Leiharbeit Unsere modernen Sklaven

Wenig Jobsicherheit, niedrigere Löhne als die Festangestellen: Immer mehr Leiharbeiter schuften in deutschen Unternehmen. Im Leipziger BMW-Werk sind es rund 40 Prozent der Belegschaft. Nun wehrt sich der Betriebsrat vor Gericht - und verliert den Prozess.

Zur Eröffnung im Jahr 2005 wurde im BMW-Werk in Leipzig an einem BMW der 3er Reihe gearbeitet. (Foto)
Zur Eröffnung im Jahr 2005 wurde im BMW-Werk in Leipzig an einem BMW der 3er Reihe gearbeitet. Bild: dapd

Dem Autobauer BMW geht es gut. Das Werk im Leipziger Norden wird derzeit für 400 Millionen Euro erweitert. Dort werden mehrere Modelle der 1er-Reihe sowie der kompakte Geländewagen X1 gebaut. Ab 2013 sollen neue Elektromodelle vom Band laufen. Der bayerische Autobauer ist auch ein wichtiger Jobfaktor für die sächsische Messestadt: 2800 Menschen arbeiten im Werk. Doch es ist eine Klassengesellschaft.

Denn rund 1200 der Stammbeschäftigten sind Leiharbeiter. Sie profitieren nicht von Betriebsvereinbarungen. Ihr Job ist befristet, meist auf ein Jahr. Sie erhalten kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld wie die Festangestellten. Im Schnitt haben sie 30 Prozent weniger in der Tasche als der festangestellte Kollege am Fließband, sagt Robert Döring, Vize-Betriebsratschef im Leipziger BMW-Werk.

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«Eklatantes Missverhältnis» zwischen Fest- und Leiharbeitern

Im Schnitt seien die Leiharbeiter seit drei bis vier Jahren im Werk angestellt. Manch einer sei aber sogar seit sechseinhalb Jahren im Leipziger Autowerk tätig. «Die Menschen können ihr Leben nicht langfristig planen, sie müssen mit der Angst um den Job leben», sagt Betriebsratsvize Döring.

Knapp 40 Prozent der Arbeiter im Leipziger BMW-Werk sind Leiharbeiter, so viel wie an keinem anderen Standort des bayerischen Autobauers. Das sei ein «eklatantes Missverhältnis», sagt Betriebsratssprecher Jens Köhler. Deshalb verweigerte der Betriebsrat seine Zustimmung, als BMW nun seinen rund 1100 Leiharbeitern einen neuen Zeitvertrag ausstellen lassen wollte. «Es muss mehr Festanstellungen geben», so Köhler.

BMW als Vorreiter in Sachen Leiharbeit

So saßen sich Betriebsrat und BMW-Vertreter im Gerichtssaal 6 des Leipziger Arbeitsgerichts gegenüber. Der Konzern wollte die Zustimmung des Betriebsrates durch einen Richterbeschluss ersetzen, er sieht den Einsatz von Leiharbeitern als unverzichtbar. «Unser Standpunkt ist: Auch wenn die Zeiten gut sind, wollen wir Beschäftigung behutsam aufbauen», so Werkssprecher Jochen Müller.

BMW gilt in Sachen Leiharbeit als vorbildlich. Denn das Unternehmen hat einen Tarifvertrag für zeitlich befristete Arbeiter erlassen, der die gleiche Grundvergütung wie für Stammangestellte vorsieht. Sogar Betriebsratssprecher Jens Köhler spricht sich für Leiharbeiter aus, etwa um Produktionsspitzen oder Urlaubs- und Schwangerschaftsvertretungen auszugleichen - nur eben nicht im bisherigen Umfang.

Massive Zunahme von Leiharbeit

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland mehr als verdoppelt - die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2011 insgesamt 910.000 Beschäftigte, die über eine Zeitarbeitsfirma befristet in Lohn und Brot gekommen sind. Grund für den Anstieg ist die Lockerung der Höchstdauer. War die Leiharbeit im ersten Gesetzentwurf Anfang der 1980er-Jahre noch auf drei Monate begrenzt, spricht die aktuelle Version des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes nur von einer abstrakten «vorübergehenden» Beschäftigung.

Wie lange ein Arbeitnehmer nun «vorübergehend» von einer Firma geliehen werden kann, bleibt weiter unklar. Das Leipziger Gericht ging darauf nicht ein. Der Vorsitzende Richter Uwe Heymann stellte klar, BMW habe nicht gegen Gesetze und Bestimmungen verstoßen. Die ersten 33 Leiharbeiter haben nun ihren befristeten Vertrag bekommen. Die Zustimmung für die Verträge der anderen, noch immer mehr als 1000 Leiharbeiter, wird in acht weiteren Gerichtsterminen bis zum Sommer verhandelt.

eia/news.de/dpa

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Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • trimi
  • Kommentar 9
  • 23.02.2012 20:26

es ist echte sklaverei 2jahr bmw 1 jahr meiller kipper 1jahr man und wiedar bmw jetz bin immer noch beim bmw zurück. ich habbe beim ein firma in england leder auto gerbeitet connolly leather dort 2 jahr sweeden beim volvo baga 2 jahr mit allem excellem zeugnis diplloma habe kein schanze in deutchland ein fest job ich hasse schon wieder giebs in deutchland skleverei bmw ist echtes skleverei mehr leiarbeiter als festeingeschtelt ich würde sofort andere land gehen aber mein frau wil nicht

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  • neoslave
  • Kommentar 8
  • 23.02.2012 12:34

SPD und CDU machen seit Jahrzehnten die Show.Am Ende ziehen sie immer am gleichen Ende des Seils.Ragna macht sich hier duemmer, als er ist.,,,,, Waehrend der Kapitalismus evolutioniert und Sklaven nun als Leiharbeiter bezeichnet, ist die oeffentliche Linke immer nur einkommensgeil geblieben ,ruelpst aber aus Anstand hin und wieder..

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 7
  • 17.02.2012 08:07
Antwort auf Kommentar 5

Ein stets gepflegtes Vorurteil, nämlich Schröder`s Sozialreform, wird durch Wiederholung nicht besser. Nicht nur dass die Arbeitsvermittlung durch die Anbindung von Job Center an die kommunale Stützeverwaltung misslungen ist, weil ein bürokratisch und verfassungswidriges Monstrum geschaffen wurde, sondern der ganze Weg war falsch: Die Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkt hätten geändert gehört, insb. die Konkurrenzierung durch ausländische Arbeitskräfte wäre zu unterbinden gewesen. Schröder hat herum gebastelt. Durch ihn ist der Beschäftigungsmarkt noch sklerotischer geworden.

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