Riester-Rente Zwischen Erfolg und Nepp

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Sichere Vorsorge, sagen die einen. Völliger Unsinn, schimpfen die anderen. Zehn Jahre nach ihrer Einführung spaltet die Riester-Rente die Gemüter. Zum Jubiläum spendiert die Regierung der Rente ein Infoblatt für mehr Transparenz. Doch auch das ist heftig umstritten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Arbeitsminister Walter Riester kündigten sie einst als «historische Reform» an, versprachen «mehr Rente als nach altem Recht», und den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Ein Jahrzehnt später herrscht bei den Riester-Sparern aber vor allem eines: Unsicherheit.

Grund ist eine kontrovers geführte Debatte um Sinn und Unsinn des Vorsorgeprodukts. Riestern sei so gut wie keine andere Vorsorge, behaupten die einen, über eine Katastrophe mit Renditen «so schlecht wie beim Sparstrumpf», schimpfen die anderen.

Nimmt man 15 Millionen abgeschlossene Riester-Verträge seit 2002 als Maßstab, handelt es sich bei der Zusatzrente um eine Erfolgsgeschichte. Zumindest aus Sicht der Versicherer. «Für die Allermeisten rechnet sich die Riester-Rente so gut wie keine andere Vorsorge», meint Hasso Suliak, Sprecher des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch Namensgeber Walter Riester erachtet seine Erfindung als «sicher, rentabel und für alle zugänglich». Kritik daran bügelt er bis heute brüsk ab.

«Unrentabel und unverständlich»

Doch die wird zunehmend massiver. Im November 2011 veröffentlichten das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) und die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie zur Riester-Rente. Das Ergebnis aus Verbrauchersicht: verheerend. Die Tendenz der Erträge sei rückläufig, die Kostenfaktoren intransparent, das meiste Geld bleibe bei den Anbietern hängen.

Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein war an der Studie beteiligt. «Die Produkte sind unrentabel, unverständlich und intransparent», so der Vorsitzende des Bund der Versicherten (BDV) im Gespräch mit news.de. Die Kosten ließen sich für die Sparer so gut wie nie nachvollziehen, es profitiere hauptsächlich die Versicherungswirtschaft.

Eine Position, der Hasso Suliak heftig widerspricht. Er wittert eine «politisch motivierte Anti-Riester-Kampagne». Die Anstrengungen von Staat und Anbietern, die Verbreitung der Riester-Rente zu erhöhen, würden dadurch konterkariert, so der GDV-Sprecher. «Wo Risiken abgesichert, Geld angelegt, verwaltet und am Ende als Rente ausgezahlt wird, entstehen Kosten», wehrt sich Suliak gegen den Vorwurf zu hoher Anbieterkosten. Den negativen Beispielrechnungen des DIW setzen die Versicherer eigene Muster-Biografien entgegen.

Nach zehn Jahren wird nachgebessert

Inzwischen hat allerdings auch die Politik Handlungsbedarf erkannt. Einen ersten Schritt geht nun das Finanzministerium. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (iff) wurde eine Produktinformation entwickelt. Das Ziel: mehr Transparenz. Mit einem einheitlichen Produktinformationsblatt könne «die Vergleichbarkeit der verschiedenen Anlageprodukten im Rahmen der Riester-Rente weiter verbessert werden», so das Finanzministerium auf Anfrage von news.de.

Bloß nicht sparen!
Das Auslaufmodell in der Spardose
Dagobert Duck (Foto) Zur Fotostrecke

Ein gut gemeinter Ansatz, der nach Ansicht von Kleinlein allerdings nach hinten losgeht. «Wenn das Produktinformationsblatt des iff so kommt, wie es derzeit aussieht, ist das eine Katastrophe», so Kleinlein. Unverständlich und irreführend sei das Papier. Außerdem mache man sich damit «abhängig von den Ratingagenturen». Wann das Infoblatt erscheint, ist noch ungewiss, derzeit prüft das Ministerium den Entwurf.

Unabhängig vom Inhalt steht jedoch die Frage im Raum, warum ein solches Informationsblatt erst zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente kommt. Das Finanzministerium äußerst sich dazu schmalllippig. Schon nach geltendem Recht bestünden für den Anbieter von Riester-Verträgen vorvertragliche Informationspflichten, so das Amt. Die Anregung zum geplanten Infoblatt habe eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergeben. 

«Das Thema Transparenz ist nicht neu, sondern wurde auch bei der Einführung diskutiert», sagt Hasso Suliak. Allerdings handle es sich bei den Riester-Verträgen eben auch «um komplexe Produkte, deren Eigenschaften sich nicht mal eben in ein simples Schema pressen lassen».

Für verunsicherte Sparer dürften diese Auskünfte kaum zufriedenstellend sein. Denn auch ein Infomationsblatt für mehr Transparenz würde die Rahmenbedingungen der Altersvorsorge nicht grundsätzlich verbessern. Die Aufbruchstimmung um die neue Altersvorsorge ist nach zehn Jahren jedenfalls genauso verschwunden wie ihre beiden Gründungsväter aus der Tagespolitik.

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 5
  • 22.01.2012 19:14

Linke stellen sich dumm. Wenn Rürup oder Maschmeier (?) die Nähe von Schröder und Riester zur Vertriebskonzeption der Riesterrente suchen, ist das in Ordnung. Dieser linke Filz ist eine Krake, die ganz Deutschland heimsucht. Und da der linke Untertan für diesen Filz ist, ist er sein Teil. Daher braucht die Linksgewirkten den Verdacht gegen den anständigen BPräs. R befürchtet: Linke wählen ihre Schlächter auch noch, wenn sie von ihnen zur Schlachtbank geführt werden.

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  • gast
  • Kommentar 4
  • 20.01.2012 23:22
Antwort auf Kommentar 3

auf deinem planeten wird nicht geristert...

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 20.01.2012 19:44

Geht mich ja einen Mist an, aber seine Rente hat Riester vor R nicht verteidigt. Auch seine sozialen Ideen nicht. Zwei Begegnungen mit dem Gewerkschafter und Minister langen aus. R fordert: Schafft die Gewerkschaften ab. Nie mehr Gewerkschafter in Regierungspositionen. Nicht einmal in die Opposition. Selbst Herr Steinkühler würde diese Forderungen unterschreiben, sagt R.

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