Deutschlands größter Flughafen soll am Mittwochmorgen mehrere Stunden still stehen. Zehn Fluglotsen seien zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Sie sollen ihre streikenden Kollegen auf dem Vorfeld unterstützen. Auch auf den Berliner Airports sind Warnstreiks angekündigt.
Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) verhärtet im Tarifkonflikt am Frankfurter Flughafen die Fronten. Von Mittwoch an sollen die Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung in Frankfurt in einen Solidarstreik treten. Sie wollen zwischen 5 und 11 Uhr die Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft unterstrich jedoch, sie wolle mit dem Lotsenstreik nicht den Flugverkehr in ganz Deutschland lahmlegen. Das würde dem vom Bundesarbeitsgericht verlangten Grundsatz der Verhältnismäßigkeit widersprechen, sagte GdF-Sprecher Matthias Maas.
Der Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa wollen den Lotsenstreik gerichtlich verbieten lassen. Man werde noch am Dienstag beim Arbeitsgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen den Streik beantragen, erklärte Fraport-Sprecher Jürgen Harrer.
Tarifgespräche für Vorfeld-Mitarbeiter waren gescheitert
Die GdF betonte, es würden am Mittwoch lediglich etwa zehn Lotsen im Frankfurter Tower zur Arbeitsniederlegung aufgerufen, um den Forderungen der dort streikenden Vorfeldmitarbeiter Nachdruck zu verleihen. «Wir werden nicht ganz Deutschland bestreiken. Wir haben das auch gar nicht vor», sagte Maas. Nach Einschätzung der Deutschen Flugsicherung (DFS) könnte ein Solidarstreik der Lotsen jedoch den größten deutschen Airport vollständig lahmlegen.
In Frankfurt hatten rund 200 Vorfeldmitarbeiter vor mehr als einer Woche mit den Streiks begonnen. Tarifgespräche zwischen dem Flughafen Frankfurt und der GdF waren gescheitert. Die Gewerkschaft fordert erhebliche Einkommenserhöhungen, höhere Zulagen und geringere Arbeitszeiten. Die bisherigen Streikaktionen am Frankfurter Flughafen hatten ihr Ziel bislang offenbar verfehlt. Fraport hatte mit Ersatzmannschaften einen immer größeren Teil der Flüge am größten deutschen Drehkreuz aufrechterhalten können.
Warnstreiks auch an Berliner Flughäfen
Im deutschen Luftverkehr stehen durch Warnstreiks in Berlin weitere Einschränkungen bevor. Die Gewerkschaft Verdi will in den nächsten Tagen kurzfristig zu spontanen Arbeitsniederlegungen in Tegel und Schönefeld aufrufen, wie sie am Dienstag angekündigte.Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für die 1500 Beschäftigten des Dienstleisters Globeground. Sie kümmern sich an Deutschlands drittgrößtem Luftverkehrsstandort um die Passagier- und Gepäckabfertigung.
Der Ausstand werde sehr kurzfristig angekündigt, um es dem Arbeitgeber zu erschweren, Ersatzpersonal zu beschaffen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jens Gröger. Verdi fordert für die Globeground-Beschäftigten 4 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Der Arbeitgeber wolle die Entgelte dagegen einfrieren oder senken und plane Einschnitte im Manteltarif.
Das Unternehmen kümmert sich um 80 Prozent der Bodendienstleistungen an den beiden Berliner Flughäfen. Laut Verdi beschäftigt es auch 500 Leiharbeiter. Als die Beschäftigten vor zwei Jahren zuletzt streikten, startete in Tegel und Schönefeld nur jede dritte Maschine.
jag/news.de/dpa/dapd