Kim Dotcom Sie holten ihn aus dem Panikraum

Kim Dotcom (Foto)
Unter den in Neuseeland festgenommenen Betreibern von Megaupload ist auch der deutsche Unternehmer Kim Dotcom, der einst als Kim Schmitz bekannt war. Bild: dpa

Die Festnahme war filmreif. Vor der neuseeländischen Polizei verbarrikadierte sich der deutsche Megaupload-Gründer Kim Dotcom in einem Panikraum. Die Beamten mussten schweres Gerät einsetzen. Dotcom selber verpflichtete mittlerweile einen Staranwalt.

Der deutsche Internetunternehmer Kim Dotcom alias Schmitz hat zunächst versucht sich mit Elektroniktricks der Festnahme in Neuseeland zu entziehen. Das berichtete die Polizei am Samstag, die Einzelheiten ihrer Razzia auf Dotcoms Anwesen in Coatesville nördlich von Auckland bekannt gab. Die Polizei sei mit zwei Hubschraubern eingeflogen, berichtete Ermittler Grant Wormald. Dotcom habe sich ins Haus zurückgezogen und alle Türen elektronisch verschlossen. «Während die Polizei diese Schlösser neutralisierte, verbarrikadierte er sich in einem speziellen Raum in dem Haus und Beamte mussten sich den Weg dorthin freischneiden», sagte Wormald. «In dem Raum angekommen fanden sie Dotcom in der Nähe einer Waffe, die wie ein verkürztes Gewehr aussah.»

Daten-Portale
Im Graubereich
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Die US-Justiz hatte am Donnerstag den weltweit beliebten Internetdienst Megaupload sperren lassen. Nutzer konnten bis dahin auf dessen Seiten unkompliziert große Datenmengen tauschen. Mit 150 Millionen registrierten Nutzern und rund 50 Millionen Seitenaufrufen am Tag war der Dienst der wohl erfolgreichste seiner Art. Die Behörden in Washington werfen dem Anbieter Verstöße gegen Gesetze zum Schutz des Urheberrechts vor. Einer Klage zufolge soll das Unternehmen einen Schaden von mindestens 500 Millionen Dollar (390 Millionen Euro) verursacht haben.

Nach Angaben des US-Justizministeriums wurden neben Dotcom auch die beiden Deutschen Finn Batato und Mathias Ortmann sowie der Niederländer Bram van der Kolk festgenommen. Drei weitere Angeklagte, ein Deutscher, ein Slowake und ein Este, seien noch auf freiem Fuß. Gegen Nutzer der Internetseite seien vorerst keine Ermittlungen geplant, hieß es weiter.

Luxuskarossen beschlagnahmt

Bei den Durchsuchungen beschlagnahmte die neuseeländische Polizei unter anderem einen Rolls-Royce Phantom im Wert von über 300.000 Euro sowie mehrere Fahrzeuge der Marke Mercedes, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Darüber hinaus seien zwei Schrotflinten mit kurzem Lauf und eine Reihe von Kunstwerken sichergestellt worden. Außerdem wurden demnach über acht Millionen Dollar eingefroren, die bei verschiedenen Finanzinstituten angelegt waren.

Am Freitag wurden die vier Verdächtigen laut neuseeländischen Medienberichten in Auckland einem Richter vorgeführt. Es ist der Auftakt zu einem Auslieferungsverfahren, das sich bis zu ein Jahr oder länger hinziehen kann. Der Richter ordnete bis zu einer zweiten Anhörung am Montag den Verbleib der Männer in Untersuchungshaft an.

In den USA soll der bekannte Anwalt Bob Bennett Megaupload vertreten, wie aus Unternehmenskreisen bekannt wurde. Bennett verteidigte bereits den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton im Zusammenhang mit der Lewinsky-Affäre.

Piratenpartei kritisiert Strafverfolgung der Macher

Die US-Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation kritisierte die US-Justiz am Freitag. Die Festnahmen lieferten einen «erschreckenden Präzedenzfall. Wenn die Vereinigten Staaten einen niederländischen Bürger wegen eines Streits um Urheberrechte in Neuseeland festnehmen lassen können, was kommt dann als nächstes?»

Auch die Piratenpartei kritisierte die Schließung von Megaupload und die Festnahmen scharf. Mit Besorgnis stelle die Partei fest, «dass der Einfluss der Verwerterindustrie mittlerweile so groß ist, dass drei deutsche Staatsbürger in Neuseeland verhaftet werden, weil sie angeblich gegen amerikanisches Copyright verstoßen haben», teilten die Piraten am Freitag in Berlin mit.

Offenbar als Reaktion auf das Vorgehen der US-Justiz legten Hacker der Gruppe Anonymus am Donnerstag die Website des Ministeriums vorübergehend lahm. Auch die Organisation der amerikanischen Filmproduzenten und -verleiher meldete einen Hackerangriff auf ihre Seite.

Bei Megaupload.com können Nutzer Dateien, die etwa zu groß für eine E-Mail sind, auf einen Server hochladen, wo sie von anderen Nutzern wieder heruntergeladen werden können. Verwendung findet der Dienst unter anderem beim Austausch von Filmen sowie von Musik.

Mehrheitlich legitimer Datenverkehr?

Die Anschuldigungen, Megaupload fördere massenhafte Urheberrechtverstöße, seien «grotesk überzogen», erklärte das Unternehmen in einer kurz vor der Schließung auf seinen Internetseiten veröffentlichten Mitteilung. Die große Mehrheit des Datenverkehrs von Megaupload sei legitim. Eine endgültige Einstellung der Seite stehe daher nicht zur Debatte.

Zugleich boten die Verantwortlichen der Website eine Zusammenarbeit an: Wenn die Unterhaltungsindustrie von der Beliebtheit des Dienstes profitieren wolle, sei man zum Dialog bereit. «Wir haben einige gute Ideen. Meldet euch», hieß es in der Mitteilung des in Hongkong ansässigen Unternehmens.

Megaupload ist nicht nur wegen seiner Größe einzigartig, sondern auch wegen der prominenten Unterstützung - darunter Musiker und Produzenten wie Kim Kardashian, Alicia Keys und Kanye West. Chef ist der Musiker Swizz Beatz, der seit 2010 mit Keys verheiratet ist. Er wird in der Anklage nicht genannt. Megaupload war den Angaben zufolge zeitweise die 13.-meistgenutzte Website im Internet. Zuletzt lag sie immerhin noch in den Top 100.

ruk/cvd/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • humantestanimaltou
  • Kommentar 1
  • 22.01.2012 17:59

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