angebot jedoch ab. Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes dbb fordern 6,5 Prozent mehr, mindestens aber 200 Euro im Monat, um vor allem den unteren Gehaltsgruppen zu helfen. An Warnstreiks im öffentlichen Dienst hatten sich in der vergangenen Woche nach Gewerkschaftsangaben 130.000 Beschäftigte beteiligt.

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Böhle sagte zu dem Angebot: «Wir fordern die Gewerkschaften auf, sich konstruktiv an der Kompromisssuche zu beteiligen und nicht weiter auf Eskalation zu setzen.» Friedrich sagte, er erwarte jetzt Bewegung bei den Gewerkschaften und einen schnellen Abschluss.

Fehler in der Steuerpolitik nicht zu Lasten der Arbeitnehmer

Die Arbeitgeber schlagen eine Laufzeit von 24 Monaten für einen neuen Tarifabschluss vor - die Gewerkschaften hatten ihre Forderung hingegen für zwölf Monate gestellt. In Potsdam sitzen Arbeitgeber und Gewerkschaften bis zu diesem Dienstag zur zweiten Verhandlungsrunde zusammen.

Böhle hatte die Gewerkschaftsforderungen zuvor als unrealistisch abgelehnt. «Ich würde gerne zu einem gemeinsamen Abschluss kommen, der verantwortbar ist», sagte er. Angesichts der schlechten Finanzlage der Kommunen erwartet er ein Entgegenkommen der Gewerkschaften am Verhandlungstisch.

Verdi-Chef Frank Bsirske hatte in mehreren Interviews deutlich gemacht, dass für die schwierige Kassenlage der Kommunen nicht die Gewerkschaften verantwortlich seien. Fehler in der Steuerpolitik des Bundes dürften nicht zulasten der Beschäftigten gehen. «Wir blicken auf ein Jahrzehnt zurück, wo die Lohnabstände zur privaten Wirtschaft bei den Tarifeinkommen im öffentlichen Dienst immer größer geworden sind», sagte er in der ARD.

Böhle sagte, er gehe davon aus, dass es spätestens Ende März zu einem Ergebnis komme. Für den 28./29. März ist in Potsdam eine dritte Verhandlungsrunde angesetzt. Verdi und auch die Tarifunion des Beamtenbundes dbb haben mit einer Ausweitung der Warnstreiks gedroht, sollte es in den Tarifverhandlungen keine substanziellen Fortschritte geben. Der Verhandlungsführer der dbb-Tarifunion, Frank Stöhr, sagte, bei den Beschäftigten sei «Druck im Kessel».

sua/news.de/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • space
  • Kommentar 3
  • 20.03.2012 14:21

Streiks im oeffentlichen Dienst sind Schmierenkommoedien.Wirtschaftlichkeit kann nur eine Privatisierung bringen.Ah.... Jobcenter koennen es noch billiger

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  • Manfred Hesse
  • Kommentar 2
  • 13.03.2012 09:15
Antwort auf Kommentar 1

Ein höherer Verdienst hat immer eine größere Kaufkraft zu Folge. Das ist für alle gesellschaftlichen Schichten gut. Man kann nur so viele Stellen streichen, wie es möglich ist; und das wird man irgend wann ohne hin machen. Das hat nur zweitrangig was mit dem Lohn zu tun! Rationalisierung gibt es überall, nur man sollte sich nicht einreden lassen, das nur noch Hungerlöhne möglich sind. Höhere Löhne erzeugen eine höhere Kaufkraft; und die machen dann auch eine bessere Bezahlung möglich, alles andere ist Unsinn. Maßlose Gier, ist Unvernumpft; wer soll denn morgen noch Eure Produkte kaufen?

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  • Reifan
  • Kommentar 1
  • 13.03.2012 00:22

Höhere Tarifgehälter im öffentlich Dienst haben seit Jahrzehnten strukturelle Verschlechterungen am Arbeits-platz zur Folge. Die Wirtschaftlichkeit wird dann eben durch Planstellenstreichungen, Arbeitsplatzabbau, Zulagenstreichungen, Urlaubs-und Weihnachtzuwendungen, Preiserhöhungen oder Kundenserviceabau oder Allen zusammen realisiert. Dort wo Gewerkschaften keinen gestetzlichen Tarifzugriff auf die Konzern-oder Ämter-finanzen gewährt wird.

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