Kürzungen bis 30 Prozent Weniger Förderung für Solarenergie

Wie viel Sinn macht Sonnenstrom in Deutschland? (Foto)
Wie viel Sinn macht Sonnenstrom in Deutschland? Bild: dpa

Sonnenenergie wird ab 9. März deutlich weniger bezuschusst. Solarparks sollen künftig auf 30 Prozent der Förderung verzichten müssen, wer Solarmodule auf sein Hausdach baut, bekommt ein Fünftel weniger vom Staat. Die Frage bleibt: Wie sinnvoll ist Sonnenenergie in Deutschland?

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) stellen heute in Berlin Pläne zur Kürzung der Solarförderung vor. Schon ab 9. März sollen die Kürzungen greifen. Große Solarparks müssen mit knapp 30 Prozent weniger an Förderung auskommen, Solaranlagen auf dem Hausdach mit 20 Prozent weniger. Die Milliardenförderung für Sonnenstrom ist von den Bürgern über den Strompreis zu zahlen.

Für Greenpeace kommt die Senkung der Zuschüsse einem Installationsverbot für in Deutschland hergestellte Solaranlagen gleich, sagte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Diese Entscheidung gefährde die Solar-Arbeitsplätze in den über 10.000 mittelständischen Betrieben. Nötig wäre ein intelligentes Gesetzespaket mit Energieeffizienz, Stromnetz-Umbau und einer schrittweisen Absenkung der Solar-Tarife.

Rohstoff Sonne
Die Kraft von oben

Seit Wochen gibt es bei Union und FDP Druck für massive Kürzungen, denn der Sonnenstrom hatte 2011 nur einen Anteil von rund drei Prozent am Strommix. In Deutschland gibt es je nach Region im Schnitt meist nur 1000 Sonnenstunden im Jahr. Der nur wenige Stunden am Tag verfügbare Solarstrom ist mangels Stromspeichern die mit Abstand ineffizienteste Stromgewinnungsform - allerdings trägt er bei hohen Verbrauchsspitzen wie jetzt im Winter zur Mittagszeit zur Senkung des Börsenstrompreises bei. Zudem hat er laut Bundesnetzagentur dazu beigetragen, die Stilllegung von acht Atomkraftwerken aufzufangen.

Billiglöhner zahlt Solarmodule des Hausbesitzers

Um den Sinn der Sonnenenergie in Deutschland rankt sich eine heiße Debatte. Die Vergütungszahlungen belaufen sich auf fast acht Milliarden Euro pro Jahr. Daher ist Solarenergie für die Bürger, die die Förderung über den Strompreis zahlen, die mit Abstand teuerste Ökoenergie-Art. Zugespitzt bedeutet dies, dass der in einer Mietwohnung lebende Billiglöhner aus Berlin-Marzahn durch die Solarumlage dem Zahnarzt am Starnberger See die Rendite für seine Solar-Dachanlage zahlt.

Letztlich übersteigen die Kosten Kritikern zufolge schlicht den Nutzen. Die auf 20 Jahre garantierten Fördergelder können sich am Ende auf mehr als 100 Milliarden Euro summieren. Statt Hilfe zur Markteinführung habe sich die Förderung in eine gewaltige Dauersubvention verwandelt.

Befürworter der Solarenergie halten dem entgegen, dass es sich bei den meisten Förderkosten um Altlasten handelt. Bis 2016 werde die über den Strompreis zu zahlende Solarumlage von knapp zwei Cent nur noch um 1,8 Prozent steigen, der Strommixanteil aber auf 6,8 Prozent zulegen.

Umweltschädigende Subventionen doppelt so hoch wie für Solarförderung

Die kurzfristige Mehrbelastung durch die Förderung mache sich langfristig durch stabilere Strompreise bezahlt. Schon jetzt werden Importkosten für immer teurer werdende Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle in Milliardenhöhe vermieden. Zudem werden laut Solarwirtschaft schon jetzt rund 12,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme betont, umweltschädliche Subventionen kosteten den Steuerzahler 48 Milliarden Euro pro Jahr, während die kumulierten Solarförderkosten von 2000 bis 2011 nur 22 Milliarden Euro ausmachten.

Billigproduktion aus China macht Effekt für die Wirtschaft fragwürdig

Fragwürdig ist auch der positive Effekt für die heimische Wirtschaft. Zwar arbeiten derzeit 150.000 Menschen im Bereich Solarenergie, 2010 wurden dadurch Steuermehreinnahmen von 1,45 Milliarden Euro erzielt und Solartechnik bietet enorme Exportchancen für Deutschland - doch praktisch entstehen immer mehr Module in China.

70 bis 80 Prozent werden inzwischen aus dem fernen Osten importiert. Angesichts des Preisdrucks müssen viele deutsche Unternehmen ums Überleben kämpfen, während die Verbraucher mit Milliardenzahlungen Chinas Solarindustrie aufpäppeln.

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kathi Biehl
  • Kommentar 6
  • 07.07.2012 12:23
Antwort auf Kommentar 1

Tja, da kann ich Joe 54 nur recht geben. Herr Springer kennt sich mit den Mafia Methoden ja gut aus. Immer rein in die Taschen, auf Kosten der Anderen. Immer am Rande der Legalität und nie zu fassen. Leider ....

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  • JR
  • Kommentar 5
  • 07.03.2012 23:52
Antwort auf Kommentar 4

Ja!

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  • Kenzo
  • Kommentar 4
  • 06.03.2012 15:51
Antwort auf Kommentar 3

Gilt dann auch für die Fördermittel für Siemens, BASF, Mercedes Benz, Chemie-Industrie, Pharma-Industrie..?!

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